Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft gemeinsam mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides zur Teilnahme an der globalen Klima- und Naturschutz-Aktion auf
Klimakonferenz Cancún: Neue Studie zur Klima-Fitness von Österreichs Unternehmen
Wien, 23. November 2010 – 95 Prozent der österreichischen Unternehmen sind die politischen Klimaschutzvorgaben unbekannt oder unklar. Knapp zwei Drittel glauben nicht, dass der Klimawandel negative Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben wird. Dies sind zwei Ergebnisse der heute vorgestellten Studie „Wirtschaftsbarometer Klimaschutz 2010“ der Unternehmensplattform WWF CLIMATE GROUP und des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG. Eine Woche vor dem Start der Weltklimakonferenz in Cancún liefert die Erhebung einen Klimaschutz Status Quo der heimischen Unternehmenslandschaft und daraus resultierende Handlungsaufträge für Politik und Wirtschaft. Befragt wurden 129 Unternehmen aller Branchen und Größen in ganz Österreich.
In knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen wurden die Fragen direkt von der Geschäftsführung beantwortet. Über 80 Prozent der Unternehmen befürworten ambitioniertere EU-Klimaziele. 94 Prozent glauben, dass es möglich ist, den Klimawandel unter der entscheidenden Zwei-Grad-Celsius-Grenze zu stabilisieren und so die schlimmsten Folgen zu verhindern. „Die Erderwärmung lässt Österreichs Wirtschaft offensichtlich nicht kalt“, schlussfolgert Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des WWF Österreich. „Politik und Wirtschaft schaffen es aber bis dato nicht, diese positive Grundstimmung von der Theorie in die Praxis zu bringen. Es besteht ein großer Bedarf an Bewusstseinsbildung und Aufklärung. Es gilt Politik, Wirtschaft wie auch Konsumenten zu fördern und fordern.“

Klimapolitische Vorgaben unbekannt oder mangelhaft
Trotz der positiven Grundstimmung ist nur ein Viertel der Unternehmen von der Erreichbarkeit der Klimaziele fest überzeugt. Dies könnte zu einem nicht unerheblichen Teil an den unklaren Umsetzungsvorgaben der internationalen Klimapolitik für die Praxis liegen. Immerhin 95 Prozent der Befragten geben an, dass die nationalen klimapolitischen Vorgaben und Maßnahmen für Unternehmen entweder nicht klar formuliert oder gänzlich unbekannt sind. Nichtsdestotrotz befürworten 85 Prozent grundsätzlich eine Anhebung des EU-Klimaschutzziels von 20 auf 30 Prozent. 100-prozentig dafür ist beispielsweise der Dienstleistungssektor, der Energiesektor hingegen nur zur Hälfte. Unterstützt wird dieser Schritt generell nur, sofern es gelingt Wettbewerbsverzerrungen gegenüber den USA oder aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China oder Indien auszuschließen.
Für Peter Ertl, Geschäftsführer bei KPMG, zeigen die Studienergebnisse einen klaren Handlungsauftrag: „Die Politik muss ihre Verantwortung im Klimaschutz vor allem auf internationaler Ebene im Bereich Regulierung und Wettbewerb stärker wahrnehmen. Aber auch die Kommunikation der gemeinsamen Herausforderungen ist noch stark ausbaufähig.“

Glaube an negative Klimafolgen in Österreich kaum vorhanden
Ein proaktiveres Klimaschutz-Engagement der heimischen Unternehmen dürfte neben den unklaren politischen Rahmenbedingungen auch an der kaum wahrgenommenen, direkten Betroffenheit scheitern. Zwei von drei Befragten meinen, dass der Klimawandel und seine Folgen keine Auswirkungen für ihr Unternehmen hätten. Einen Einfluss derzeitiger Klimaschutzvorgaben auf die Entwicklung ihrer Branchen spüren aber bereits zwei Drittel.
Ein Drittel der Studienteilnehmer erwartet sich positive, ein anderes Drittel negative Konsequenzen. Die positiven Konsequenzen hebt KPMG-Geschäftsführer Bernhard Klingler hervor: „Wir sehen in der Studie deutlich, dass vor allem die Steigerung der Innovationsfähigkeit und die Imagesicherung zu den positiven Nebeneffekten eines verstärkten Klimaschutzes gezählt werden.“ Ein gestärktes Unternehmensbild in der Öffentlichkeit bewertet insbesondere der Handels- und Logistiksektor mit 89 Prozent als bedeutend.
Als negative Folgen werden vor allem Kostensteigerungen und eine Zunahme von Regulierungen gesehen. Zunehmende Kosten bereiten 88 Prozent des Energiesektors und sogar 100 Prozent der Konsum¬güterindustrie Sorgen.

