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© Dr Sanjay K Shukla/ WWF International

12 Strategien, die ein Comeback des Tigers ermöglichen

WWF-Maßnahmen zum Tigerschutz 2010 – 2022

2. Februar 2022

Von den 100.000 Tigern, die einst durch die Wälder Asiens streiften, gab es im Jahr 2010, dem letzten Jahr des Tigers, nur noch geschätzte 3.200 Exemplare. Die ikonische Großkatze war vom Aussterben bedroht, ihr Bestand auf einem Rekordtief. 2010 wurde zu ein entscheidenden Jahr in der Geschichte des Tigerschutzes. Alle Länder, in denen Tiger vorkommen, trafen sich 2010 zum Tiger-Gipfel in St. Petersburg und setzten sich ein ambitioniertes Ziel:  die Bestände wild lebender Tiger bis 2022 – dem nächsten Jahr des Tigers – zu verdoppeln.

Etappensieg erzielt

Anfang Februar 2022 hat wieder das chinesische Jahr des Tigers begonnen. Ob das Ziel erreicht wurde, steht noch nicht fest, denn derzeit zählen noch viele Länder mit aufwendigen Monitorings ihre nationalen Bestände. 2016 gab es jedoch einen ersten Lichtblick: Zum ersten Mal seit über 100 Jahren konnte ein Anstieg der weltweiten Tigerbestände verzeichnet werden. Die Bestandserhebungen ergaben eine Zahl von knapp 3.900 wilden Tiger – ein wundervoller Etappensieg.

Doch der Fortschritt ist fragil

Leider stiegen die Bestandszahlen nicht in allen 13 Tigerstaaten gleichmäßig. Während die Tigerpopulationen in einigen Ländern wie Bhutan, China, Indien, Nepal und Russland stetig zunahmen, schrumpften die Bestände in ganz Südostasien. Mit einem Wort: Der Fortschritt ist noch sehr fragil. Die wichtige Frage lautet: Wie ist Tigerschutz in den Ländern mit steigenden Bestandszahlen gelungen?

Hier sind 12 Strategien, die das Comeback des Tigers in den letzten 12 Jahren ermöglichten.

1. Verbindung von Tigerlebensräumen über Grenzen hinweg

Die Länder, in denen die Zahl der Tiger zugenommen hat, haben hart daran gearbeitet ihre Tigerlebensräume miteinander zu verbinden. Das ermöglicht es den Tigern sich frei und sicher durch die Landschaften zu bewegen. Ein Beispiel: Im Fernen Osten Russlands liegt der „Land of the Leopards“-Nationalpark, nicht weit davon entfernt liegt der chinesischen Amur-Tiger- und Leoparden-Nationalpark. Ein Wildtierkorridor verbindet die beiden Schutzgebiete und sichert so die Hauptwanderroute für Tiger. Nach einem Jahrzehnt der Schutzbemühungen hat sich nicht nur die Zahl der Tiger in diesem Nationalpark verdreifacht, sondern die Verbindung ermöglicht es den Tigern auch, zwischen beiden Ländern hin und her zu wandern – ein großer Erfolg.

2. Schutz auf Gemeindeebene

Der WWF arbeitet in Nepal eng mit den lokalen Gemeinden zusammen, die oft zum Überleben auf einen intakten Wald angewiesen sind. Der Khata-Waldkorridor in Nepal hat sich dank der Bemühungen der lokalen Bevölkerung erholt und ist von nur 115 Hektar auf 3.800 Hektar angewachsen. Zusätzlich zur Wiederherstellung der Wälder wurden hier auch auf ergänzende Schutzmaßnahmen gesetzt, wie z. B. auf alternative Energieprogramme durch Biogas, Brennstoff zum Kochen aus Tierdung, der den Bedarf der Haushalte an Brennholz ersetzt und den Druck auf die Wälder verringert. Der Korridor ist nun auch die Heimat von Tigern, die zwischen den Wäldern Nepals und Indiens frei umherstreifen können.

