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Klimaschutz-Schnäppchen: Moorschutz bringt viel für wenig Geld
Studie ermittelt Klimaschutzpotentiale heimischer Moore
Wien, 3. Dezember 2010 – Die Nutzung von Mooren verursacht in Österreich jährlich bis zu 300.000 Tonnen CO2. Dies entspricht der vierfachen Emissionsmenge des nationalen Flugverkehrs. Technisch einfachste Lösungen könnten dies verhindern, was den Moorschutz zu einer der kostengünstigsten Klimaschutzmaßnahmen macht. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie „Moore im Klimawandel“ von WWF Österreich, den Österreichischen Bundesforsten und dem Umweltbundesamt. „Jeder Hektar geschütztes Moor spart jährlich rund neun Tonnen CO2, knapp soviel wie jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr verursacht“, erklärt WWF Naturschutzexperte Michael Zika. „Österreich muss den Moorschutz dringend aktiver angehen. Davon würde nicht nur das Klima profitieren, sondern auch Hochwasserschutz und Artenvielfalt.“ Auch auf internationaler Ebene ist Österreichs Politik gefordert. Bei der aktuell laufenden Weltklimakonferenz in Cancún gilt es, sich aktiv für ein internationales Klimaschutzabkommen einzusetzen, das auch Wälder und Moore inkludiert.
Moore speichern mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt. Dies geschieht durch die Umwandlung des CO2 aus der Atmosphäre in langlebigen Torf. Pro Hektar binden sie beispielsweise viermal mehr als tropische Regenwälder. Auch in Österreich sind Moore bedeutende Kohlenstoffspeicher, obwohl sie nur mehr 0,25 Prozent der Landesfläche einnehmen. Würden alle Kohlenstoffvorräte der heimischen Moore auf einmal freigesetzt, entspräche dies dem vierfachen jährlichen CO2-Ausstoß Österreichs. „Rund ein Drittel aller Moore in Österreich liegt auf Bundesforste-Flächen", erläutert Gerald Plattner, Studienautor der Österreichischen Bundesforste. „Deshalb fühlen wir uns für dieses Thema besonders verantwortlich und haben diese Studie initiiert. Auch mit der für die CO2-Bilanz so wirksamen Renaturierung von Mooren haben wir in den letzten Jahren erfolgreich Erfahrung gesammelt."

Moore im Klimastress
Durch die Trockenlegung für Land- und Fortwirtschaft und die Folgen des Klimawandels, wie abnehmende Niederschläge und längere Trockenperioden, werden Moore zu immer größeren CO2-Quellen. Um ihre Funktion als CO2-Speicher erfüllen zu können, benötigen sie ganzjährig einen hohen Wasserstand. Sinkt der Grundwasserstand und gelangt Sauerstoff an den im Torf gespeicherten Kohlenstoff, dann entweicht CO2. In Österreich entstehen durch die Nutzung ehemaliger Moorflächen durchschnittlich neun Tonnen CO2 pro Hektar. „Die Modellrechnungen zeigen, dass 85 Prozent der Hochmoore Österreichs bei einem Anstieg der Jahresmitteltemperatur um 2,3 Grad Celsius 2050 ausgetrocknet sein können“, warnt Franz Essl, Studienautor des Umweltbundesamtes.
Viel Klimaschutz für wenig Geld
Für den Erhalt der Kohlenstoffvorräte der Moore braucht es keine aufwendige Technologie, was den Moorschutz zu einer der kostengünstigsten Klimaschutzmaßnahmen macht. „Einfache Holzdämme genügen, um den Wasserhaushalt von Mooren wiederherzustellen und ihnen ihre CO2-Speicherfähigkeit zurückzugeben“, so Zika. In Fällen, in denen die Renaturierung ehemaliger Moorflächen nicht mehr möglich ist, bietet extensivere Nutzung, wie die Umwandlung von Acker- auf Forst- oder Grünland, große Klimaschutzpotenziale.

Moore: Global Player im Klimaschutz
Moore sind von weltweiter Bedeutung für den Klimaschutz. Obwohl sie nur drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, speichern sie rund 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs. Weltweit sind bereits Moorgebiete der achtfachen Fläche Österreichs trockengelegt. Seit 1990 ist der CO2-Ausstoß nicht intakter Moore weltweit um 20 Prozent angestiegen. Damit verursacht Moorzerstörung mehr CO2 als der internationale Luftverkehr. Die globale Hauptsorge gilt derzeit vor allem den riesigen Mooren in Südostasien, insbesondere den Torfsumpfwäldern Indonesiens. Deren Trockenlegung und Brandrodung für Reisanbau, Palmölplantagen und zur Zellstoffgewinnung machen Indonesien nach den USA und China zum drittgrößten Emittenten von Treibhausgasen weltweit. Deshalb ist es besonders wichtig, dass bei der derzeitigen Klimakonferenz in Cancún gerade der REDD+ Prozess (Emissionsreduktionen aus Abholzung und Degradierung), der auch den Schutz der Torfsumpfwälder beinhaltet, zu einem erfolgreichen Abschluss kommt.
Die WWF-Studie "Moore im Klimawandel" kann hier heruntergeladen werden.
Rückfragehinweis:
Mag.(FH) Lisa Simon, Pressesprecherin WWF Österreich
Tel.: +43-1-48817-215, E-Mail: lisa.simon@wwf.at
Mag. Bernhard Schragl, Pressesprecher Österreichische Bundesforste, Tel.: +43-2231-600-2120, E-Mail: bernhard.schragl@bundesforste.at
Mag. Ingeborg Zechmann, Pressesprecherin Umweltbundesamt,
Tel.: +43-664-6119094; E-Mail: ingeborg.zechmann@umweltbundesamt.at
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