Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Neuerlicher Giftanschlag mitten im Seeadler-Gebiet!
Wien, am 30. 9. 2007 – Im Jagdrevier Hanfthal im niederösterreichischen Laaer Becken hat ein unbekannter Täter einen illegalen Giftanschlag auf Wildtiere verübt: Bei einer Kirrung (Anlockstelle) für Füchse wurde ein Köder sicher gestellt, der mit dem hochgiftigen Pestizid Carbofuran präpariert war. „Nur zehn Kilometer entfernt hat es im März 2007 einen Seeadler getroffen“, erklärt Dr. Bernhard Kohler vom WWF Österreich. Im Laaer Becken überwintern jährlich zwei bis drei Exemplare dieser weltweit gefährdeten Adlerart. „Gerade in diesem besonders sensiblen Gebiet kann man keinerlei Toleranz gegenüber Giftlegern üben!“ betont Kohler. Seeadler nehmen in der kalten Jahreszeit verstärkt Aas auf und sind deshalb durch Giftköder besonders gefährdet.
Der Täter hat offenbar mit Bedacht gehandelt: Der von einem Jäger verdeckt ausgelegte Köder zum Anlocken von Füchsen – die Innereien („Aufbruch“) eines Rehkitzes – wurde vom Täter mit dem lilafarbenen Gift Carbofuran versetzt. Ein Jagdhund entdeckte die auf diese Weise vergifteten Innereien und fraß eine kleine Menge davon. Trotz rascher tierärztlicher Behandlung verendete der Jagdhund qualvoll. Eine Untersuchung von Jagdhund und Köder ergab eindeutig, dass einmal mehr das gefährliche Pestizid Carbofuran zum Einsatz gekommen war. „Der Täter ist heimtückisch vorgegangen“, stellt Kohler klar. „Wenn ein Fuchs den Köder ausgegraben und gefressen hätte, wäre er selbst zum offen herumliegenden Köder für Greifvögel geworden.“ Dem Jagdhund, der den Köder zufällig gefunden hat, wurde das Gift ebenfalls zum Verhängnis.
Auch die bundesweite Standesvertretung der Jägerschaft ist über den neuerlichen Vorfall im Bezirk Mistelbach – einem langjährigen Häufungsgebiet des illegalen Carbofuran-Einsatzes – empört.
Dr. Peter Lebersorger von der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände sagt: „Erschütternd ist, dass auch die örtliche Jägerschaft und deren Jagdhunde vor solchen Anschlägen nicht verschont bleiben – hier ist offenbar ein Insider am Werk, der die Gewohnheiten der Jäger (Luderplätze für die Fuchsjagd) kennt und für seine Giftanschläge ausnützt. Der vom Verlust seines Hundes betroffene Jäger hat bei der Polizei sofort Strafanzeige gegen unbekannte Täter erstattet.“ Beim Carbofuran-Missbrauch handelt es sich um eine verabscheuungswürdige Praxis, die im Widerspruch zu allen geltenden Jagd-, Tierschutz und Naturschutzgesetzen steht, sind sich WWF und Landesjagdverband einig.
Seit dem Jahr 2000 wurden in Österreich mindestens 236 Wild- und Haustiere Opfer von Giftanschlägen, wobei in 80 Prozent der Fälle Carbofuran verwendet wurde. Mit acht Seeadlern, zwei Kaiseradlern und einem Rotmilan befanden sich darunter auch Rote-Liste-Arten, für die Bund und Länder gesamteuropäische Verantwortung tragen. 56 Prozent aller Giftanschläge fanden in Niederösterreich statt; das nördliche Weinviertel ist eines der Häufungsgebiete.
Im Rahmen der Aktion „Vorsicht Gift!“ leisten WWF und Jägerschaft seit dem Jahr 2004 gemeinsam intensive Aufklärungsarbeit. Dennoch kam es bislang zu keinem nachhaltigen Rückgang der Giftfälle, sondern bestenfalls zu einem Stagnieren auf mittlerem Niveau. Allein im Winter 2006/07 wurde 29-mal die Verwendung illegaler Giftköder registriert. Hinweise zu diesem und anderen Giftfällen werden von der WWF-Gifthotline unter der Telefonnummer 0676/444 66 12 und vom NÖLJV-Gifthandy unter der Telefonnummer 0664/9255070 entgegengenommen.
Rückfragehinweis:
Dr. Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Seeadlerprojekts, Tel. 0676/83 488 281.
Dr. Peter Lebersorger, Niederösterreichischer Landesjagdverband, Tel.01/405 16 36; 0664-9255070
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