Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
Fast 160 Hektar bisher nicht dokumentierte Moore in Österreichs Alpen identifiziert
192 Hektar hochalpine Moore und Feuchtgebiete in 33 Hochtälern, von denen 158 Hektar noch nie systematisch erfasst wurden: Das ist die Bilanz einer neuen, von der Naturschutzorganisation WWF Österreich in Auftrag gegebenen Studie – der ersten systematischen Fernerkundung von Mooren und Feuchtgebieten im österreichischen Alpenraum: „Moore spielen eine essentielle Rolle im Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise“, erklärt WWF-Gewässerschutzexpertin Bettina Urbanek. Deshalb fordert der WWF den absoluten Schutz der letzten alpinen Moorgebiete durch die Bundesländer. “Für die Erhebung haben wir uns auf unverbaute Gewässer in unerschlossenen Hochtälern ab 2.000 Metern Seehöhe konzentriert,” erklärt Studienautor Marlon Schwienbacher. “Dabei haben wir auch herausgefunden, dass nur ein Drittel der rund 200 Hektar Moorflächen weitgehend unberührt und nur knapp die Hälfte der Gebiete aktuell geschützt ist.”
Bisher ungeschützt ist auch das größte unerschlossene Moor der österreichischen Hochalpen, das sich im abgelegenen Platzertal befindet: “Wie die Erhebung gezeigt hat, sind vor allem die Ötztaler Alpen in Tirol ein einzigartiger Hot Spot für alpine Moore – mit dem Platzertal und seiner über 20 Hektar umfassenden Feuchtgebiets-Landschaft als Spitzenreiter”, erklärt Bettina Urbanek. „Wir fordern daher auch den Stopp der geplanten Expansion des Kraftwerks Kaunertal zur Kraftwerksgruppe.“ Denn diese würde das einzigartige Moor im Platzertal de facto vernichten: “Im Zuge des Mega-Projekts will der TIWAG-Konzern eine 120 Meter hohe Staumauer im Platzertal errichten und über sechs Hektar der wertvollen Moorflächen fluten – das wäre wohl die größte Moorzerstörung Mitteleuropas”, warnt Urbanek.
Unerforschte Schatzkammern
“Moore und Feuchtgebiete sind Schatzkammern der Artenvielfalt und hocheffiziente Kohlenstoffsenken”, erklärt Moorexperte Harald Zechmeister von der Universität Wien. “Unser Wissen über sie ist aber durchaus lückenhaft: Die letzte systematische Erhebung liegt bereits 30 Jahre zurück. Außerdem wurden die Hochlagen kaum berücksichtigt – unter anderem, weil man sie damals als nicht gefährdet eingestuft hat.” Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Vor allem durch Wasserkraft- und Tourismusprojekte gehen immer mehr intakte Moorflächen verloren, wie zuletzt etwa im Tiroler Kühtai für das TIWAG-Kraftwerk Sellrain-Silz. “In Österreich werden nach wie vor Genehmigungen für die Zerstörung einzigartiger Moore erteilt”, kritisiert Zechmeister. Dabei sind schon jetzt 90 Prozent der ursprünglichen Moore in Österreich zerstört, nur ein Prozent gilt noch als unberührt. “Die Zerstörung jeglicher weiterer Flächen ist daher völlig inakzeptabel und kann auch durch Ersatzmaßnahmen nicht kompensiert werden.”
Die Studie sowie Bildmaterial finden Sie hier.
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