Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Haie gehen den Bach runter
Wien, 8.6.07 – Die unter anderem in der Nord- und Ostsee heimischen Dorn- und Heringshaie werden vorerst nicht vor Überfischung geschützt. Zwei entsprechende Anträge Deutschlands im Namen der EU wurden heute auf der Weltartenschutzkonferenz CITES abgelehnt.
Weil beide Abstimmungen sehr knapp ausfielen, entscheidet die CITES-Vollversammlung am kommenden Freitag noch einmal über die Anträge. Beide Haiarten gelten weltweit als Delikatesse. In Deutschland sind vor allem Schillerlocke und Seeaal beliebt, die beide vom Dornhai stammen. "Die Entscheidung ist fatal" kritisiert WWF-Experte Volker Homes. "Im Nordatlantik sind die Heringshai-Bestände in den vergangenen 40 Jahren um 89 Prozent eingebrochen, vom Dornhai gibt es heute sogar 95 Prozent weniger Tiere als noch vor zehn Jahren. Wir brauchen unbedingt einen internationalen Schutz für die Haie."
Deutschland hatte beantragt, beide Haiarten, die weltweit verbreitet sind, im Anhang II von CITES zu listen. Damit wäre der internationale Handel nur unter strengen Kontrollen möglich gewesen.
Die Anträge waren von zahlreichen Fischerei-Staaten unter Berufung auf die Welternährungsorganisation FAO abgelehnt worden. "Die FAO hält daran fest, dass freiwillige Maßnahmen gegen die Überfischung ausreichend sind", sagt WWF-Experte Homes. "Es wäre schön, wenn das funktionieren würde. Aber Fisch ist ein großer Wirtschaftsfaktor, und wenn es um viel Geld geht, lösen sich Artenschutz-Bekenntnisse in Luft auf." Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Überfischung der Haie jetzt freiwillig gestoppt würde. "Jetzt gehen die Haie den Bach runter", so Homes. Der WWF hatte bis zuletzt bei den CITES-Delegierten für die Anträge geworben.
Dorn- und Heringshaie kommen auf beiden Erdhalbkugeln vor. Dornhaie leben unter anderem in der Nordsee und im Mittelmeer, Heringshaie auch in der Ostsee. Beide Haiarten pflanzen sich sehr langsam fort, so dass sich überfischte Bestände nur zögernd erholen. Nach WWF-Angaben sind Dreiviertel der weltweiten Fischbestände bis an ihre Grenzen übernutzt. 90 Prozent der großen Raubfische wie Haie sind bereits abgefischt.
Deutschland war bereits gestern mit einem Antrag zum Schutz des Tropenholzes Cedro gescheitert. Die Weltartenschutzkonferenz CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) tagt noch bis zum 15. Juni. Am letzten Tag entscheidet die Vollversammlung in einem Abstimmungsmarathon endgültig über alle Anträge.
Weitere Informationen:
Mag. Elke Mühlbachler, WWF-Pressesprecherin, tel. (01)48817- 210.
Der WWF dankt dem Lebensministerium für die Unterstützung seiner CITES-Arbeit.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Renaturierungsprojekte auf über 67 Kilometern im „Amazonas Europas“
WWF-Bilanz zu fünf Jahren UNESCO-Biosphärenpark Mur-Drau-Donau: Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von über 67 Kilometern Flussabschnitten und Seitenarmen teils abgeschlossen oder in Umsetzung – Pläne für weitere 270 Flusskilometer liegen vor
Good News: Nachwuchs in Inas ausgewilderter Bison-Herde
Vor 8 Monaten wurden die Tiroler Bison-Kuh Ina und ihre Herde nach Aserbaidschan umgesiedelt. Und das Projekt zeigt Erfolge: Die Herde hat sich gut eingelebt und es wurde sogar bereits das erste Kalb geboren.
WWF: Vorarlberg schwächt Naturschutz und Rechtssicherheit
Scharfe Kritik zum Begutachtungsende: Kontrollrechte bei Großprojekten fallen weg – Naturschutzanwaltschaft an 20 Stellen beschnitten – Schutzstreifen an naturnahen Ufern auf fünf Meter reduziert
WWF-Umfrage: Führungskräfte sehen ökologischen Umbau als Wettbewerbsvorteil
Europäische Führungskräfte befragt: 55 Prozent bewerten Folgen der EU-Deregulierung negativ oder gemischt – WWF fordert verlässliche Umweltpolitik statt Zick-Zack-Kurs
Namlosbach: WWF kritisiert irreführende Aussagen der E-Werke Reutte
Massiver Eingriff in geschützten Bach wird als ökologisch unbedenklich dargestellt – WWF kritisiert Schönfärberei und fordert Projektstopp
Artenschutzprojekt im Kaukasus erfolgreich: Herde mit Tiroler Bison-Kuh „Ina“ wächst
WWF-Auswilderungsprojekt mit europäischen Bisons zeigt Erfolge: Herde gut eingelebt, erstes Kalb geboren – Population steigt auf 90 Tiere – GPS-Sender verfolgen Bewegungen – Weitere Auswilderungen geplant
WWF-Auswertung: Tötungskontingente für über 1.000 Biber in sechs Bundesländern
WWF kritisiert EU-rechtswidrige Verordnungen und ausgehebelte Einzelfallprüfungen – Tötungen können zwei Jahrgänge von Jungtieren treffen – Vorrang für Prävention gefordert
WWF zur UVP-Novelle: Umweltprüfung für Rechenzentren muss strenger werden
Aufnahme ins UVP-Gesetz positiver erster Schritt – WWF fordert niedrigere Schwellenwerte für UVP-Pflicht – In schutzwürdigen Gebieten ist geplanter Wert zehn Mal höher als ökologisch vertretbar













