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Nervengift im Umlauf: Zwei seltene Seeadler tot
Wien, am 21. März 2012 – Noch vor wenigen Wochen gab der WWF neue Spitzenwerte für die bei uns überwinternden Seeadler bekannt. Allein in Niederösterreich haben sich heuer 85 Exemplare dieses streng geschützten Adlers aufgehalten, davon 49 in den March-Thaya-Auen. Doch gerade im Weinviertel haben die Greifvögel nicht nur Freunde: Seit dem Jahr 2007 wurden dort insgesamt sechs Seeadler und drei Kaiseradler Opfer illegaler Verfolgung. Dieser Tage traf es zwei Seeadler in Ringelsdorf und in Loidesthal: Beide Vögel waren etwa zwei Jahre alt und bei bester Gesundheit, als sie mit Carbofuran präparierte Giftköder fraßen und qualvoll verendeten.
Bei einem Windschutzgürtel nahe Ringelsdorf im Weinviertel, fand ein Spaziergänger kürzlich einen verendeten Seeadler. Sofort verständigte er einen Vogelkundler von BirdLife und den Jagdleiter des Reviers. Wenige Tage später fand ein Landwirt bei Loidesthal auf einem Acker ebenfalls einen toten Seeadler, worüber er die Jägerschaft informierte. Beide Vögel wurden zur Untersuchung der Todesursache zum Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie nach Wien gebracht. Das Ergebnis in beiden Fällen: Tod durch Vergiftung mit dem Pestizid Carbofuran. „Obwohl das Nervengift seit 2008 verboten ist, horten Giftleger offenbar noch genügend Lagerbestände, um weiterhin illegal Anschläge auf seltene Wildtiere zu verüben“, vermutet Christian Pichler, Leiter des WWF Seeadler- Schutzprogramms.
Der Seeadler wurde im 19. und 20. Jahrhundert in Europa fast gänzlich ausgerottet. Zahlreiche Artenschutzprojekte waren notwendig, damit der Großgreifvogel seine angestammten Lebensräume wieder zurück erobern konnte. In Österreich gibt es seit 2001 wieder regelmäßig Bruten von Seeadlereltern – derzeit 14 Paare. Insgesamt 159 Seeadler, darunter 85 in Niederösterreich, überwintern bei uns. Nur ein Teil dieser Vögel lebt ganzjährig bei uns. Der andere Teil bricht im Frühjahr wieder nach Nord- und Osteuropa auf. Trotz des positiven Trends, steht der Seeadler nach wie vor auf der Roten Liste der gefährdeten Arten Österreichs. Der Brut-Bestand ist immer noch sehr klein.
Eine der Hauptgefahren für seltene Greifvögel, ist die illegale Verfolgung durch Giftköder und Abschüsse. „Obwohl zumindest die Giftanschläge in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind, torpedieren einzelne Täter immer noch massiv unsere Artenschutzbemühungen“, klagt Pichler. So wurden seit dem Jahr 2007 im Weinviertel nachweislich vier Seeadler und ein Kaiseradler – die seltenste Adlerart in Österreich – erschossen. Vier weitere Adler – zwei See- und zwei Kaiseradler – wurden vergiftet.
Empört und betroffen reagiert auch die Jägerschaft auf die beiden aktuellen Fälle. „Der Landesjagdverband hat in den letzten Jahren verstärkt Aufklärungsarbeit im Weinviertel geleistet. Leider lassen sich manche Personen dennoch nicht von ihrem illegalen Handwerk abhalten. Wir werden deshalb alles unternehmen, um die Täter ausfindig zu machen und sie hart zu bestrafen“, erklärt Dr. Peter Lebersorger von der Zentralstelle der Landesjagdverbände. Der seltene Greifvogel ist in den Jagdgesetzen als ganzjährig geschont ausgewiesen.
Das violett gefärbte Pestizid Carbofuran, verursacht einen extrem qualvollen Tod und ist auch für Haustiere hochgefährlich. Bevor 2008 ein EU-weites Verbot in Kraft trat, wurde das Gift in der konventionellen Landwirtschaft gegen Schädlinge verwendet. Wie die aktuellen Vorfälle beweisen, befinden sich offenbar immer noch Giftvorräte im Umlauf.
Weitere Informationen:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, claudia.mohl@wwf.at
Niederösterreichischer Landesjagdverband, Tel. 01 /405 16 36-0
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