Kein klarer Trend bei Investitionen und Maßnahmen
Die konkrete Umsetzung von klimarelevanten Maßnahmen in der Praxis zeigt kein eindeutiges Bild. Mehr als die Hälfte der Unternehmen investiert weniger als ein Prozent ihres Umsatzes in den Klimaschutz, 13 Prozent wiederum mehr als sechs Prozent. Etwa jedes fünfte Unternehmen verfügt über einen Klimaschutzbeauftragten, 29 Prozent über ein Energiemanagement, 23 Prozent vermarkten aktiv klimafreundliche Produkte – am stärksten im Konsumgüterbereich. Summiert man umgesetzte, in Umsetzung befindliche und bereits geplante Maßnahmen zeigt sich, dass sich mehr als die Hälfte der Unternehmen mit dem Thema Klimaschutz auseinandersetzt. Gleichzeitig beabsichtigt weniger als ein Drittel der Handels- und Dienstleistungsunternehmen ihren CO2-Fußabdruck zu senken oder einen Klimaschutzbeauftragten zu installieren. Nur einer von drei Befragten in der Automobilzuliefer-Industrie überlegt die Entwicklung einer Klimastrategie.
„Unternehmen müssen Klimaschutzregulierungen – die zwangsläufig zunehmen werden – stärker als Chance und möglichen Wettbewerbsvorteil sehen und nutzen“, ist Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, eines der sechs Mitglieder der WWF CLIMATE GROUP, überzeugt. „Innovative Maßnahmen wie Effizienzsteigerungen im Materialeinsatz oder Optimierungen in der Logistik bringen enorme wirtschaftliche Vorteile. Die gezielte Entwicklung grüner Technologien kann darüber hinaus zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich beitragen.“

Wer führt in eine klimafreundliche Zukunft?
81 Prozent der Unternehmen sehen im Zusammenwirken von Politik und Wirtschaft den Weg zu mehr Klimaschutz. Für rund die Hälfte der Befragten sollte die Führungsrolle dabei die Politik einnehmen. Nur jeder Dritte sieht die Wirtschaft gefordert. Der Mensch als Konsument und Verbraucher wird mit 20 Prozent zwar als wichtig bewertet, kann die Herausforderung Klimaschutz aber nicht alleine stemmen. Eine interessante Ausnahme bildet hierbei die Automobilzuliefer-Industrie. Jeder zweite Befragte sieht die Verantwortung und Handlungsnotwendigkeit alleine bei den Verbrauchern.

Zur Studie
An der Studie „Wirtschaftsbarometer Klimaschutz 2010“ nahmen 129 Unternehmen aller Branchen und Unternehmensgrößen aus ganz Österreich teil. Schwerpunkte bilden Industrieprodukte, Anlagen- und Maschinenbau (19 Prozent), Dienstleistungen (zwölf Prozent) sowie Handel und Logistik (zehn Prozent). 17 Prozent der Unternehmen sind an der Börse notiert, 16 Prozent nehmen am EU-Emissionshandel teil. Die Befragung erfolgte im Oktober 2010 mittels elektronischem Fragebogen. Erhoben wurden die Meinungen der Unternehmen zur internationalen Klimapolitik, zu deren Umsetzung auf EU- sowie nationaler Ebene und zu ihren individuellen Klimaschutzmaßnahmen. Die Studie ist ein Kooperationsprojekt der Unternehmensplattform WWF CLIMATE GROUP und des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG. Zukünftig soll die Erhebung jährlich durchgeführt werden.

WWF CLIMATE GROUP: Grüne Lösungen aus der Wirtschaft
Die WWF CLIMATE GROUP ist eine der bedeutendsten privaten Klimaschutzinitiativen Österreichs. Die Plattform klimafreundlicher Unternehmen wurde 2007 vom WWF gegründet. Zu den aktuell sechs Mitgliedern in Österreich zählen das Einrichtungsunternehmen IKEA, der Finanzdienstleistungskonzern Allianz, das Telekommunikationsunternehmen A1 Telekom Austria, der Getränkehersteller Pfanner, der internationale Technologiekonzern Fronius und der Drogeriefachhändler dm drogerie markt. Die Unternehmen verbindet das Ziel, ihre CO2-Emissionen innerhalb von drei Jahren um 15 Prozent zu reduzieren, Bewusstseinsbildung bei Kunden und Mitarbeitern sowie klimafreundliche Angebote und Aktivitäten zu fördern. Gemeinsam erreichen die Mitglieder der WWF CLIMATE GROUP derzeit rund 23.000 Mitarbeiter und 11 Millionen Stammkunden in Österreich. Weitere Informationen unter www.climategroup.at.

KPMG
Als Verbund rechtlich selbstständiger, nationaler Mitgliedsfirmen ist KPMG International Cooperative („KPMG International“) mit ca. 140.000 Mitarbeitern in 146 Ländern eines der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen weltweit. In Österreich ist KPMG eine der führenden Gruppen in diesem Geschäftsfeld und mit rund 1.100 Mitarbeitern an acht Standorten präsent. Die Unternehmensleistungen sind in die Geschäftsbereiche Prüfung (Audit) und Beratung (Advisory & Tax) getrennt. Im Mittelpunkt von Audit steht die Prüfung von Konzern- und Jahresabschlüssen. Tax steht für die steuerberatende Tätigkeit von KPMG. Der Bereich Advisory bündelt hohes fachliches Know-how zu betriebswirtschaftlichen, regulatorischen und transaktionsorientierten Themen. Weitere Informationen unter www.kpmg.at
Die Studie: Wirtschaftsbarometer Klimaschutz 2010 kann hier heruntergeladen werden.
Rückfragehinweis:
Mag.(FH) Lisa Simon, Pressesprecherin WWF Österreich
Tel. 01-48817-215, E-Mail: lisa.simon@wwf.at.
Mag. Mariana Herrloss, Unternehmenskommunikation, KPMG
Tel. 01-31332-730, E-Mail: mherrloss@kpmg.at
Mag. Iris Zeppezauer, Unternehmenskommunikation, KPMG
Tel. 0732-6938-2157, Mobil: 0664-816 1053, E-Mail: izeppezauer@kpmg.at
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