Hitze und Trockenheit setzen Amphibien, Jungvögeln und Schmetterlingen besonders zu – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und gibt Tipps, um Wildtieren zu helfen
Von Uferschnepfe bis Burzeldorn: WWF präsentiert Friedhof der Artenvielfalt
Wien, 21. Mai 2010 – Anlässlich der Woche der Artenvielfalt präsentiert der WWF eine Bilanz des Artensterbens für den Ostena Österreichs. Aus dem Naturparadies der March-Thaya-Auen sind im letzten Jahrhundert bereits 65 Tier- und Pflanzenarten verschwunden. Darunter befinden sich imposante Vertreter wie der Große Brachvogel, die Uferschnepfe oder die Sumpfohreule ebenso wie winzige Urzeitkrebsarten. Auch Insekten wie die Dornschrecke oder Blütenpflanzen wie der Burzeldorn, die Sumpfgladiole oder die Seltsame Segge sind Geschichte. Der WWF warnt, dass im Jahr der biologischen Vielfalt knapp hundert weitere Arten im „grünen Herzen zwischen Wien und Bratislava“ aussterben werden, wenn das Gebiet nicht unter effizienten Schutz gestellt wird.
Noch lebt in den Auen von March und Thaya im äußersten Nordosten Österreichs eine unglaubliche Fülle von Arten. Zwei Drittel der heimischen Vogelarten, finden hier auf nur 0,2 Prozent der Landesfläche eine Heimat. Die Begradigung der beiden Flüsse im letzten Jahrhundert hat jedoch zur Folge, dass Altarme zunehmend verlanden und die weitläufigen Auwälder austrocknen.
Besonders die Amphibien, die Österreich weit vom Aussterben bedroht sind, brauchen intakte Wasserlebensräume. “Dem knallblauen Moorfrosch und dem sympathischen Donau-Kammmolch werden unsere Kinder nur noch auf Schautafeln mit dem Vermerk ‚ausgestorben’ begegnen“, befürchtet Gerhard Egger vom WWF. „Bleiben die Tieflandflüsse March und Thaya weiterhin ins Korsett gesperrt und von ihren Auen abgeklemmt, können sie die Lebensräume der bedrohten Arten nicht mit dem Lebenselexier Wasser versorgen“, erklärt er.
Kurzfristig kann durch Naturschutzmaßnahmen aktiv geholfen werden. So sorgt die Ausbaggerung von Wiesensenken zwar, dass das Wasser sich länger hält und dadurch etwa Rotbauchunken, Wechselkröte und Grasfrosch Zeit haben, sich vom Ei bis zum erwachsenen Tier zu entwickeln. Auch der Flussseeschwalbe, der die Schotterbänke am Fluss zum Brüten fehlen, konnte 2009 vom WWF geholfen werden: Sie zieht ihre Jungen derzeit auf einem künstlichen Brutfloß aus Holz groß.
Langfristig hängt das Überleben aller Wasser liebenden Arten – und dazu zählt das Gros aller gefährdeten Arten Österreichs – jedoch von einer natürlichen Flussdynamik ab. „Nur wenn March und Thaya an geeigneten Stellen renaturiert werden, kann der Verlust der biologischen Vielfalt an Österreichs wichtigster Flusslandschaft gestoppt werden“, so Egger.
Erfolgreiche Artenschutzprojekte zeigen, dass auch verschollene Arten eine Chance haben. So war der Seeadler, Österreichs größter Greifvogel und zugleich Symboltier des Staatswappens, hierzulande Jahrzehnte lang ausgestorben. Nach intensiven Artenschutzbemühungen, feierte er vor knapp 10 Jahren ein erfolgreiches Comeback: 2001 glückte es wieder einem Seeadlerpaar in einem Horst in den March-Auen, ein Junges aufzuziehen. Seither zeigt die Bestandskurve stetig nach oben. Trotz etlicher Rückschläge durch illegale Vergiftungen oder Abschüsse drehen heuer wieder 13 Seeadlerpaare ihre Runden über den Tieflandregionen im Osten Österreichs.
Weitere Informationen:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250
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