2030-Ziel außer Reichweite – WWF fordert Waldschutzpaket und entwaldungsfreie Lieferketten
COP27: NGO-Allianz fordert mehr Geld für Klimafinanzierung
Extreme Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Überschwemmungen: Die Folgen der Klimakrise werden zunehmend bedrohlich und betreffen die Länder des Globalen Südens besonders stark. Dennoch sind die politischen Bemühungen für eine gerechte Klimafinanzierung viel zu gering, um die Pariser Ziele einzuhalten. Daher fordert die Allianz für Klimagerechtigkeit anlässlich der UN-Klimakonferenz COP27 in Ägypten ein neues Finanzierungspaket von der Staatengemeinschaft. „Die Politik muss die großen Lücken bei der Klimagerechtigkeit und der Klimafinanzierung rasch schließen. Gerade die Europäische Union und damit auch Österreich sind besonders gefordert, ihre finanziellen Hilfen auszuweiten. Wir können die weltweite Klimakrise nur gemeinsam bewältigen”, betont die Plattform von 26 österreichischen Umwelt-, Entwicklungs- und sozialen Organisationen.
Insbesondere die Industrienationen müssten – wie schon lange versprochen – gemeinsam 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr zur Klimafinanzierung beitragen, um ihre Verpflichtungen einzuhalten. Zusätzlich fordert die Allianz für Klimagerechtigkeit, dass die finanziellen Mittel für Anpassungsmaßnahmen verdoppelt werden. Neben verbindlichen Umsetzungsplänen braucht es zudem ein neues ambitioniertes Finanzziel ab dem Jahr 2025.
Verluste und Schäden sind für Millionen Menschen tägliche Realität
CARE weist auf die wachsende Bedrohung des Klimawandels für Ernährungssysteme im Globalen Süden hin. „Verluste und Schäden sind für Millionen Menschen in Kenia, im Südsudan bis hin zu Somalia tägliche Realität: Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge, Dürren und Überschwemmungen schmälern landwirtschaftliche Erträge, unterbrechen die Lebensmittelversorgung und verursachen chronischen Hunger und Unterernährung“, berichtet Marlene Achoki, CARE-Klimaexpertin aus Kenia. Besonders betroffen seien Frauen und Mädchen, so die Expertin: „Der Erfolg der COP27 wird davon abhängen, ob die Anliegen Afrikas gehört und erfüllt werden. Afrika ist der am meisten gefährdete Kontinent der Welt, der am wenigsten zum Klimawandel beigetragen hat.“
Auch die österreichische Bundesregierung muss im Finanzrahmen der kommenden Jahre Mittel für Schäden und Verluste für ihre internationalen Partner vorsehen, fordert Martin Krenn von der KOO: „Es ist nun endlich Bewegung in die Verhandlungen über die finanzielle Unterstützung bei unwiederbringlichen Schäden und Verlusten durch die Klimakrise gekommen. Die EU muss die am stärksten betroffenen Staaten bei Unwetterkatastrophen verlässlich unterstützen, wie dies bereits eine Selbstverständlichkeit in unseren eigenen Ländern ist.”
Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich fordert eine umfassende Klimapolitik und eine stärkere Berücksichtigung des Naturschutzes. „Das Ziel dieser Klimakonferenz muss die Begrenzung der globalen Erhitzung auf 1,5 Grad sein, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu verhindern. Dafür braucht es stärkere nationale Klimapläne und einen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern. Zugleich müssen wir den Schutz der Naturräume auf allen Ebenen stärker als Klimaschutz-Maßnahme verankern – denn sie sind unsere besten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise”, sagt WWF-Klimasprecher Thomas Zehetner im Vorfeld der COP27. Besonders wichtig sei der Abbau aller umweltschädlichen Subventionen.
Für Südwind ist entscheidend, dass zusätzlich zur Unterstützung für erlittene Schäden und Verluste auch ein struktureller Wandel angestoßen wird: „Die Debatte darüber, wer zahlt, wird seit mehr als 30 Jahren aufgeschoben. Damit muss endlich Schluss sein: Die reichen Länder dürfen sich nicht länger vor der Verantwortung drücken! Gleichzeitig muss Klimagerechtigkeit die Grundlage für jedes politische Handeln bilden. Geld alleine kann ausbeuterische Wirtschaftspraktiken nicht ausgleichen“, sagt Joachim Raich, Südwind-Sprecher für Klimagerechtigkeit. Südwind fordert daher, dass Wirtschafts-, Entwicklungs- und Migrationspolitik im Einklang mit Menschenrechten, Klima- und Biodiversitätsschutz stehen und ein internationales Schutzsystem für Millionen Menschen, die schon heute aufgrund der Klimakrise ihr Zuhause verlassen müssen, aufgebaut wird.
Download: Forderungspapier der Allianz für Klimagerechtigkeit
Verfügbarkeit vor Ort: Thomas Zehetner, Klimasprecher WWF Österreich, in Sharm el Sheikh von 13. Bis 20. November, E-Mail: thomas.zehetner@wwf.at
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Bodenverbrauch in Österreich 2025 gestiegen
7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.










