660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
Bianca Jagger zurück von ihrer Mission aus dem Amazonasgebiet
Wien, Mittwoch, 30. Mai 2012 – „Ich bereite mich gerade auf meine Reise zur Rio+20-Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung vor“, sagte Bianca Jagger heute auf einer Pressekonferenz mit dem WWF und der Dreikönigsaktion in Wien. Ohne dass viele Teilnehmer des UN-Erdgipfels Rio+20 das wissen, startete die brasilianische Regierung 3.000 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro ein zerstörerisches Projekt: Eine Serie von Staudämmen mitten im Amazonas Regenwald. Sollte der Belo Monte Staudamm wirklich gebaut werden, werden 80 Prozent des Xingu-Flusses abgeleitet und mehr als 500 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald überflutet. Mit einer Kapazität von rund elf Gigawatt wird Belo Monte zum drittgrößten Staudamm der Welt. Die Kosten belaufen sich auf rund 18 Milliarden US-Dollar. 20.000 Menschen müssten umgesiedelt werden. Meine Position zu Belo Monte ist klar: „Diese Staudämme stehen nicht für nachhaltige Entwicklung. Kein Zweck kann diese Folgen rechtfertigen, denn unvorstellbares menschliches Leid und eine Umweltkatastrophe ist vorprogrammiert.”
Das österreichische Unternehmen Andritz AG ist mit einer Summe von 330 Millionen Euro am 900 Millionen-Euro-Deal zwischen einem europäischen Konsortium und der Norta Energia (dass für den Bau des Belo Monte verantwortliche Unternehmen) beteiligt. Das Geschäft ist der größte Hydro-Deal in der Andritz Geschichte. Andritz beteiligte sich schon in der Vergangenheit an menschenrechtsverachtenden Projekten. Andritz ist das letzte beteiligte europäische Unternehmen am umstrittenen Ilisu-Staudamm und ebenso Partner beim Bau der „Bell Bay“ Zellstofffabrik in Tasmanien, wo 200.000 Hektar Wald gerodet werden.
„Im April 2012 besuchte ich Brasilien auf einer „Fact-Finding-Mission“ um die Auswirkungen dieser Staudämme auf die lokale Bevölkerung und die Umwelt mit eigenen Augen zu erfahren. Während meines Besuchs erzählte Bischof Dr. Erwin Kräutler von einem brasilianischen Spruch: ‚só para inglês ver‘. Das bedeutet so viel wie ‚for the English to see‘. Dieser Spruch entstand zu Zeiten des Sklavenhandels. Kräutler sagte auch: ‚Sie nennen es ein grünes Projekt. Was ist an Belo Monte grün? Es wird nur grün wenn sie den Staudamm grün anstreichen. Es war hier einmal grün. Der Wald war grün‘. Ich kann seine Gefühle nur teilen. Ich fordere ein verändertes Entwicklungsparadigma. Regierungen und Unternehmen müssen aufhören den Profit über die Menschen zu stellen. Wir müssen sie für den angerichteten Schaden zur Verantwortung ziehen: Sowohl an menschlichem Leben als auch an der Umwelt”, so Bianca Jagger.
Wir müssen die Menschen am Rio-Xingu, die so lange für ihre Heimat gekämpft haben, unterstützen. “Ich appelliere an Präsidentin Dilma Rousseff den Belo Monte Staudamm zu verhindern. Sie kann die Menschen und Wälder des Xingu vor der Vernichtung retten. Sie kann den Amazonas für künftige Generationen sichern. Jetzt ist die Zeit für Präsidentin Rousseff zu handeln um diese Menschenrechts- und Umweltkatastrophe aufzuhalten, bevor es zu spät ist!“
Der WWF arbeitet seit Jahren gegen das Kraftwerk Belo Monte und setzte sich mit vielen anderen Organisationen gegen eine Beteiligung der Andritz AG am Belo Monte Staudamm ein. „Wir appellieren an die Verantwortung des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Leitner. Die Andritz AG muss sich aus dem Zerstörungsprojekt am Amazonas zurückziehen“, fordert WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger.
Hunderte Organisationen und auch der austro-brasilianische Bischof und alternative Nobelpreisträger Erwin Kräutler setzt sich gegen den Dammbau ein. „Wir fordern die Andritz AG und die brasilianische Regierung auf, die grüne Lunge unserer Erde nicht weiter zu zerstören. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes ist ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit“, sagte Anna Hirtenfelder von der Dreikönigsaktion.
Bianca Jagger setzt sich seit 30 Jahren weltweit für Menschenrechte und den Schutz der Umwelt ein. Sie ist Gründerin der Bianca Jagger Menschenrechtsstiftung, Botschafter des Council of Europe und Trägerin zahlreicher internationaler Auszeichnungen. 2004 erhielt sie den Alternativen Nobelpreis für ihre Verdienste im Kampf um Menschenrechte, die Rechte indigener Völker, für ihren Einsatz gegen Krieg und die weltweite Abschaffung der Todesstrafe.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Leiter Medien WWF, Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
Mehr Infos zur Rio+20-Konferenz.
Fotos von Bianca Jagger im Amazonasgebiet zum Download (auch mit Bischof Dr. Erwin Kräutler).
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