Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Giftlegerei hat auch in Oberösterreich Hochsaison !
Wien, am 5. Mai 2008 – Die gefährliche Giftserie reißt nicht ab: Nach den 2008 bislang fünf gemeldeten Giftanschlägen auf Wild- und Haustiere in Niederösterreich und dem Burgenland, wurden dieser Tage auch in Oberösterreich drei Fälle illegalen Giftlegens bekannt: In den Ortschaften Mining und Roßbach im Bezirk Braunau und in Mühlheim am Inn im Bezirk Ried im Innkreis haben zwei Hunde und zwei Katzen Köder gefressen, die – mit dem hochtoxischen Pflanzenschutzmittel Carbofuran präpariert – am Rande und in den Siedlungsgebieten ausgelegt wurden. Ein Hund und eine Katze verendeten daraufhin qualvoll. „Bei der Herstellung der Giftköder werden die Täter immer raffinierter und unverschämter“, ist Dr. Bernhard Kohler vom WWF empört. „Wurden früher große und sichtbar violett gefärbte Teile von Tieren oder Aas verwendet, so sind die Köder mittlerweile kaum noch in der Landschaft zu entdecken.“ Bemerken die Tierhalter den Zwischenfall, ist es für Hilfe oft schon zu spät.
"Wenn hier Jagdkartenbesitzer im Spiel sein sollten – von Jägern kann nämlich keine Rede sein (!) –, wird diesen Fällen seitens des Landesjagdverbandes rigoros nachgegangen“, erklärt Landesjägermeister LAbg. Sepp Brandmayr vom Oberösterreichischen Landesjagdverband. „Es kann nicht angehen, dass einzelne unverantwortliche Personen die gesamte Jägerschaft in Misskredit bringen!“ Und Brandmayr weiter: „Ich hoffe auf rasche Aufklärung, um die Täter – egal aus welcher Schicht sie kommen – bald zur Rechenschaft ziehen zu können.“
Ein Spaziergang am Rande der Oberösterreichischen Gemeinde Mining endete für eine 3-jährige Mischlingshündin tödlich: Das Tier hatte beim Herumlaufen offenbar von einem unscheinbaren, mit dem Pestizid Carbofuran präparierten Köder gefressen. Die Hundebesitzerin bemerkte erst eine Stunde nach der Rückkehr, dass etwas mit dem Tier nicht stimmte. Die Hündin bekam Atemnot und Muskelkrämpfe und wurde unverzüglich zum Tierarzt gebracht, der aufgrund der Symptome eine Vergiftung durch Carbofuran vermutete. Er verabreichte dem Hund sofort Infusionen und das Gegengift Atropinsulfat. Doch trotz der intensiven Behandlung war das Tier wenige Stunden später tot.
In der benachbarten Gemeinde Mühlheim hatten zwei Katzen im Abstand von zwei Tagen Giftköder gefunden und davon gefressen. Eine von ihnen konnte gerettet werden, die andere starb, noch bevor sie tierärztlich behandelt werden konnte.
Etwas mehr Glück hatte ein Hund in der Ortschaft Roßbach, wenige Kilometer von Mühlheim entfernt. Auch dieser Hund hatte offensichtlich im Garten von einem Giftköder gefressen. Er wurde umgehend vom Tierarzt behandelt und überlebte. Anschließend suchte der Hundebesitzer seinen Garten nochmals ab und fand den möglichen Köder. Eine Spielzeugmaus, die – wie sich nach der toxikologischen Untersuchung herausstellte – mit Carbofuran präpariert war.
Rückfragehinweis und Fotos
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250
Rückfragen OÖ Landesjagdverband
LJM LAbg. Sepp Brandmayr, Tel: 0664/11 20 928
Mag. Christopher Böck, Tel: 0664/250 58 95
Hinweis für die Redaktionen:
Das Carbamat Carbofuran ist unter dem Handelsnamen „Furadan“ für den Gebrauch in der konventionellen Landwirtschaft legal erhältlich. Es wurde jedoch in den letzten Jahren immer wieder missbräuchlich zur Herstellung tödlicher Giftköder verwendet, die illegal gegen Hunde, Katzen, Füchse, Marder, Krähen oder Greifvögel eingesetzt werden. Sie bedrohen somit Haus- aber auch etliche stark gefährdete Wildtiere, wie zum Beispiel Seeadler und Kaiseradler, die immer wieder zum Giftopfer werden. Als Täter kommen entweder notorische Tierhasser oder einzelne „schwarze Schafe“ innerhalb der Jägerschaft in Frage, die auf diese Weise unliebsame Beutegreifer beseitigen wollen.
Der WWF Österreich, die Zentralstelle der österreichischen Landesjagdverbände und das Lebensministerium kämpfen im Projekt „Vorsicht Gift!“ seit Jahren gegen diesen Gifteinsatz. Köderfunde und Verdachtsfälle können an die WWF Gifthotline unter Tel. 0676-4446612 oder an den OÖ Landesjagdverband unter Tel. 07224-20083 gemeldet werden.
Im November 2007 wurde in Polling ein Hund vergiftet. Polling ist nur wenige Kilometer von Mühlheim, Mining und Roßbach entfernt. Auch dieser Hund war bei einem Ausflug auf einen Giftköder gestoßen und hatte davon gefressen. Er wurde umgehend vom Tierarzt behandelt und überlebte. Der Hundebesitzer suchte daraufhin den Spazierweg nochmals ab und fand den möglichen Köder. In der Nähe eines Ansitzes für Greifvögel lagen Innereien von einem Reh im Feld, die ebenfalls mit Carbofuran präpariert waren.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt












