Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
Tag der Haie: WWF fordert rasche Umsetzung von Schutzmaßnahmen im Mittelmeer
Gefürchtet, gejagt und gehandelt – das ist das Schicksal von bis zu 100 Millionen Haien und Rochen pro Jahr weltweit. Ihr Fleisch dient den Menschen als Nahrung, Leberöl und Knorpel landen als Rohstoff in der Pharma- und Kosmetikindustrie, ihre Haut wird zu Leder verarbeitet. Ihre Flossen gelten mancherorts als Delikatesse. Außerdem eilt Haien immer noch der falsche Ruf eines blutrünstigen Monsters voraus. Anlässlich des morgigen Tags der Haie macht die Umweltschutzorganisation WWF Österreich daher auf ihren dramatischen Zustand und ihre essentielle Rolle in den Meeren aufmerksam: “Haie und Rochen gehören zu den gefährdetsten Tierarten der Welt: ein Drittel der Arten sind weltweit vom Aussterben bedroht – das hat fatale Folgen für das gesamte marine Ökosystem, von dem auch wir Menschen abhängen”, warnt Simone Niedermüller, Meeresbiologin beim WWF Österreich. Denn Haie und Rochen erfüllen wichtige Funktionen in den marinen Nahrungsnetzen und sind essentiell für das Gleichgewicht der Ozeane – und des globalen Klimas: “Gesunde Populationen von Haien und Rochen sind Zeichen für gesunde Meere – denn sie sorgen für Nährstoffaustausch zwischen Wasserschichten und fördern damit die biologische Vielfalt. Sie tragen außerdem zum Kreislauf von sogenanntem ‘blauen Kohlenstoff’ bei, der wiederum im Kampf gegen die Klimakrise enorm wichtig ist”, erklärt Niedermüller.
EU als Drehscheibe, Österreich als Importeur – besserer Schutz gefordert
Weltweit gibt es mehr als 1.200 bekannte Arten von Haien und Rochen. Überfischung, Beifang sowie illegale Fischerei sind hauptverantwortlich dafür, dass mittlerweile 36 Prozent aller weltweiten Haiarten bedroht sind. Im Mittelmeer ist die Situation noch dramatischer – 58 Prozent der Hai- und Rochenarten gelten hier mittlerweile als bedroht. Die EU gilt als internationale Drehscheibe für den globalen Handel mit Haien und Rochen: 236.000 Tonnen Haifleisch und -flossen sowie Rochen wurden zwischen 2009 und 2021 allein von Spanien aus exportiert – auch nach Österreich: Hierzulande wurden zwischen 2012 und 2021 über 230 Tonnen frisches Haifleisch, gefrorene Haiprodukte sowie Haiflossen gehandelt. Beim Importwert von frischen Hai-Filets liegt das Binnenland Österreich sogar weltweit an fünfter Stelle.
Zwar verabschiedete die Europäische Union vor über zehn Jahren einen Aktionsplan zum Schutz und besseren Management von Haien und Rochen. „Die transparente Meldung von Fängen und Beifängen sowie die nachhaltige Bewirtschaftung der Populationen bleiben aber ein ungelöstes Problem. Vor allem die Mittelmeerländer müssen Maßnahmen zum Schutz von Haien und Rochen daher dringend und lückenlos umsetzen. Derzeit gleicht der Schutz im Mittelmeer noch einem Flickenteppich“, kritisiert WWF-Expertin Niedermüller und verweist auf einen neuen Report des WWF, der die unterschiedlichen Regelungen im Detail bewertet. Handlungsbedarf gibt es demnach insbesondere bei der Ausweitung und Verbindung von Schutzgebieten, beim Fischerei-Management und beim unkontrollierten und teils illegalen Handel mit Haifleisch.
Konsument:innen empfiehlt der WWF, Meeresfisch, wenn überhaupt, nur selten zu essen. Das entlastet Fischbestände und Hai-Populationen. Haifleisch landet besonders in der Mittelmeerregion auch häufig auf Speisekarten von Touristenmenüs – etwa illegal als Schwertfisch getarnt. Hier gilt besondere Vorsicht. Weitere Infos dazu bietet der WWF-Fischratgeber.
Weitere Infos:
- Fotos hier zum Download
- Der neue Bericht hier zum Download
- Zahlen zum Handel mit Haien hier.
News
Aktuelle Beiträge
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect










