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Österreichs Flüsse und Seen in der Krise – 7 Verbesserungen, die es dringend braucht

Österreichs Gewässer sind verbaut, aufgestaut und zubetoniert

Österreichs Gewässer sind in der Krise: Mit über 5.200 Anlagen ist die Wasserkraft in Österreich bereits extrem ausgebaut. Alleine in den vergangenen 10 Jahren wurden 500 neue Wasserkraftwerke gebaut. 60 % aller Fischarten in Österreich sind heute bereits als gefährdet eingestuft. Nur noch 14 % aller heimischen Flüsse gelten als intakt und ganze 60 % sind in keinem guten ökologischen Zustand mehr und müssen saniert werden. Grund dafür sind Verbauungen und Regulierungen, die intensive Wasserkraftnutzung und die Belastung der Flüsse und Seen.

Geplante Schutzmaßnahmen der Bundesregierung sehr lückenhaft

Im Mai 2022 hat die Österreichische Bundesregierung den nunmehr 3. Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) für den Geltungszeitraum 2022 bis 2027 vorgelegt. Der Gewässerbewirtschaftungsplan ist ein umfassendes Instrument, das die Weichen für die Zukunft der Gewässer stellt. Wir haben den Plan gesichtet. Das Fazit von WWF-Gewässerschutzexpertin Bettina Urbanek.

„Die vom Landwirtschaftsministerium geplanten Maßnahmen sind völlig unterfinanziert und von fragwürdigen Ausnahmen durchlöchert“

7 dringend notwendige Maßnahmen für Österreichs Gewässer:

Gewässer gehören zu den wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Erderhitzung. Umso dringender brauchen wir in Österreich klimafitte und intakte Flüsse und Seen. Da der bisher bekannte Entwurf der zuständigen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger noch große Lücken aufweist, fordern wir dringend folgende 7 Verbesserungen:

1. Sunk-Belastung der Speicherkraftwerke beheben

875 Fluss-Kilometer an Flussstrecken sind in Österreich durch Schwall-Sunk belastet – dabei steigt und sinkt der Wasserspiegel in den Flüssen oft mehrmals täglich sehr schnell und drastisch, teils um bis zu 1,5 Meter. Laut einer WWF-Schätzung fallen in Österreich jedes Jahr bis zu 200 Millionen Jungfische und Fischlarven der Schwall-Sunk-Belastung zum Opfer. Unsere Forderung: Der neue NGP muss deshalb die verpflichtende Erstellung von Machbarkeitsstudien und Sanierungsplänen sowie klare Zeitpläne für die Sanierung verankern. Als Sofortmaßnahme fordert der WWF die Einführung eines „Jungfischfensters“ – einer neunwöchigen Schonzeit in Mai und Juni.

2. Gewässer besser schützen

Es dürfen keine intakten Flussstrecken mehr verbaut werden. Die fachlich unbegründete Herabstufung von Flussstrecken, ausgerechnet dort wo Kraftwerke geplant sind, wie an der Schwarzen Sulm, muss umgehend revidiert werden. Darüber hinaus muss der Kriterienkatalog „Wasserkraft des Bundes“ bei allen Wasserkraftanlagen konsequent zur Anwendung kommen und der Schutz von sensiblen Strecken durch Regionalprogramme in den Bundesländern weiter ausgebaut werden.

3. Unnötige Barrieren entfernen

27.000 Querbauwerke machen Österreichs Flüsse für Fische unpassierbar. Der neue NGP sieht jedoch bei nur 300 davon einen Umbau vor. Der WWF Österreich fordert, dass vor allem unnötige Barrieren konsequent rückgebaut werden.

4. Flüsse renaturieren und Gewässerstruktur verbessern

Wir begrüßen das Bekenntnis fast 800 Kilometer an Schwerpunktgewässern morphologisch zu renaturieren – also ihre  natürlichen Strukturen wiederherzustellen. Allerdings ist der Handlungsbedarf mit insgesamt 8.500 Fluss-Kilometern deutlich größer und daher müssen zusätzliche Strecken folgen, insbesondere an Traun, Donau, Enns, March und Inn.

5. Wassermenge an genutzten Flussstrecken wieder erhöhen

Mehr als 4.500 Kilometer des Gewässernetzes (sogenannte Restwasserstrecken) weisen aufgrund übermäßiger Wasserentnahmen nur noch eine minimale Wassermenge auf. Wir fordern die Aufwertung aller Restwasserstrecken. Für alle Flussstrecken, auch für Ableitungen bei Speichern, ist bis 2023 die Wassermenge so weit zu erhöhen, dass die wesentlichsten ökologischen Funktionen gewährleistet sind.

6. Grundwasser im Seewinkel nicht mehr entwässern und übernutzen

Im Seewinkel muss die Politik dringend Maßnahmen setzen, um die einzigartigen Salzlacken zu retten. Diese sind durch überschießende Entwässerungsmaßnahmen der Landwirtschaft stark belastet. Um die hochgradig gefährdeten Pannonischen Salzlebensräume zu retten, fordern wir die Entwässerung und Übernutzung des Grundwassers im Seewinkel zu beenden.

7. Finanzierung aufstocken

Allein die Wiederherstellung ihrer natürlichen Strukturen, kostet laut NGP rund 3,2 Milliarden Euro. Derzeit stehen jedoch nur 200 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Daher müssen die Mittel drastisch aufgestockt werden.

Hier unsere gesamte Stellungnahme zum nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan.

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