Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Tag des Waldes: Neuer WWF-Bericht zeigt alarmierenden Zustand der globalen Wälder
Presseaussendung zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März
Wien, am 20. März 2018 – Laut dem aktuellen Waldbericht des WWF sind seit 1990 fast 2,4 Millionen Quadratkilometer Naturwald verschwunden. Bis 2030 könnte Wald im Ausmaß der 20fachen Fläche Österreichs verloren gehen, wenn die dramatischen Entwicklungen nicht gestoppt werden. Für 80 Prozent des Waldverlusts ist die Ausweitung der industriellen Landwirtschaft verantwortlich, gefolgt von der nicht-nachhaltigen Abholzung für die Holz- und Papierproduktion. Hauptbetroffen sind die Tropenwälder Südamerikas, Afrikas und Südostasiens mit ihrer enorm wichtigen Funktion für das Weltklima. Auch im Alpenland Österreich mit seinen vielen Bergwäldern, ist die Situation besorgniserregend: „Beinahe jeder Quadratmeter Wald wird in irgendeiner Art genutzt – nur noch drei Prozent der Österreichischen Wälder sind natürlich, also ökologisch intakt und unzerschnitten“, erklärt Karin Enzenhofer vom WWF Österreich.
In Österreich ist zwar nicht eine Abnahme der Waldfläche problematisch, dafür aber die intensive Nutzung. Monotone Forste, in denen nur wenige Baumarten vorkommen und alle Bäume gleich alt sind, bieten nur wenig Lebensraum für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Lebendige, naturnahe Wälder, die rund 25 Prozent der heimischen Waldfläche ausmachen, bieten durch alte Bäume und viel Totholz Spechten, Käfern und Pilzen noch eine Heimat. Außerdem sind solche Wälder widerstandsfähiger und können als Kohlenstoffspeicher die Folgen des Klimawandels abmindern. „Deshalb müssen wir die wenigen Reste unserer Naturwälder konsequent schützen und für mehr naturnahe Wälder in Österreich sorgen“, fordert Enzenhofer.
Weltweit sind Afrika und Südamerika die Schauplätze der größten Waldverluste. Afrika hat seit 1990 zwölf Prozent seiner Waldfläche verloren. Trauriger Spitzenreiter ist der Holzkohleproduzent Nigeria, wo im genannten Zeitraum ganze 60 Prozent des Waldes zerstört wurden. In absoluten Zahlen bleibt das Amazonas-Gebiet der Hotspot der Waldzerstörung: Der größte Regenwald der Erde hat seit 1995 über 311.000 Quadratkilometer eingebüßt. Während die Abholzung seit der Jahrtausendwende dank besserer Schutzbemühungen zunächst deutlich zurückging, zieht sie seit 2012 im Zuge der brasilianischen Wirtschaftskrise und Schwächung des Waldgesetzes wieder deutlich an.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist, dass sich die Waldzerstörung insgesamt verlangsamt. Eine wichtige Rolle spielt hierbei Asien, wo massiv aufgeforstet wird und die Waldfläche um rund 250.000 Quadratkilometer angewachsen ist. „Aufforstungen sind ein wichtiger Schritt, sie dürften jedoch nicht von der anhaltenden Zerstörung von Naturwäldern ablenken“, erklärt Georg Scattolin, Artenschutzexperte des WWF Österreich, “denn Monokulturen können Naturwälder mit ihrem riesigen Artenreichtum niemals ersetzen.“ Zwischen 1970 und 2010 ist die Anzahl tropischer Arten weltweit bereits um 56 Prozent geschrumpft.
Um die folgenreiche Zerstörung der Wälder zu stoppen, fordert der WWF eine Abkehr vom Dogma der kurzfristigen Profitmaximierung: „Unsere Wirtschaftsweise basiert zu großen Teilen auf der Ausbeutung von Ressourcen, ohne dass wir die Folgen in Betracht ziehen. Kurzfristig gewinnen wir Wohlstand, aber langfristig sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen. Die Wälder sind ein Paradebeispiel für Ökosysteme mit großem Nutzen für den Menschen: Sie versorgen uns mit sauberem Wasser, schützen uns vor Naturgefahren wie Erosion und Überschwemmungen und stabilisieren unser Klima. Setzen wir das aufs Spiel, verlieren wir mehr als ein paar Prozente Wirtschaftswachstum“, mahnt Scattolin abschließend. Die verbleibenden Naturwälder müssen laut WWF unter strengen Schutz gestellt werden.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/48817250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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