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Bedrohte Arten: Was genau ist die Rote Liste der IUCN?

15. April 2026

Der Beutelwolf, die Wandertaube oder der Dodo: Manche Arten sind höchstens noch auf Fotografien, Illustrationen oder ausgestopft in Museen zu sehen. Durch gezielte Schutzmaßnahmen können viele Arten noch gerettet werden. Doch leider ist es für manche bereits zu spät. Und auch aktuell gibt es zahlreiche Arten, die kurz vor dem Aussterben stehen.

Den umfassendsten Überblick über den Zustand der Artenvielfalt auf unserem Planeten bietet die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Wir erklären, was die Rote Liste ist und wie sie funktioniert.

Was genau ist die Rote Liste?

Säugetiere, Amphibien, Vögel, Bäume oder Korallen: Weltweit 172.600 der Tier- und Pflanzenarten, die auf unserem Planeten vorkommen, erfasst die internationale Rote Liste bedrohter Arten. Sie ist der verlässlichste und renommierteste Indikator für den weltweiten Zustand von Tier- und Pflanzenarten. Nach wissenschaftlichen Kriterien wird untersucht, in welche der Bedrohungskategorie eine Art eingestuft wird. Mehr als 48.600 Arten sind laut der Roten Liste bedroht – das sind mehr als ein Viertel aller untersuchten Arten.

Wer verfasst die Rote Liste?

Die Rote Liste wird seit 1964 von der Weltnaturschutzunion IUCN herausgegeben und seither ständig aktualisiert. Die IUCN ist das größte Netzwerk für weltweiten Naturschutz. Für die Erstellung der Roten Liste werten Expert:innen alle relevanten und zugänglichen Daten aus der ganzen Welt zu den jeweiligen Arten aus. Dazu zählt das Material von Wildtierkameras, Ergebnisse von DNA-Analysen oder gefundene Spuren. Um Spuren wie Kot zu finden werden sogar eigens abgerichtete Spürhunde eingesetzt. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden anschließend durch die Einteilung in Bedrohungskategorien komprimiert.

Artenzählungen sind aufwändig und teuer. Insbesondere je seltener die Art ist: Es ist sehr viel schwieriger nachzuweisen, dass ein Tier nicht mehr existiert, als nachzuweisen, dass ein Tier noch existiert.

Welche Gefährdungsstufen kennt die Rote Liste?

Die Kategorien der Roten Liste sollen die Ergebnisse der Expert:innen-Untersuchungen leicht verständlich machen. In welche Kategorie eine Art eingeteilt wird, hängt nicht nur von der Anzahl der Individuen ab. Auch die Verfassung ihres Lebensraums und die Fortpflanzungsraten werden berücksichtig.

Insgesamt gibt es 9 Kategorien, von denen die 5 letzten als Bedrohungskategorien gelten:

  • Nicht bewertet: Die Art wurde noch nicht von den Expert:innen untersucht.
  • Datenmangel: Es liegen nicht genügend Informationen für eine Bewertung vor.
  • Nicht gefährdet („least concern”): Keines der Kriterien für eine Bedrohungskategorie trifft derzeit zu.
  • Gering gefährdet („near threatened”): Die Art steht kurz davor, die Kriterien für eine bedrohte Kategorie zu erfüllen.
  • Gefährdet („vulnerable“): Die Art hat in freier Wildbahn ein hohes Risiko auszusterben.
  • Stark gefährdet („endangered“): Die Art hat in freier Wildbahn ein sehr hohes Risiko auszusterben.
  • Vom Aussterben bedroht („critically endangered“): Die Art hat in freier Wildbahn ein extrem hohes Risiko auszusterben.
  • In freier Wildbahn ausgestorben („extinct in the wild”): Umfassende Untersuchungen konnten keinen Nachweis der Art in freier Wildbahn erbringen.
  • Ausgestorben („extinct“): Das letzte Individuum einer Art ist gestorben – daran gibt es nach Untersuchungen keinen begründeten Zweifel.

Welche Arten stehen 2026 auf der Roten Liste?

Am 9. April 2026 veröffentlichte die IUCN ein Update der Roten Liste. Vor allem antarktische Arten werden darin als stärker bedroht eingestuft. Einer der Gründe ist der Verlust des Meereises durch die Erderhitzung: Dadurch haben antarktische Arten weniger Rückzugsorte für die Aufzucht ihrer Jungtiere und die Nahrung wird zusätzlich immer knapper. Drei Arten stechen bei dem jüngsten Update besonders hervor, die wir in der Fotostrecke vorstellen.

Kaiserpinguin

In dem neuen Update wurde der Kaiserpinguin von der IUCN von „gering gefährdet“ auf „stark gefährdet“ hochgestuft. Grundlage dafür sind unter anderem vom WWF unterstützte Forschungsergebnisse, die einen dramatischen Rückgang der Population prognostizieren. Kaiserpinguine, die ausschließlich in der Antarktis vorkommen, sind stark vom sogenannten „Packeis“ abhängig – Meereis, das mit dem Land oder Eisschelfen verbunden ist. Dieses dient ihnen über 9 Monate im Jahr als lebenswichtige Plattform zum Brüten, Aufziehen der Jungtiere sowie für die Mauser. Doch genau dieses Eis verschwindet zunehmend durch die Folgen der Klimakrise, was zu massiven Brutverlusten führt. Aktuell wird die Population auf etwa 595.000 erwachsene Tiere geschätzt.

Antarktischer Seebär

Die Population des Antarktischen Seebärs ist seit dem Jahr 2000 um mehr als die Hälfte gesunken: Waren es 1999 noch 2.187.000 geschlechtsreifen Tiere, schrumpfte die Zahl bis 2025 auf nur mehr 944.000 Tiere. Die Art gilt nun als „stark gefährdet“, vormals war sie als „nicht gefährdet“ eingestuft. Der drastische Rückgang ist auf die Klimakrise zurückzuführen, da der sogenannte Krill – bestimmte Kleinkrebse – in seinem Bestand stark durch die stärkeren Meerestemperaturen beeinflusst werden. Dadurch finden die Seebären weniger Nahrung.

Südlicher See-Elefant

Aufgrund der hochpathogenen Vogelgrippe gingen die Bestände des Südlichen See-Elefants zurück. Seit 2020 verbreitete sich die Vogelgrippe weltweit deutlich stärker und breitete sich auch auf Säugetiere aus. Nun wurde der Bedrohungsstatus des Südlichen See-Elefantens auf der Roten Liste der IUCN von „nicht gefährdet“ auf „gefährdet“ geändert. Die Krankheit hat 4 der 5 großen Teilpopulationen befallen, wobei in einigen Kolonien mehr als 90% der neugeborenen Jungtiere starben. Arten, die in Kolonien dicht beieinander leben, sind besonders stark von Krankheiten betroffen.

Welche Arten der Roten Liste kommen in Österreich vor?

In Österreich kommen 37 Arten vor, die von der IUCN als weltweit „vom Aussterben bedroht“ gelistet werden. Dazu zählen etwa der Feldhamster und der Europäische Nerz. Direkte Schlüsse darauf, welche Arten in Österreich besonders gefährdet sind, können von den IUCN Globalen Roten Listen nicht getroffen werden. Bei der Aktualisierung der vorhandenen Roten Listen auf nationaler Ebene ist Österreich seit Jahren nachlässig – rund 85% der österreichischen Roten Listen (18 von 21) wurden vor über 10 Jahren das letzte Mal erneuert.

Zahlen und Fakten

  • Seit 1964 wird die Rote Liste von der Weltnaturschutzunion IUCN herausgegeben.
  • Sie bietet den umfassendsten Überblick über den Zustand der Artenvielfalt auf unserem Planeten.
  • Insgesamt gibt es auf der Roten Liste 9 Kategorien, von denen die 5 letzten als Bedrohungskategorien gelten.
  • Mehr als ein Viertel der von der Roten Liste erfassten Arten gilt als bedroht.

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