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© Brian J. Skerry

Die Wiederbelebung eines Naturjuwels

Das EU LIFE+ Projekt „Renaturierung der Unteren March-Auen“

Als das Projekt 2011, von der EU genehmigt, an den Start ging, dachte keiner der beteiligten Projektpartner, dass es uns so lange begleiten würde. 2016 musste es bis 2019 verlängert werden – das gab uns mehr Zeit und brachte einen deutlichen Gewinn für die Natur!

Warum renaturieren?

Der östliche Grenzfluss Österreichs wurde im 20. Jahrhundert stark reguliert, begradigt und um 14 Kilometer verkürzt. Die Ufer der March wurden mit Steinen und Betonplatten verbaut, Nebenarme und Mäander abgeschnitten und die Verbindung zwischen Fluss und Au gekappt. Zusätzlich befeuert von der Klimakrise kam es in Folge zu einer weitreichenden Austrocknung der angrenzenden Landschaft mit fatalen Folgen für die einst reiche Artenvielfalt. Seit den 1990er Jahren setzt der WWF deshalb an der March immer wieder Renaturieurungsprojekte um, aber keines in diesem großen Umfang.

Ziel dieses Projektes war die weitreichende Wiederherstellung einer naturnahen Flussdynamik und das Wasser der March wieder schneller in die angrenzenden Auen fließen zu lassen. Denn nur so kann verloren gegangener Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden. Das Projekt umfasste auch gezielte Maßnahmen für einzelne Arten. So wurden Brutflöße für Flussseeschwalben, Horste für Schwarzstorch, Seeadler oder Milane gebaut und invasiv wachsende Pflanzen entfernt, damit standorttypische Aubäume und -pflanzen wieder Platz haben.

Was haben wir gemacht?

Schritt für Schritt wurden gewässerökologische Verbesserungen und Renaturierungen entlang des österreich-slowakischen Grenzflusses detailliert geplant und umgesetzt. Einst trockengelegte Seitenarme führen heute wieder reichlich Wasser. Schädliche Regulierungen wurden zurückgebaut und Bachmündungen naturnahe umgestaltet. Insgesamt entstanden so über 7 km neu durchströmte Gewässer. Dafür mussten Bagger und LKWs rund 115.000 m³ Sedimente entfernen.

In der Au sind über 18 Hektar Feuchtwiesen neu entstanden, über 20 Hektar an Sutten (zeitweise wassergefüllte Senken) konnten gesichert werden und das Beweidungsprojekt mit Konikpferden wurde gestartet und läuft erfolgreich. Die so entstandenen naturnahen Lebensräume sind sehr rasch von der typischen Flora und Fauna angenommen worden.

Was haben wir erreicht?

Das Projekt wurde von einem umfangreichen wissenschaftlichen Monitoring begleitet, in dem Experten unterschiedliche Themenbereiche untersuchen. Es seien hier nur ein paar Beispiele genannt, wie die Artenvielfalt an der March durch das achtjährige Renaturierungsprojekt aufgewertet werden konnte: nach fast 15 Jahren Abwesenheit sind zwei vom Aussterben bedrohte Klee-Arten ebenso wieder im Gebiet anzutreffen, wie seltene Vögel, wie Wiedehopf, Flussuferläufer oder Flussregenpfeifer.

Durch die wasserbaulichen Maßnahmen an der March war es möglich, sieben neue Nebengewässer mit Inseln, Sandbänken und unbefestigten Ufern zu schaffen. Davon profitiert nicht nur der sehr seltene Schlammling, sondern vor allem die Fischfauna: die Individuenzahl in diesen Abschnitten hat sich innerhalb von nur zwei Jahren fast verdreifacht. Denn durch die unverbauten Ufer entstehen wieder natürliche Flachufer, an denen Fische laichen können, Wurzelstöcke oder Äste im Wasser bieten Versteckmöglichkeiten für Jungfische. Darüber hinaus hat sich die March zu einem Hotspot für Großmuscheln in Österreich entwickelt. Alle heimischen Muschelarten, bis auf die Flussperlmuschel, kommen hier vor. Es ist höchst erfreulich, dass die March nun wieder selbst natürliche Gewässerstrukturen schaffen kann, die für die Fische so wichtig sind, um sich natürlich vermehren zu können.

Diese Erfolge sind überwältigend und freuen uns sehr. Sie zeigen zum einen, dass Tiere und Pflanzen diese neuen Strukturen und Lebensräume sofort annehmen, sie zeigen aber auch, dass die Natur dringend mehr Maßnahmen wie diese braucht! Deshalb bleiben wir dran und planen schon ein Folgeprojekt.

Wer hat es finanziert?

Im Zuge des Projekts „Renaturierung Untere March-Auen“ wurden insgesamt 3,5 Mio. Euro investiert: 50% wurden aus EU-Mitteln finanziert, weitere Finanzierungspartner sind das Land Niederösterreich und das Umweltministerium. Einen Teil steuerten die Projektpartner aus eigenen Mitteln bei.

 

Detailliertere Informationen, Videos, Bilder und Berichte finden Sie auf der Projekt-website www.life-march.at

 

Downloads

Laienbericht über das Projekt (3,2MB)

Endbericht über das Projekt (3,5MB)

Endbericht des biologischen Monitorings (3,1MB)

 

Links

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