Brutbilanz 2026: 30 Jahre alter Rekord gebrochen – 147 Jungvögel bei 46 Brutpaaren nachgewiesen – WWF-Auenreservat bietet wertvollen Lebensraum
Globale Fischereikrise verschärft sich
Wien, 02. März 2009 – Die Zahl der überfischten oder bis an die biologischen Grenzen ausgebeuteten Fischbestände ist zwischen 2004 und 2006 erneut gestiegen – von 77 auf 80 Prozent. Dies ist geht aus dem heute in Rom veröffentlichten Weltfischereireport der UN-Welternährungsorganisation (FAO) hervor. "Die Plünderung der Meere geht weiter. Der drohende Zusammenbruch vieler Fischbestände gefährdet nicht nur die Ernährungssicherheit in den Entwicklungs- und Schwellenstaaten, sondern auch hunderttausende Arbeitsplätze und das Ökosystem Ozean", bilanziert WWF-Fischereiexperte Georg Scattolin. Die seit langem von Politik und Fischereiindustrie versprochene Trendwende sei ausgeblieben.
Die Zahl der nur moderat genutzten Fischbestände hat sich laut FAO seit den 1970er Jahren halbiert – von 40 auf 20 Prozent. "Unser Guthabenkonto wird immer kleiner", kritisiert Scattolin. "Die weltweite Fischerei ist ein Verlustgeschäft für Mensch und Natur. Sie könnte bis Mitte des Jahrhunderts komplett zusammenbrechen." Der Fischfang ist laut FAO bereits rückläufig. 2006 wurden 81,9 Millionen Tonnen Meeresfisch angelandet, dass sind über vier Prozent weniger als noch zwei Jahre zuvor.
Schon heute schätzen Experten die wirtschaftlichen Verluste durch die Überfischung der Meere auf etwa 40 Milliarden Euro im Jahr. "Wir zahlen schon seit Jahren einen hohen Preis für die Ausbeutung der Meere", so der WWF-Experte. Dabei könnten die Ozeane mehr Fisch mit weniger Aufwand liefern – wenn die Fischereien endlich nachhaltig gemanagt würden.
Ein Paradebeispiel für die wirtschaftlichen Schäden durch die Überfischung liefert der Nordsee-Kabeljau. Derzeit dürfen die EU-Fischer von dem arg geschröpften Bestand gerade einmal 24.000 Tonnen im Jahr fangen. Eine gesunde, nachhaltig gemanagte Kabeljau-Population wäre um ein Vielfaches größer und würde etwa 140.000 Tonnen nachhaltigen Fischfang im Jahr erlauben. "Viele Fischer wären heute noch in Lohn in Brot, wenn der Kabeljau stets mit Augenmaß bewirtschaftet worden wäre", erläutert der WWF-Experte.
Der WWF fordert angesichts der dramatischen Zahlen einen Paradigmenwechsel in der Fischereipolitik. Dieser müsse auch in der bevorstehenden Reform der EU-Fischereipolitik vollzogen werden. Mehr Schutzgebiete und fischereifreie Zonen, umweltfreundlichere Fangtechniken und eine massive Verkleinerung der Fangflotten seien erforderlich, um er Krise zu begegnen, die in Europa besonders drastisch ist. Derzeit würden pro Jahr rund um den Globus etwa 11 Milliarden Euro Steuergelder ausgegeben, um die Fangkapazitäten zu vergrößern und so noch in die entlegensten Meeresgebiete vorzudringen. "Dieser Subventions-Irrsinn muss schleunigst beendet werden", so Scattolin.
Den Verbrauchern in Österreich empfiehlt der WWF, beim Einkauf auf Fische aus gefährdeten Beständen – wie zum Beispiel Thunfisch, Scholle, Seezunge oder Rotbarsch – zu verzichten. Eine praktische Orientierung bietet der WWF-Einkaufsratgeber für Fisch unter www.wwf.at/fischfuehrer.
Außerdem sollten Verbraucher auf das blaue Nachhaltigkeits-Siegel des MSC (Marine Stewardship Council) achten. Der MSC garantiert eine umweltschonende Fischerei. Weltweit sind bereits mehr als 1000 Produkte mit dem MSC-Siegel erhältlich.
Weitere Informationen:
Mag. Georg Scattolin, WWF-Fischereiexperte, tel. (01)488 17 – 265.
Mag. Elke Mühlbachler, Pressesprecherin, tel. (01)488 17 – 210.
*** Hinweis: Zu dieser Meldung halten wir TV-Footage, Fotos, Hintergrundpapiere und Verbrauchertipps bereit
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Totschnig muss Klima-Risikoanalyse für Gepatsch-Speicher anordnen
Anstehende Sicherheitsüberprüfung als Hebel – Klimafitte Untersuchungen zu Permafrost und Bergsturzrisiken fehlen – WWF fordert Aussetzung des UVP-Verfahrens für Kaunertal-Ausbau
Klimagesetz: WWF warnt vor Mogelpackung
Ohne wirksame Nachschärfungen bleibt Klimagesetz ein Etikettenschwindel – Umweltschutzorganisation fordert verbindliche Zwischenziele und rasche Maßnahmen
WWF: Amazonas-Fische helfen, den Regenwald zu erhalten – 144 Arten bedroht
Neuer Report: Flussverbauung und Überfischung gefährden Fischbestände und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen – WWF fordert Schutz frei fließender Flüsse und wichtiger Fischlebensräume
WWF zu hohen Spritpreisen: Öffis ausbauen, Öl-Abhängigkeit im Verkehr senken
Umweltschutzorganisation fordert bessere Bus- und Bahnverbindungen, sichere Radwege und günstigeres Klimaticket – Übergewinne der Mineralölkonzerne EU-weit besteuern
Google-Rechenzentrum: WWF begrüßt erneute Prüfung der UVP-Pflicht
Umweltschutzorganisation fordert umfassende Umweltprüfung in Kronstorf nach Fall in Niederösterreich – Bundesregierung muss eindeutige Regeln für große Rechenzentren im UVP-Gesetz verankern
WWF-Erfolg: Flussdelfin-Nachwuchs im Mekong
6 Kälber der vom Aussterben bedrohten Irawadi-Flussdelfine wurden heuer in Kambodscha geboren – ein großer Erfolg im Artenschutz! Ein herzerwärmendes Video zeigt den Nachwuchs.
WWF: Nachwuchs-Rekord bei stark bedrohten Flussdelfinen im Mekong gibt Hoffnung
Zahl der vom Aussterben bedrohten Irawadi-Flussdelfine in Kambodscha steigt auf 118 Tiere – Heuer sechs Kälber geboren – WWF erfreut über positives Ergebnis intensiver Artenschutzmaßnahmen
EU-Klimaresilienz: 34 Organisationen fordern Vorrang für naturbasierte Lösungen
Offener Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen – Städte- und Gemeindeverbände, Wasserversorger und Fischerei fordern Natur als Europas „erste Verteidigungslinie“













