2030-Ziel außer Reichweite – WWF fordert Waldschutzpaket und entwaldungsfreie Lieferketten
Umfrage: Klare Mehrheit fordert Pflicht zu Klima- und Naturschutz für Banken
Laut einer repräsentativen market-Umfrage im Auftrag des WWF Österreich fordert eine deutliche Mehrheit der Österreicher*innen eine gesetzliche Verpflichtung für Banken und Versicherungen, ihr Geschäftsmodell klima- und naturverträglich auszurichten. „Finanzinstitute haben eine enorme Verantwortung. Jeder Euro, der veranlagt wird, wirkt sich auch auf unsere Umwelt aus. Banken und Versicherungen müssen daher ihre Verantwortung wahrnehmen und Klima- und Naturschutz in ihrem Kerngeschäft berücksichtigen“, fordert Jakob Mayr, Experte für nachhaltige Finanzen beim WWF Österreich. Angesichts der wachsenden Zahl von Finanzprodukten, die als “nachhaltig” beworben werden, wünschen sich die Österreicher*innen laut der Umfrage vor allem eine bessere Kennzeichnung und Transparenz.
Eine gesetzliche Verpflichtung, dass Finanzinstitute ihre Geschäfte klima- und naturverträglich ausrichten forderten ganze 58 Prozent, darunter 25 Prozent „auf jeden Fall“ und 33 Prozent „eher doch“. Skeptisch zeigen sich 17 Prozent („eher weniger“), gänzlich ablehnend nur sieben Prozent („nein, nicht wirklich“) der Befragten. Noch deutlicher ist die Zustimmung zur Aussage, Banken und Versicherung müssten grundsätzlich mehr Verantwortung für Klimaschutz und Artenvielfalt übernehmen – hier liegt die Zustimmung bei 61 Prozent. “Dabei geht es längst nicht mehr um Recycling-Papier im Drucker, sondern um die fundamentale Frage, was mit unserem Geld passiert. Dabei müssen auch entsprechende Kenntnisse über die Umweltverträglichkeit der Produkte zum Standard werden – vom Vorstand bis zur Kundenberatung“, sagt Jakob Mayr.
Der WWF Österreich fordert daher Klimaschutz ins Kerngeschäft zu integrieren. Damit das gelingt, braucht es unbedingt verpflichtende, professionelle Ausbildung in punkto klima- und naturverträgliche Finanzen auf allen Ebenen – von der Geschäftsführung über den Aufsichtsrat bis hin zu Anlageberatung und Risikomanagement. „Die Finanzwirtschaft muss massiv in Nachhaltigkeits-Schulungen investieren. Die Aufklärung der Mitarbeiter*innen und Kund*innen sollte an oberster Stelle stehen. Die Finanzmarktaufsicht muss das konsequent einfordern“, fordert Mayr.
Großes Interesse an „grünen“ Finanzprodukten
Dass bei den Kreditinstituten hierzulande noch großer Aufholbedarf besteht, zeigte bereits das WWF-Bankenrating 2019: Von den zehn größten heimischen Retailbanken blieben in der fünfstufigen Bewertung alle auf den beiden hinteren Plätzen zurück. Ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden war mangelnde Transparenz und Aufklärung in der Beratung. Genau hier wünschen sich die Österreicher*innen auch heute mehr Engagement: „Bessere Kennzeichnung und Transparenz bei Finanzprodukten“ war das in der Umfrage meistgenannte Kriterium, um sich für ein „grünes“ Finanzprodukt zu entscheiden. Erst danach kamen steuerliche Begünstigungen und die konkrete Aussicht auf Wertzuwachs und Rendite. 79 Prozent der Befragten zeigten grundsätzliches Interesse an „grünen“ Finanzprodukten, doch lediglich vier Prozent besitzen aktuell ein solches. “Das Potenzial ist riesig – sowohl für Klimaschutz als auch als Geschäftsmodell”, sagt Mayr.
Zur Methode: Für die Umfrage wurde das market-Institut beauftragt. Im Befragungszeitraum von 13.-19. September 2021 wurden 1000 Online Interviews durchgeführt. Das Ergebnis ist für die Österreichische Bevölkerung über 16 Jahre repräsentativ. Die maximale statistische Schwankungsbreite beträgt +/- 3,16 Prozent.
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Bodenverbrauch in Österreich 2025 gestiegen
7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.