Tiger im Käfig - Bucket

3. Bekämpfung des illegalen Handels mit Tigern, ihren Teilen und Produkten

Die Bekämpfung des illegalen Tigerhandels erfordert eine enge Zusammenarbeit der zuständigen Strafverfolgungsbehörden innerhalb eines Landes und grenzübergreifend über die gesamte Handelskette hinweg. WWF und TRAFFIC haben sich dafür eingesetzt, die Zusammenarbeit zwischen den Regierungen zu erleichtern, um die Kette des Tigerhandels zwischen Indien, China und Nepal zu durchbrechen. Nepal gründete das National Wildlife Crime Control Coordination Committee, um die behördenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Polizei, Zoll und Nachrichtendiensten zu erleichtern, ähnlich dem indischen National Wildlife Crime Control Bureau. Dieser strategische Ansatz hat dazu geführt, dass das Personal der Schutzgebiete, die Polizei und andere Vollzugsbehörden auf regionaler Ebene besser in der Lage sind, die Wilderei und den Handel mit Tigerteilen und -produkten zu bekämpfen und politische Unterstützung für den Tigerschutz zu gewinnen.

4. Ausdehnung des Verbreitungsgebietes

Dort wo sich die Tigerpopulationen erholt haben, können Forscher Tiger auf einmal in neuen Gebieten zu beobachten. Zum Beispiel erobern Tiger in Nepal zunehmend auch höher gelegene Lebensräume für sich – eine sehr erfreuliche Aussicht. Aber nicht nur das: Es gab auch Tigersichtungen, die belegen, dass sich das Tigerverbreitungsgebiet in Nepal um unglaubliche 200 km nach Osten ausgedehnt hat. Dies ist ein Verdienst der bemerkenswerten Bemühungen der Regierung und der Gemeinden in den Tigerlandschaften während des letzten Jahrzehnts.

Leider ist dieses positive Bespiel aus Nepal eine Ausnahme. Global gesehen ist das Verbreitungsgebiet in den letzten 10 Jahren weiter geschrumpft – auch wenn die Zahl der Tiger weltweit leicht zugenommen hat. Damit die Tigerbestände also weiterhin wachsen können, ist es wichtig geeignete Tigerlebensräume auszuweiten.

5. Umsiedelung von Tigern

Manchmal müssen erst die Voraussetzungen für die Vermehrung von Tigern geschaffen werden. Im Westen des indischen Rajaji-Tiger-Reservats lebten bis vor Kurzem nur zwei Tigerinnen. Seit 2006 gab es in dem Reservat keine Anzeichen für Fortpflanzung. Die Wiederansiedlung neuer Tiger sollte dies ändern. Im Jahr 2020 wurden schließlich zwei Tiger aus dem Corbett Tiger Reserve wieder angesiedelt.

6. Wiederansiedelung

In Kasachstan ist der Tiger seit über 70 Jahren ausgestorben. Derzeit laufen Vorbereitungen, um die ikonische Großkatze bis zum Jahr 2025 in das Land zurückzubringen. Dieser Prozess wird mindestens 15 Jahre dauern und drei wichtige Phasen umfassen: Erstens die Vorbereitung des Lebensraums, die 2018 begann und bis 2024 dauern wird. Die zweite Phase ist die Phase der Wiederansiedlung des Tigers, die weitere neun Jahre, also bis 2033, dauern wird. In diesem Zeitraum werden mindestens 10 Tiger umgesiedelt. Ab 2025 startet die dritte Phase, die Überwachung der Bestandsentwicklung. Diese Phase wird mindestens 15 Jahre andauern. Unter den richtigen Bedingungen kann das Ile-Balkhash-Reservat 120 Tiger beherbergen.

Ranger

7. Unterstützung der Ranger

Der „SMART Patrol“-Ansatz unterstützt Ranger in ihren Bemühungen, Wildtiere vor Wilderern und anderen Bedrohungen zu schützen. Daten wie Sichtungen von Wildtieren und illegale Aktivitäten werden über die SMART-App aufgezeichnet und dann verwendet, um den Rangern zu helfen, ihre Patrouillen je nach Standort der Bedrohung anzupassen. Seit 2012 hat sich die Zahl der Tiger im Royal Manas National Park in Bhutan dank der „SMART Patrouillen“ und anderer Schutzmaßnahmen verdoppelt – ein unglaublicher und hart erkämpfter Erfolg.

8. Zusammenleben von Mensch &Tiger möglich machen

Tiger leben in einigen der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Mit steigenden Tigerzahlen kommt es auch immer öfter zu Konflikten zwischen Mensch und Tier. Genau aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung für das Comeback wild lebender Tiger so wichtig. Denn es gilt ein friedliches Miteinander zu erlernen. Dazu hat der WWF im indischen Pilibhit-Tiger-Reservat freiwillige Teams aus der Bevölkerung darin geschult, Tigerspuren zu entdecken, Tiger-Verhalten zu verstehen und Konfliktsituationen zwischen Menschen und Tigern entschärfen kann. Mit diesen Fähigkeiten können die Teams die lokalen Behörden im Konfliktmanagement unterstützen.

