Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
Keine weiteren Fischotter-Abschüsse in Niederösterreich! WWF erhebt Beschwerde bei Gericht
Presseaussendung
Wien, St. Pölten, 18. Oktober 2018 – Aufgrund zahlreicher rechtlicher und inhaltlicher Mängel hat die Naturschutzorganisation WWF Österreich heute, Donnerstag, eine gerichtliche Beschwerde gegen die Tötung von 40 weiteren Fischottern in Niederösterreich eingebracht. „Wir fordern die sofortige Aussetzung dieser Tötungen. Denn mit ihrem Fischotterbescheid setzt sich die Landesregierung erneut über nationales und EU-Recht hinweg. Sowohl der Naturschutz als auch die zehntausenden Stimmen gegen die Abschüsse der europarechtlich geschützten Art werden einfach ignoriert“, sagt WWF-Expertin Christina Wolf-Petre zu der beim Landesverwaltungsgericht eingebrachten Beschwerde. „Die zuständige Naturschutzbehörde muss geltendes Recht einhalten und korrekt umsetzen. Die bisherige Klientelpolitik auf Kosten des Fischotters ist völlig inakzeptabel.“
Zur Vorgeschichte: Die vom WWF und ÖKOBÜRO im Februar 2018 beim Landesverwaltungsgericht erhobene Beschwerde gegen die Entnahme von 40 Fischottern war erfolgreich: Das Gericht bewertete das Verfahren und die Vorarbeiten des Landes als derart mangelhaft, dass es den Bescheid aufhob und die Behörde damit zurück an den Start schickte. Die Teichwirte hatten bis dahin jedoch bereits 20 Fischotter getötet, der Landesfischereiverband hingegen sein „Kontingent“ von 20 Tieren gar nicht genutzt. Dennoch traf bereits am 25. Mai – also noch vor Ablauf des laufenden Bescheids – der nächste Antrag der Fischer und Teichwirte für die Tötung von weiteren 40 Fischottern ein und wurde von der Naturschutzabteilung erneut genehmigt. Deshalb hat der WWF am 18. Oktober neuerlich eine Beschwerde mit Bezug auf das vorliegende Urteil eingebracht.
Der WWF appelliert an die Politik, gemeinsam an nachhaltigen und rechtskonformen Lösungen zu arbeiten: „Wir verstehen die Sorgen der Teichwirte und Fischereiverbände, sehen aber nicht ein, wieso der streng geschützte Fischotter als Sündenbock für politische Versäumnisse herhalten muss. Die Landesregierung muss endlich einen rechtskonformen Managementplan vorlegen, der dem Fischotter das Überleben sichert und die wirtschaftlichen Interessen der Teichwirte bestmöglich berücksichtigt“, sagt Biologin Christina Wolf-Petre vom WWF. Notwendig sind vorbeugende Maßnahmen sowie Entschädigungen, die das Land NÖ in ausreichendem Umfang bereitzustellen hat. Dazu kommt ein ökologisches Pflichtenheft. „Der Rückgang der Fischfauna liegt nicht primär am Fischotter, sondern ist vor allem den vielen Wasserkraftwerken und Verbauungen unserer Flüsse und Bäche geschuldet. Hier gilt es die Renaturierung von Flüssen zu forcieren und auf naturverträglichere Fischerei zu setzen“, betont Wolf-Petre.
WWF ist zu konstruktiver Zusammenarbeit bereit
Dass jüngst auch das Landesverwaltungsgericht den fundierten Einwänden der Umweltorganisationen stattgegeben hat, lässt hoffen, dass doch noch eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann. Der WWF ist jedenfalls weiterhin zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit. Der nächste logische Schritt wäre, dass endlich Klarheit über den tatsächlichen Fischotterbestand in Niederösterreich hergestellt und die seit dem EU-Beitritt klaffende Wissenslücke geschlossen wird. „Eine solide wissenschaftlich abgesicherte Datengrundlage ist für jede Form des Managements unerlässlich. Das gilt auch und gerade im Naturschutz“, bekräftigt WWF-Vertreterin Wolf-Petre.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF, Tel. 0676/83 488 203, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Auswilderungsprojekt: Tiroler Wisent-Kuh „Ina” erfolgreich im Kaukasus freigelassen
Naturschutzorganisation siedelt Wildrinder in ihrer Heimat Aserbaidschan an – Kuh „Ina” aus Innsbruck ist eines von 18 Tieren – WWF: „Paradebeispiel für internationalen Artenschutz”
Stromanbieter-Check: TIWAG fällt bei Stromanbieter-Check durch
129 heimische Stromanbieter von WWF und GLOBAL 2000 analysiert – TIWAG aufgrund von mangelnder Transparenz und fehlender naturverträglicher Strategie nur auf Platz 116
Stromanbieter-Check: Wenige Vorreiter, viel Intransparenz
WWF und GLOBAL 2000 analysieren 129 heimische Stromanbieter: Nur drei Vorreiter gekürt, schlechtes Zeugnis für viele Landesenergieversorger
Tiwag-Talschaftsverträge: WWF fordert Reformen statt heimlicher Absprachen
Geheime Vereinbarungen erst nach Gerichtsbeschluss offengelegt – WWF fordert volle Transparenz, unabhängige Kontrolle und neue Spielregeln für künftige Verträge
Good News: Neues Jahr bringt Fangverbot für Störe in Bulgarien
Bulgarien hat ein dauerhaftes Fangverbot für Störe in der Donau und im Schwarzen Meer eingeführt. Der WWF Bulgarien spielte dabei eine Schlüsselrolle.
Treibhausgas-Bilanz: WWF warnt vor drohendem Verfehlen der Klimaziele
Ausblick negativ, Österreich nicht auf Kurs für 2030 und 2040 – Verfehlen der Klimaziele wäre „politisches Debakel der Sonderklasse“
WWF zum Ableben von Andreas Pataki
Früherer Bürgermeister von Marchegg und langjähriger Partner im WWF-Auenreservat Marchegg verstorben – WWF würdigt Lebenswerk und Einsatz für Natur
Good News: Abkommen als Meilenstein für Meeresschutz
Das neue Jahr läutet eine neue Ära der Meerespolitik ein: Durch das internationale Abkommen zum Schutz der Hohen See gibt es nun endlich Regeln für zwei Drittel der globalen Meeresfläche.












