Aktuelle Stellungnahme zur geplanten Mineralölsteuer-Senkung – Umweltschutzorganisation fordert Energiespar-Programme und Offensive für öffentliche Verkehrsmittel, um hohe Erdölabhängigkeit zu reduzieren
Alles rot: Sechs Monate nach der Giftschlammkatastrophe in Ungarn
Wien, Mittwoch, 6. April 2011 – Sechs Monate nach der Rotschlammkatastrophe in Ungarn sieht das Gelände nahe der Aluminiumfabrik in Ajka noch immer wie eine Geisterstadt aus. Die Fischwelt in den Flüssen Marcal und Torna wurde vollkommen vernichtet und das Wasser ist bis heute rot. Derzeit wird noch immer giftige Erde von den Ufern abgetragen. Die Straßen sind leer und die Menschen haben die Gegend verlassen. Mehr als 300 Häuser wurden abgerissen. Die Umweltorganisation WWF kritisiert, dass in Ungarn bis auf zwei gesetzliche Änderungen seither nichts passiert ist und dass es noch immer zuwenig an Informationen über weitere Giftschlammbecken und deren Risiken in Osteuropa gibt. „Wir brauchen höhere Sicherheitsstandards für die gesamte Region, denn eine weitere Katastrophe könnte sich jederzeit wiederholen“, warnt Andreas Beckmann vom Donau-Karpaten-Programm des WWF.
Seit dem Unglück passierten in Ungarn nur zwei gesetzliche Änderungen: Statt den Gemeindeverwaltungen sind jetzt Inspektoren für die Bergbauabfälle zuständig. Weiters wurden die Bestimmungen für Giftschlammbecken verschärft. „Die weiteren Giftlagerstätten wurden nicht überprüft und auch gab es keine Antwort Ungarns, wie die EU-Umwelthaftungsrichtlinie verschärft werden muss, um solche Unfälle zukünftig zu vermeiden“, warnt Beckmann.
Allein in Bulgarien gibt es knapp 20 solcher Becken. Manche wurden bereits aufgelassen, aber die Schwermetalle liegen noch immer im Boden und bedrohen Mensch und Natur. „Viele dieser Giftbecken liegen nahe an Flüssen, wodurch die Giftstoffe rascher verteilt werden können“, so Beckmann. Das größte Giftschlammbecken in der Balkanregion, Medet, befindet sich bei Pirdop in Westbulgarien. Es enthält 200 Millionen Tonnen an Abfällen mit Schwermetallen. Auch dieses Becken liegt nahe am Fluss Topolnitsa, der später in die Maritsa fließt, einem großen Fluss in Südbulgarien und Nordgriechenland. Der WWF kritisiert, dass kaum eine dieser giftigen Lagerstätten über undurchlässige und sichere Abdichtungen verfügt. „Sechs Monate nach der schlimmsten Umweltkatastrophe in Ungarn gibt es noch Hunderte ähnlicher Giftlagerstätten, vor denen wir nicht sicher sind. Der WWF fordert von der EU-Kommission und den Regierungen in Osteuropa eine lückenlose Kontrolle dieser tickenden Zeitbomben und eine Überprüfung der nationalen Gesetzgebung, damit so etwas nicht mehr passieren kann“, so Beckmann.

„Der Rotschlamm und der vergiftete Boden werden gerade gesäubert“, sagt Tamas Toldi, der Bürgermeister von Devecser in Ungarn. Jeden Tag werden 5.000 Kubikmeter Erde abgetragen und zurück in die Auffangbecken transportiert. Weil weitere Geldmittel fehlen, kann nicht alles abgetragen werden. In Zukunft soll auf dem kontaminierten Boden eine Plantage für die Biomasse-Produktion errichtet werden, um Strom zu produzieren. Bisher fehlen aber noch die Investoren dafür. „Die Rotschlammflut zerstörte unsere besten Felder und wir wissen nicht, wie wir unseren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Damals kamen viele, die uns Hilfe versprachen, aber nicht viel ist passiert“, klagte ein Einheimischer beim Lokalaugenschein des WWF.
Am 4. Oktober 2010 ergossen sich mehr als eine Million Kubikmeter Rotschlamm aus einem gebrochenen Damm einer Aluminiumfabrik im westungarischen Ajka. Die stark alkalischen und giftigen Fluten strömten durch die Orte Kolontár, Devecser und Somlóvásárhely. Zehn Menschen starben. Mehr als Hundert Menschen wurden verletzt. Das Unglück zerstörte mehrere Ortschaften, zwei Flüsse und den Lebensraum der Wildtiere.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF
Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at. F
Hintergrundinformation zu Medet/Bulgarien:
www.panda.org
Interview mit dem Gift-Experten Daniel Popov:
www.panda.org
Interview mit dem EU-Abgeordneten Michalis Tremopoulos:
www.panda.org
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