WWF: Amazonas-Fische helfen, den Regenwald zu erhalten – 144 Arten bedroht

18. September 2026 | Arten, Biodiversität, Presse-Aussendung

Neuer Report: Flussverbauung und Überfischung gefährden Fischbestände und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen - WWF fordert Schutz frei fließender Flüsse und wichtiger Fischlebensräume
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Wien/Manaus, am 18. September 2026 – Der Verlust von Fischarten im Amazonas gefährdet die natürliche Erneuerung des Regenwaldes und die Ernährung von Millionen Menschen. Das zeigt der neue Report „Die vergessenen Fische des Amazonas“, an dem der WWF mitgewirkt hat. Demnach gelten 144 Amazonas-Fischarten als bedroht. Fruchtfressende Fische tragen zur Verbreitung von Bäumen bei, indem sie deren Samen in überschwemmten Gebieten verteilen. Der WWF fordert daher, frei fließende Flüsse und wichtige Laich- und Nahrungsgebiete wirksam zu schützen. „Gesunde Fischbestände erhalten Wälder und ernähren Millionen Menschen. Ihr Schutz muss endlich mehr Priorität bekommen“, sagt Georg Scattolin vom WWF Österreich.

Der Report benennt die zentralen Bedrohungen für die Fischvielfalt: Staudämme unterbrechen Wanderwege und erschweren den Zugang zu Laichgebieten. Die Zerstörung von Ufer- und Überschwemmungswäldern entzieht Fischen einzigartige Lebensräume und Nahrung. Verschmutzung, Überfischung und die sich zuspitzende Klimakrise verschärfen den Druck. Der WWF fordert daher, geschädigte Flusslebensräume wiederherzustellen, die Wasserqualität zu verbessern und die Fischerei nachhaltig zu gestalten.

144 Arten bedroht, bei weiteren 334 fehlen ausreichende Daten

Mehr als 2.700 Süßwasserfischarten leben im Amazonasgebiet, rund 15 Prozent aller bekannten Süßwasserfischarten der Erde. Etwa 65 Prozent der Amazonas-Fischarten kommen ausschließlich dort vor. Unter den 144 bedrohten Arten sind laut dem Report 27 bereits vom Aussterben bedroht. Bei weiteren 334 Arten ist zu wenig über ihre Bestände und Lebensbedingungen bekannt, um das Aussterberisiko zuverlässig einzuschätzen. Der WWF fordert deshalb mehr Forschung und eine bessere Erfassung der Bestände.

Der Verlust von Fischen hat Folgen für das gesamte Ökosystem. Neben der Verbreitung von Samen transportieren sie Nährstoffe und dienen unter anderem Amazonas-Flussdelfinen und Riesenottern als Nahrung. „Flussverbauung und Waldzerstörung treffen das gesamte Lebensnetz des Amazonas. Flüsse und Überschwemmungswälder müssen gemeinsam geschützt werden“, sagt WWF-Experte Scattolin.

Mindestens 200 Fischarten sichern Nahrung und Einkommen

Der Report zeigt auch, was mit den Fischbeständen für die Menschen auf dem Spiel steht: Die Fischerei sichert im Amazonasbecken die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Mindestens 200 Arten werden kommerziell gefangen. In manchen abgelegenen Flussgemeinden werden pro Person täglich mehr als 600 Gramm Fisch verzehrt, eine zentrale Quelle für tierisches Eiweiß und wichtige Nährstoffe. Allein wandernde Fischarten erzielen laut Report einen jährlichen Marktwert von mehr als 470 Millionen US-Dollar.

Eine wichtige Rolle beim Schutz der Bestände spielen indigene Völker und lokale Gemeinschaften. Der Report hebt ihr traditionelles Wissen und gemeinschaftlich organisierte Bewirtschaftung hervor. „Im Amazonasbecken leben über 500 indigene Völker, deren Ernährung, Kultur und Identität eng mit Flüssen und Fischen verbunden sind. Ihr Wissen über die Arten ist für Forschung und Schutz unersetzlich. Sie müssen über die Zukunft ihrer Flüsse mitentscheiden“, sagt Scattolin.

11.000 Kilometer durch das Flusssystem

Wie außergewöhnlich die Fischwelt des Amazonas ist, zeigen einzelne Arten: Der Dourada-Wels legt auf seinen Laichwanderungen mehr als 11.000 Kilometer zurück: vom Fuß der Anden bis zur Atlantikmündung und wieder zurück. Die längste bekannte Wanderung eines Süßwasserfisches verdeutlicht laut WWF, wie wichtig durchgängige Flüsse sind. Während der Dourada-Wels enorme Distanzen zurücklegt, beeindruckt der Arapaima durch seine Größe: Er kann bis zu drei Meter lang und 200 Kilogramm schwer werden. Zitteraale wiederum überwältigen Beute und verteidigen sich mit elektrischen Entladungen. Die Art Electrophorus voltai erreicht dabei Spannungen von bis zu 860 Volt.

Der Report sowie Bilder zu den Fischarten zum Download hier.

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Valentin Ladstätter
Pressesprecher, WWF Österreich

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