Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Rotschlammkatastrophe: Wer bezahlt die Zeche in Ungarn?
Wien/Budapest, 15. 10. 2010 – Es gibt ein Grundprinzip, dass die Verursacher von Umweltschäden auch die entstehenden Kosten übernehmen. Dieses Verursacherprinzip wurde auch 2004 formell im Europäischen Recht verankert. Im gleichen Jahr trat Ungarn der EU bei. “Eigentlich ist damit ganz klar, wer die Kosten zu tragen hat – zunächst das Unternehmen”, so WWF-Experte Martin Geiger.
Die ungarische-deutsche MAL AG wurde Mitte der 90er Jahre privatisiert und nach Angaben der staatlichen Privatisierungsagentur APV hätte die Republik Ungarn beim Abverkauf der Aluminiumindustrie rund 100 Millionen Euro verloren. Kredite des Unternehmens wurden vom Staat verbürgt und nun wurde nach der Katastrophe in Kolontar die MAL AG wieder unter staatliche Kontrolle gestellt. In verschiedenen Pressemitteilungen erklärte sich zwar das Unternehmen bereit sich anteilig an den entstandenen Schäden zu beteiligen, vor allem für die Bevölkerung. Die bisher vom Unternehmen genannten Beträge sind aber völlig unzureichend. Neben den Kosten für die Bevölkerung, die Etablierung eines Notdamms, den Polizei- und Sicherheitseinsatz und die Umsiedlung, sowie die Aufräumarbeiten, müssen auch die langfristigen Schäden für die Natur und die wirtschaftliche Entwicklung in der Region miteingerechnet werden. Der Fluss Marcal und die Raab müssen dringend renaturiert werden. Die Fluss-Auen der Raab wurden 2006 als internationales Schutzgebiet nach der Ramsar Konvention ausgewiesen. “Für die Untersuchungen der ökologischen Schäden, die Entwicklung eines Renaturierungkonzeptes und dessen Umsetzung muss die Firma und nicht der Staat und die Steuerzahler aufkommen”, fordert nun der WWF.

Die Gesamtkosten für die Beseitigung der Schäden dürften mit Sicherheit weit über 30 Millionen Euro liegen, vielleicht sogar noch viel höher. Selbst für Baia Mare und Baia Borsa in Rumänien im Jahr 2000 konnte die eingesetzte internationale und unabhängige Arbeitsgruppe fast ein Jahr nach dem Unglück keine genauen Zahlen nennen, vor allem weil die Langzeitwirkungen extrem schwierig zu erfassen sind. “Die ungarische Regierung muss jetzt eine genaue Inventur der Schäden und entstandenen Kosten für Mensch und Natur durchführen und dann das Unternehmen zur Kasse bitten. Sonst muss wieder der Steuerzahler die Zeche bezahlen, während sich die Eigentümer der Firma in den letzten Jahren bereichern konnten”, beklagt Geiger.
Es wird vermutet, daß die Firma bei der Allianz Ungarn nur mit höchstens einigen Millionen Euro versichert ist. “Es wäre höchst unverantwortlich, wenn sich im Laufe der nächsten Wochen herausstellen würde, dass ein Unternehmen wie die MAL AG überhaupt eine Betriebsgenehmigung erhält, obwohl sie möglicherweise gar nicht alle mit ihrem Geschäft verbundenen Risiken bei Versicherern abgesichert hatte”, so Geiger.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231,
Email: franko.petri@wwf.at;
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Winterbilanz Wald: WWF warnt vor Trockenheit und schwierigem Waldjahr 2026
Waldböden zu Frühlingsbeginn vielerorts zu trocken, Wasserspeicher erschöpft – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und Renaturierung im Wald
WWF kritisiert Spritpreis-Populismus der Bundesregierung
Umweltschutzorganisation fordert Sofortmaßnahmen für klimafreundliche Mobilität und schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas: Klimaticket vergünstigen, öffentliche Verkehrsmittel ausbauen, Strukturreformen beschließen
WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz anhaltender Bedrohungen
Naturschauspiel: Monarchfalter wandern 4.000 Kilometer in den Süden – Schmetterlingsmigration trotzt Herausforderungen, aber Lage weiterhin fragil
Good News: Nestor ist ältester bekannter Seeadler in Österreich
Ein Wiedersehen der besonderen Art gab es kürzlich im Burgenland: Der Seeadler „Nestor“ wurde 15 Jahre nach seiner Beringung durch den WWF erneut gesichtet. Er gilt hierzulande als ältester bekannter Seeadler.
WWF: Renaturierungs-Atlas zu Flüssen zeigt Fortschritte in ganz Österreich, Lücken in Tirol
Neue Onlinekarte zeigt erstmals Weg zu EU-Renaturierungszielen – Insgesamt sollen über 2.500 Kilometer Flüsse renaturiert werden – Tirol mit Defiziten im Bundesländer-Check
WWF-Seeadler „Nestor“ lebt: Ältester bekannter Seeadler Österreichs gesichtet
15 Jahre alter Seeadler im Burgenland nachgewiesen – WWF fordert besseren Schutz für das Wappentier – illegale Verfolgung als große Gefahr
WWF legt 5-Punkte-Paket gegen fossile Preisfalle vor
Fossile Energiekosten senken, Subventionen umleiten, Natur schützen – WWF und Klimaforscher Huppmann fordern Reformen gegen hohe Energiepreise und steigende Klimarisiken
Neue Leitung des Presseteams beim WWF Österreich
Alexa Lutteri führt seit Anfang März das Presseteam der größten heimischen Naturschutzorganisation












