Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
Mehr als 77.000 Stimmen für die Mur!
Wien, 23. März 2018 – Anlässlich des UNO-Weltwassertages am 22. März fordert der WWF Österreichs Nachbarland Slowenien zum Stopp seiner Kraftwerkspläne an der Mur auf. Unmittelbar ab dem Grenzort Spielfeld sollen 50 Flusskilometer in leblose Stauseen verwandet werden – mitten in einem Natura 2000-Gebiet und mit massiven Auswirkungen auf die Auwälder und den natürlichen Grundwasserkörper der österreichischen Grenzmur. Dagegen haben sich in einer internationalen Petition mehr als 77.000 Bürgerinnen und Bürger ausgesprochen. „Die großartige Unterstützung von zehntausenden Menschen für die Mur ist sehr ermutigend und eine klare Botschaft an die slowenische Regierung, die Kraftwerksplanungen ad acta zu legen“, unterstreicht Arno Mohl, Flussexperte beim WWF Österreich. Auch 7.300 Österreicherinnen und Österreicher sind unter den Unterzeichnenden der Petition. Am 22. März wurden die Unterschriften in Laibach gemeinsam mit lokalen Naturschutzorganisationen an Irena Majcen, Sloweniens Ministerin für Umwelt und Raumordnung, übergeben.
Mohl kündigt an: „Falls Slowenien trotz aller internationalen Proteste an den Plänen für die Errichtung der Kraftwerkskette festhält, werden wir die EU-Kommission einschalten, um eine Klage zu erwirken.“ Bereits das erste Kraftwerksprojekt Hrastje-Mota, das derzeit das Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren durchläuft, hätte eine fatale Signalwirkung für andere Flüsse in Natura 2000-Europaschutzgebieten: „Die Mur ist kein Einzelfall. In ganz Europa werden Flüsse und andere Süßwasserökosysteme mit alarmierender Geschwindigkeit zerstört“, so Mohl.
Laut dem Living Planet Report des WWF ist der Bestand an Süßwasserarten seit den 1970er Jahren weltweit um 81 Prozent zurückgegangen. Hauptverantwortlich für das Verschwinden der Wasserlebensräume sind Wasserkraftwerke, Intensivlandwirtschaft, Regulierungen, Schifffahrtsrinnen und Baggerungen für die Kies- und Sandgewinnung. „Die negativen Umweltfolgen der Flusszerstörungen betreffen uns Menschen direkt“ erinnert Mohl, denn „wir brauchen funktionsfähige Flussökosysteme für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.“
Die Mur-Kraftwerke widersprechen dem EU-Naturschutzrecht und konterkarieren die erfolgreichen Fluss-Renaturierungen der Steiermark ebenso wie jene zum internationalen Schutz der Region unter der Schirmherrschaft der UNESCO. Bereits im Dezember 2016 wurden die slowenischen Mur-Auen als Teil des künftigen Fünf-Länder-Biosphärenreservats „Mur-Drau-Donau" nominiert, in das dreizehn nationale Schutzgebiete von Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien zusammengefasst werden. Das Gebiet wird aufgrund seines enormen Arten- und Fischreichtums als „Amazonas Europas“ bezeichnet.
Der WWF hält die ambitionierten Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie für den einzig praktikablen Weg, die europäischen Gewässer zu schützen und zu sanieren. Die Richtlinie mit dem Ziel, dass bis spätestens 2027 alle Gewässer wieder einen guten Zustand aufweisen, wird von den EU-Mitgliedsstaaten nur schleppend und unambitioniert umgesetzt. Bei dem aktuellen "Fitness-Check" der Richtlinie besteht die reale Gefahr, dass die hohen Standards zum Schutz der europäischen Wasserressoucen aufgeweicht werden. Statt dem Druck von Industrie und Landwirtschaft nachzugeben, braucht es eine Besinnung auf die große Bedeutung von Wasser und eine verbesserte Umsetzung der Richtlinie, denn nicht einmal die Hälfte aller Flüsse, Seen und Feuchtgebiete in Europa sind derzeit gesund.
Fotos zum Download: https://we.tl/mNfBaYFOf1
Weitere Informationen:www.amazon-of-europe.com
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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