Umweltschutzorganisation warnt vor Freibrief für fossile Geschäftsmodelle – Vorrang für Emissionsvermeidung – Strenge Grenzen bei geplanter Öffnung für CO₂-Speicherung
Runder Tisch mit der Bundesregierung: WWF fordert neue Pfand- und Mehrweg-Systeme
Pfandgipfel: Umweltschutzorganisation für rasche Einführung eines Einweg-Pfandsystems als wirksamste und kostengünstigste Lösung – Mehrwegziele festschreiben, um Kreislaufwirtschaft zu unterstützen
Wien, am 1. Juni 2020. Im Vorfeld des morgigen Gipfels mit der Bundesregierung und mehreren Wirtschaftsverbänden fordert die Umweltschutzorganisation WWF Österreich ein Pfandsystem für Einwegverpackungen und die Ausweitung von effizienten Mehrweg-Systemen. „Das spart viele Ressourcen und sorgt dafür, dass weniger Müll in der Natur landet“, sagt WWF-Expertin Elisa Gramlich. Der Weg zur Kreislaufwirtschaft erfordert verbindliche Regeln und Ziele: „Bewusstseinsbildung ist grundsätzlich gut, reicht aber nicht. Neben dem Einweg-Pfand braucht es daher auch verpflichtende Reduktionsziele und effiziente Mehrwegsysteme, um insgesamt Ressourcen zu sparen und so unsere Natur und unser Klima zu schützen“, sagt Gramlich.
Das Treffen im Umweltministerium dreht sich um die Ergebnisse einer wegweisenden wissenschaftlichen Studie. Demnach ist ein Pfand auf Einweg-Kunststoff-Flaschen das beste und kostengünstigste Rezept, um die Sammel- und Recyclingquoten zu erhöhen und das achtlose Wegwerfen einzudämmen. „Das ist der richtige Weg. Wir müssen alle Systeme und Verpackungsmodelle klima- und umweltfreundlich ausrichten, um die sinnlose Verschwendung von Ressourcen und Energie rasch zu beenden“, sagt Gramlich. Zudem belegen auch Umfragen, dass die Bevölkerung mit deutlicher Mehrheit für Pfandsysteme ist und stärkere Maßnahmen gegen die Plastikverschmutzung fordert.
Derzeit werden in Österreich pro Jahr rund 1,6 Milliarden Kunststoff-Flaschen in den Verkehr gesetzt. Aktuell beträgt die Sammelquote nur 70 Prozent. Die Single-Use-Plastic-Richtlinie der Europäischen Union schreibt allerdings vor, dass Getränkeflaschen aus Kunststoff bis 2025 zu 77 Prozent und bis 2029 zu mindestens 90 Prozent getrennt gesammelt und recycelt werden müssen. Des Weiteren muss Österreich seine Recyclingquote bis 2025 mehr als verdoppeln. „Daher sind neben der Förderung von Mehrweg und der Einführung eines Einweg-Pfands auch Vorgaben für das recyclinggerechte Design sowie den Einsatz von Recyclat notwendig. Denn nur so können Kunststoffflaschen effizient gesammelt und qualitativ hochwertig wieder zu neuen Flachen verarbeitet werden“, sagt Elisa Gramlich vom WWF Österreich. Und sie fügt hinzu: „Ohne klare gesetzliche Regelungen sind diese Ziele nicht erreichbar. Gemeinsame Vision muss ein klimafreundliches und gut aufeinander abgestimmtes System sein, dass wertvolle Ressourcen spart und Rohstoffe wiederverwendet.“.
Aus Umweltsicht ist die Sache klar: Um insgesamt Ressourcen zu sparen, muss ein Pfandsystem mit dem Ausbau von Mehrweg-Angeboten gekoppelt werden. Denn mittlerweile ist der Mehrweganteil auf nur mehr 18,4 Prozent gesunken. Daher fordert der WWF eine stufenweise Erhöhung der Mehrweg-Quote im Getränkebereich auf 50 Prozent bis 2025, auf 70 Prozent bis 2030 und auf 90 Prozent bis 2035. Insbesondere energieintensive und damit klimaschädliche Verpackungen aus Einweg-Glas und Metall sollten durch Mehrweg-Lösungen ersetzt werden. „Österreich hat mit der anstehenden Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes die Chance, ein optimales System zu entwickeln“, sagt Elisa Gramlich.
Damit die bisherige Verschwendung gestoppt wird, muss auch abseits von Getränkeverpackungen noch sehr viel passieren. Einwegprodukte müssen generell massiv reduziert werden. Daher braucht es zum Beispiel auch einen gesetzlichen Mindestpreis für alle Wegwerf-Tragetaschen, damit das Plastiksackerl-Verbot nicht zum ökologischen Eigentor wird. Zusätzlich fordert die Umweltschutzorganisation Anreize für Mehrweg-Transportverpackungen und eine erweiterte Verantwortung der Produzenten.
Kontakt und Rückfragen:
Sarah Bimingstorfer, MA
WWF Österreich, Presse & Politik
E-Mail: sarah.bimingstorfer@wwf.at
Tel: +43 676 834 88 216
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