Pferdeweide Marchegg: Konik-Pferde erobern die Au

Start für eine naturschonende Ganzjahresbeweidung in den March-Auen

Der WWF Österreich startete im Frühjahr 2015 mit einem für diese Gegend bisher einzigartigen Projekt, und zwar der Beweidung einer großzügigen Koppel im WWF Auenreservat mit Konik-Pferden. Dabei handelt es sich um eine robuste, urtümliche Pferderasse aus Polen, die sehr nahe mit dem ausgestorbenen europäischen Wildpferd verwandt ist und perfekt an die rauen Bedingungen in der Au angepasst ist. Das Beweidungsprojekt soll einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege und Erhaltung des Gebiets leisten und wird von der EU im Rahmen des LIFE+ Projekts Renaturierung Untere March-Auen unterstützt.

Hintergrund

Huftiere wie Auerochse und Tarpan prägten über Jahrtausende die Landschaft Mitteleuropas. Als große Pflanzenfresser schufen sie ein Mosaik unterschiedlichster Lebensräume – von geschlossenen Wäldern, parkartigen Lichtungen bis zu offenen Weiderasen.

Wildpferde waren für den Steinzeitmenschen eine wichtige Jagdbeute. Im Weinviertel konnten sie bis in die Eisenzeit (800 -1. Jhd. v. Chr.) als Teil der Jagdbeute nachgewiesen werden.

In der Neuzeit übernahmen Haustiere wie Rinder vielerorts diese Funktion, bis sie im Zuge der Industrialisierung im 20. Jahrhundert aus vielen Kulturlandschaften verschwanden. Im Auenreservat Marchegg wurden zuletzt in den 1930er Jahren Flächen regelmäßig beweidet. Noch 1946 gab es rund um Marchegg mehr Weideflächen als Wiesen. Heute spielen Weidetiere in der Bewirtschaftung der March-Auen keine Rolle mehr, damit haben aber viele an die Beweidung angepasste Arten, wie der auffällige Wiedehopf oder der unscheinbare Dungkäfer, ihren Lebensraum verloren.

Konik-Pferde Eingewöhnungskoppel, © by Egger/WWF
Konik-Pferde Eingewöhnungskoppel, © by Egger/WWF

Große Pflanzenfresser schaffen große Vielfalt

Mit der Rückkehr der großen Huftiere erwartet sich der WWF im Auenreservat eine wesentlich natürlichere Entwicklung der Au. Wenn sich wie erwartet ein Mosaik aus Weiderasen, Buschgruppen und Altholzinseln einstellt, entsteht ein perfekter Lebensraum für viele gefährdete Arten. Insekten finden offene Sandböden, Insektenjäger wie das Braunkehlchen haben von Ansitzwarten auf niedrigen Büschen eine gute Übersicht über ihr Revier. Weißstorch und Wiedehopf profitieren von offenen, niedrigwüchsigen Nahrungsflächen.

Für die vielen Besucher der Storchenstadt Marchegg bietet das Projekt neue Naturbeobachtungsmöglichkeiten. Für den Forstbetrieb stellt die Beweidung auch eine gute Alternative zur Wiesenmahd dar, da die besonders nassen Flächen ohnedies nur schwer zu mähen, aber noch gut zu beweiden sind.

Aufbau der Herde

Die Bezeichnung „Konik“ stammt aus dem Polnischen und bedeutet „kleines Pferdchen“, da die mausgrauen Kleinpferde lediglich eine Schulterhöhe von 130 bis 145 Zentimetern erreichen. Die direkten Nachfahren der ausgestorbenen europäischen Wildpferde sind äußerst robust und werden von Polen über Deutschland bis in die Niederlande ganzjährig in großen Naturreservaten gehalten.

Konikfohlen, © by WWF / Manuela Ablasser
Konikfohlen, © by WWF / Manuela Ablasser

Der Aufbau der Marchegger Herde begann im Frühjahr 2015 mit sechs Stuten. Die Tiere wurden direkt aus einem polnischen Reservat übernommen, das bereits viele Jahre Konik-Pferde ganzjährig unter ähnlichen Bedingungen im Freiland hält. Im Sommer 2016 wurde die Herde mit drei Hengstfohlen ergänzt. Seither wächst der Bestand  schrittweise heran.

Die Marchegger Pferdeweide ist so angelegt, dass sich die Pferde möglichst alle Grundbedürfnisse selbstständig erfüllen können. Dazu gehört neben Schutz, Nahrung und ausreichend Wasser auch die Möglichkeit ihr artgerechtes Sozialverhalten auszuleben. Auf der Badwiese finden die Tiere zudem Schutz vor Hochwasser und einen trockenen Unterstand vor.

LIFE+ Renaturierung Untere March-Auen

Die Einrichtung der Pferdeweide wurde durch die Finanzierung im Rahmen des EU LIFE+ Programms im LIFE-Renaturierungsprojekt ermöglicht. Die Infrastruktur wurde im Rahmen einer interdisziplinären Vorstudie unter der Beteiligung der Fachabteilungen des Landes und des Bezirks, sowie namhafter Experten sorgfältig geplant.

Sie wollen mehr erfahren?

Besuchen Sie das Storchenhaus Marchegg und erfahren Sie mehr über das Leben der Störche und der Konik-Pferde. Das Besucherzentrum Storchenhaus Marchegg bietet geführte Touren, Tourismusinfos und regionale Produkte.

Tiger, Gorilla, Eisbär & Co brauchen jetzt Ihre Hilfe!

Leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten. Unterstützen Sie uns dabei, faszinierende Lebewesen vor dem Aussterben zu bewahren und deren Lebensräume zu erhalten.

Tiger, Gorilla, Eisbär & Co brauchen jetzt Ihre Hilfe!

Leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten. Unterstützen Sie uns dabei, faszinierende Lebewesen vor dem Aussterben zu bewahren und deren Lebensräume zu erhalten.

Tiger, Gorilla, Eisbär & Co brauchen jetzt Ihre Hilfe!

Leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten. Unterstützen Sie uns dabei, faszinierende Lebewesen vor dem Aussterben zu bewahren und deren Lebensräume zu erhalten.

WWF-News per E-Mail

Im WWF-Newsletter informieren wir Sie laufend über aktuelle Projekte und Erfolge: Hier bestellen!

Rückfragen

Weitere Inhalte

Wissenswertes zum Thema

Storchenhaus-Projekte
Das WWF-Auenreservat Marchegg
Willkommen im Storchenhaus Marchegg
Young Panda Video: Die Koniks
Die Urenkel der Wildpferde in den Marchauen