Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Landschaftspfleger auf vier Beinen: Beweidung in Schutzgebieten
Presseaussendung
Wien, Marchegg, Orth/Donau, Illmitz – am 21. Juli 2016 – Nach dem erfolgreichen ersten Jahr bekamen die Marchegger Konik-Stuten nun männliche Verstärkung: Drei Hengstfohlen wurden aus dem polnischen Nationalpark Roztoczanski an die March übersiedelt. Nach kurzer Eingewöhnungszeit auf einer abgegrenzten Koppel haben sich die Jungtiere problemlos in die bestehende Konik-Herde integriert.
„Immer mehr Schutzgebiete setzen Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen in der Landschaftspflege und für den Naturschutz ein. Die Tiere sind in der Haltung unproblematisch, kostengünstig und sie bearbeiten den Boden auf sanfte, naturschonende Art und Weise“, erklärt WWF-Projektleiter Gerhard Egger.
Die Beweidung ist aber nicht nur ökologisch sinnvoll. Es ist auch für Besucher sehr interessant, Weidetiere unter sehr natürlichen Haltungsbedingungen zu beobachten. Auch der Nationalpark Donau-Auen setzt an mehreren Standorten auf sanfte Beweidung, und im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel grasen mehr als tausend Weidetiere.
Wilde Huftiere wie der Tarpan und der Auerochse prägten über Jahrtausende die Landschaft Mitteleuropas. Als ihre Nachfolger setzten dann Haustierrassen wie Pferde und Kühe die „Landschaftspflege mit Tritt und Biss“ fort. In den Ackerbaugebieten im warmen Osten Österreichs ist diese Tradition vielfach verloren gegangen. Mit innovativen Beweidungsprojekten knüpft man in Schutzgebieten nun wieder an altes Wissen an.
Beweidung ist eine praktische Alternative zur Mahd. So können auch in schwierigem Gelände, wie auf feuchten oder nassen Auwiesen oder auf ertragsarmen Trockenstandorten, wertvolle offene Flächen bewahrt werden. Denn in Au-, und Steppengebieten wäre die konventionelle Pflege großräumig viel zu teuer. Wertvolle Wiesen und Rasen würden dann verbuschen und als Lebensraum für seltene Arten verloren gehen.
Im Nationalpark Donau-Auen wurden in seinem 20-jährigen Bestehen bereits mehrere Beweidungs-Projekte umgesetzt. So gab es an einigen Standorten Versuche mit Rindern, gemischten Herden und einem wandernden Schafbestand. Zu den profitierenden Arten zählen unter anderem seltene Gräser und Orchideen sowie verschiedene Vögel, Käfer und die eleganten Gottesanbeterinnen. Aktuell grasen auf einer Koppel in Nachbarschaft des Schloss Eckartsau in Niederösterreich in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten die genügsamen, robusten Schottischen Hochlandrinder und Ziegen eines Landwirtschaftsbetriebs aus Obersiebenbrunn.
Auch im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel hat man bereits viel Erfahrung mit Weidetieren: Alte pannonische Haustierrassen wie das Graue Steppenrind oder der Weiße Esel werden in den Bewahrungszonen für den Lebensraum- und Artenschutz eingesetzt. Im Seevorgelände hilft eine Gruppe von Przewalski-Wildpferden beim Flächenmanagement. Den größeren Teil der mehr als tausend Weidetiere stellen Partner in den Gemeinden der Nationalparkregion mit ihren Fleckvieh-, Angus- oder Galloway-Herden.
Im WWF-Reservat Marchegg, Teil des Natura 2000-Gebiet March-Thaya-Auen, werden insgesamt 70 Hektar Auwiesen, Seggenrieder und Auwälder naturschonend beweidet. Neben den nunmehr neun Pferden grasen fünf Wasserbüffel und 15 Mutterkühe mit Nachwuchs auf dieser Fläche. Bereits nach einem Jahr sind auch hier schon die ersten Effekte sichtbar. Seltene Blumen und Kräuter nutzen die von den Pferden geschaffenen Lücken in den üppigen Wiesen. Auch der gefährdete Neuntöter ist auf den Weideflächen viel häufiger geworden.
Infos zu den Naturtourismusangeboten der Schutzgebiete:
Das Storchenhaus Marchegg bietet regelmäßig geführte Exkursionen auf die Pferdeweide an, die Besucher unter www.wwf.at/storchenhaus buchen können.
Über die geführten Wanderungen und Bootstouren im Nationalpark Donau-Auen informiert die Webseite www.donauauen.at.
Tipps für Wanderungen und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel gibt es ganzjährig im Informationszentrum in Illmitz. Zum Exkursionsprogramm mit unterschiedlichen Themen: www.nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at/programmexkursionen.html
Rückfragehinweise:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Erika Dorn, Nationalpark Donau-Auen, Kommunikation, Tel.: 02212/3450-26, e.dorn@donauauen.at
Alois Lang, Nationalpark Neusiedersee-Seewinkel, Öffentlichkeitsarbeit und Ökotourismus, Tel. 02175/ 3442, E-Mail: a.lang@nationalpark-neusiedlersee-seewinkel.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Winterbilanz Wald: WWF warnt vor Trockenheit und schwierigem Waldjahr 2026
Waldböden zu Frühlingsbeginn vielerorts zu trocken, Wasserspeicher erschöpft – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und Renaturierung im Wald
WWF kritisiert Spritpreis-Populismus der Bundesregierung
Umweltschutzorganisation fordert Sofortmaßnahmen für klimafreundliche Mobilität und schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas: Klimaticket vergünstigen, öffentliche Verkehrsmittel ausbauen, Strukturreformen beschließen
WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz anhaltender Bedrohungen
Naturschauspiel: Monarchfalter wandern 4.000 Kilometer in den Süden – Schmetterlingsmigration trotzt Herausforderungen, aber Lage weiterhin fragil
Good News: Nestor ist ältester bekannter Seeadler in Österreich
Ein Wiedersehen der besonderen Art gab es kürzlich im Burgenland: Der Seeadler „Nestor“ wurde 15 Jahre nach seiner Beringung durch den WWF erneut gesichtet. Er gilt hierzulande als ältester bekannter Seeadler.
WWF: Renaturierungs-Atlas zu Flüssen zeigt Fortschritte in ganz Österreich, Lücken in Tirol
Neue Onlinekarte zeigt erstmals Weg zu EU-Renaturierungszielen – Insgesamt sollen über 2.500 Kilometer Flüsse renaturiert werden – Tirol mit Defiziten im Bundesländer-Check
WWF-Seeadler „Nestor“ lebt: Ältester bekannter Seeadler Österreichs gesichtet
15 Jahre alter Seeadler im Burgenland nachgewiesen – WWF fordert besseren Schutz für das Wappentier – illegale Verfolgung als große Gefahr
WWF legt 5-Punkte-Paket gegen fossile Preisfalle vor
Fossile Energiekosten senken, Subventionen umleiten, Natur schützen – WWF und Klimaforscher Huppmann fordern Reformen gegen hohe Energiepreise und steigende Klimarisiken
Neue Leitung des Presseteams beim WWF Österreich
Alexa Lutteri führt seit Anfang März das Presseteam der größten heimischen Naturschutzorganisation