Eine Herde Gaur auf grüner Wiese im Kui Buri Nationalpark (Thailand)

9. Wiederherstellung von Tiger-Lebensräumen

Thailand ist in Südostasien führend bei der effektiven Verwaltung seiner Tigergebiete. Der WWF-Thailand hat sich mit dem thailändischen Ministerium für Nationalparks, Wildtiere und Pflanzenschutz zu einem Projekt zusammengeschlossen, um die langfristige Erholung sowohl der Tiger- als auch der Beutetierpopulationen zu unterstützen. Gemeinsam werden wichtige Weideflächen wiederhergestellt und künstliche Salzlecken angelegt, um die Wildtiere mit lebenswichtigen Mineralien zu versorgen. Drei verschiedene Beutetierarten des Tigers haben bereits von diesen Maßnahmen profitiert – Muntjac, Sambarhirsch und Gaur – ein wichtiger Schritt zur Erholung des Tigers.

10. Bewältigung der Schlingfallen-Krise

Schlingfallen sind eine der grausamsten Arten der Jagd und schaden nicht nur Tigern, sondern töten wahllos verschiedenste Tierarten. Zur Bekämpfung der Schlingfallenkrise hat der WWF-Malaysia die Initiative „Project Stampede“ ins Leben gerufen. Im Zuge der Initiative wurde die Zahl der Patrouillenteams, die von Angehörigen der lokalen indigenen Gemeinschaften gebildet werden, drastisch erhöht. Diese Teams führen Patrouillen durch, entfernen Schlingen und sammeln Daten über die Wilderei. Obwohl die Initiative erfolgreich war und die Zahl der aktiven Schlingfallen um 94 % reduziert werden konnte, sind die Tigerbestände in Malaysien weiter geschrumpft.

Zwei Ranger entfernen Schlingfallen in Kambodscha

11. Schutzstandards einführen

Schutzgebiete sind eine gute Strategie, um Waldflächen als Tigerlebensräume zu erhalten. Ein Schutzgebiet alleine sorgt aber noch nicht für steigende Tigerzahlen. Schutzgebiete müssen auch gut verwaltet werden, denn viele Studien zeigen, dass der Bestand an Tigern in Schutzgebieten weiter zurückgehen kann, insbesondere durch die Jagd auf Buschfleisch (Beutetiere des Tigers) oder die Wilderei von Tigern und andere illegale Aktivitäten. Daher wurden Conservation Assured Tiger Standards (CA|TS) – ein 17 Punkte umfassender Kriterienkatalog für Tigerschutzgebiete eingeführt, um Qualitätsstandards im Schutzgebietsmanagement einzuführen.

Die indische Regierung hat die CA|TS im Jahr 2020 für alle 50 Tigerreservate des Landes eingeführt, in denen über 60 % der weltweiten Tigerpopulation leben. Im folgenden Jahr gab Indien bekannt, dass 14 dieser Tigerreservate CA|TS-zertifiziert wurden. Die CA|TS-Zertifizierung zeigt, dass ein effektives Management eines Gebietes die Erhaltung der Tiger und, womöglich eine Erholung der Bestände ermöglicht.

12. Nachhaltige Finanzierung

Im Rahmen des Projekts „Bhutan for Life“ hat die Regierung mit Unterstützung des WWF Bhutan ein Netz von effektiv verwalteten und nachhaltig finanzierten Schutzgebieten im ganzen Land geschaffen. Dadurch werden nicht nur die Wanderkorridore der Tiger geschützt, sondern auch die wichtigsten Lebensräume mit hoher Artenvielfalt und Klimaresistenz sowie die Gebiete, die sie miteinander verbinden.

Die Zukunft des Tigerschutzes

Obwohl in den letzten 12 Jahren eine Reihe wichtiger Erfolge für die Tiger erzielt wurden, ist die Arbeit noch lange nicht zu Ende. Im September 2022 werden die Länder, in denen Tiger vorkommen, erneut auf dem zweiten Welttigergipfel zusammenkommen, und es wird sich zeigen, ob das TX2-Ziel erreicht wurde. Der Gipfel ist auch eine Gelegenheit für die Länder, ihr Engagement für den Schutz der Tiger zu erneuern, wenn die Regierungen ihre Ziele für die nächsten 12 Jahre des Tigerschutzes festlegen.

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