Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
Vogelattentat im Weinviertel: Dritter Seeadler in Folge vergiftet
Wien, am 31. August 2012 – Am Ortsrand von Rabensburg fand ein Spaziergänger kürzlich einen getöteten Seeadler. Die veterinärmedizinische Untersuchung ergab, dass das wenige Monate alte männliche Tier mit Carbofuran vergiftet wurde. Dieses lilafarbene Pestizid ist seit 2008 EU-weit verboten. Die Greifvögel selbst stehen unter strengem Artenschutz. „Diese Vorfälle torpedieren die internationalen Schutzbemühungen für den Seeadler“, ärgert sich Christian Pichler vom WWF. Der WWF und der Niederösterreichische Landesjagdverband hoffen auf die baldige Ausforschung des Täters. Ihm drohen wegen Verstoßes gegen Paragraph 182 StGB bis zu zwei Jahre Haft. Das Landeskriminalamt nimmt nun die Ermittlungen auf.
Das Weinviertel ist mit seinen weitläufigen Acker- und Wiesenflächen und den March-Thaya-Auen einer der wichtigsten Lebensräume für den Seeadler in Österreich. Hier zählte der WWF im Februar 2012 mehr als 50 dieser majestätischen Großgreifvögel.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Seeadler in ganz Westeuropa ausgerottet. „Seit 2001 zeigen die Bestände im Osten Österreichs deutliche Zuwächse“, freut sich Pichler, Leiter des WWF-Schutzprojekts. Derzeit gibt es wieder 14 heimische Brutpaare. Dennoch wird immer wieder versucht, dem EU-weit unter strengem Artenschutz stehenden Vogel den Garaus zu machen. Die seltenen Tiere sind in den heimischen Jagdgesetzen als ganzjährig geschont ausgewiesen. Pichler unterstreicht: „Illegale Abschüsse und Vergiftung sind derzeit das größte Problem für die Wiederausbreitung des Seeadlers in Österreich.“
Neben den Seeadlern, die in Österreich brüten und Junge großziehen, streifen auch Gäste aus Nachbarstaaten durch unsere Landschaften, darunter auch der getötete Vogel aus Rabensburg. Er flog heuer aus einem Horst im Soutok/Tschechien beim Zusammenfluss von March und Thaya aus. Tschechische Naturschützer hatten den Vogel im Horst, der nur wenige Kilometer vom Vergiftungsort entfernt liegt mit Ringen versehen, um mehr über sein Verhalten zu erfahren. Umso empörter sind sie über den Tod des Vogels. „Die Tat ist ein herber Rückschlag für unsere tschechischen Kollegen, die im Sotuok sehr viel für den Adlerschutz tun“, sagt Pichler.
Obwohl die Giftanschläge in den letzten Jahren zurückgegangen sind, wird illegale Greifvogelverfolgung von Einzelpersonen offenbar immer noch als Kavaliersdelikt gesehen. Sie gefährden auf diese Weise ambitionierte Artenschutzbemühungen von Jägern und Naturschützern. „Der Landesjagdverband hat in den letzten Jahren sehr viel Aufklärungsarbeit im Weinviertel geleistet und zahlreiche Schutzbemühungen für die See- und Kaiseradler unterstützt. Leider lassen sich manche Personen dennoch nicht von ihrem illegalen Handwerk abhalten“, reagiert Peter Lebersorger von der Zentralstelle der Landesjagdverbände betroffen auf den aktuellen Fall.
Erst vor wenigen Wochen wurde im Weinviertel ein Mann ausgeforscht, der über Jahre hinweg Schlageisen zur Verfolgung von Greifvögeln eingesetzt hatte. Der Mann wurde wegen Tierquälerei angeklagt. Ihm drohen bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe, der Entzug der Jagdkarte sowie eine Geldstrafe.
Insgesamt wurden im Weinviertel seit 2007 elf See- und Kaiseradler illegal getötet, mehr als irgendwo sonst in Österreich.
Weitere Informationen und Seeadler-Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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