Naturschutzorganisation unterstützt ÖVGW-Forderung nach Register für Wasserentnahmen, warnt aber vor zu starkem Fokus auf technische Lösungen – Renaturierung, Bodenschutz und Wassersparen zentral für Versorgungssicherheit
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Eine neue WWF-Analyse zeigt eine massive Unterfinanzierung des Naturschutzes in Österreich. Trotz eines jährlichen Bedarfs von rund 1,34 Milliarden Euro werden derzeit nur etwa 397 Millionen Euro in den Schutz der Biodiversität investiert, wie eine WWF-Auswertung von EU-Berichten ergibt. Die Finanzierungslücke beträgt somit rund 942 Millionen Euro pro Jahr (0,2 Prozent des BIP). Dem gegenüber stehen Ausgaben von bis zu sechs Milliarden Euro pro Jahr für umweltschädliche Förderungen. „Österreich investiert derzeit nur rund ein Drittel der Summe, die für den Schutz der Biodiversität notwendig ist. Zugleich fließt ein Vielfaches der Finanzierungslücke in umweltschädliche Subventionen. Das ist ökologisch und ökonomisch widersinnig“, sagt WWF-Experte Joschka Brangs. Daher fordert der WWF eine Kurskorrektur mit der Schließung der Budgetlücke, dem Abbau umweltschädlicher Subventionen und der verbindlichen Sicherung von zehn Prozent des EU-Budgets für Biodiversität.
Mit dem Doppelbudget 2027/28 von Finanzminister Markus Marterbauer und den EU-Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen ab 2028 werden die finanziellen Mittel demnächst neu verhandelt. „Über 60 Prozent der heimischen Biodiversitätsförderungen stammen aus EU-Programmen, deren künftige Höhe sehr unsicher ist. Derzeit droht ein massiver Kahlschlag mit hohen Folgekosten für Österreich“, warnt Joschka Brangs aufgrund der hohen Abhängigkeit von europäischen Finanzierungsinstrumenten.
Biologe Essl warnt vor Folgeschäden der Unterfinanzierung
Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Lage eindeutig: „Die Unterfinanzierung des Naturschutzes ist ein erhebliches wirtschaftliches Risiko. Der Verlust von Biodiversität schwächt grundlegende Ökosystemleistungen und führt zu steigenden Schäden und Budgetrisiken“, sagt der renommierte Biologe Franz Essl. Zugleich zeigen Studien den hohen Nutzen von gezielten Investitionen. „Jeder investierte Euro bringt ein Vielfaches an Nutzen zurück, durch vermiedene Schäden, wirtschaftliche Impulse und gesicherte Lebensgrundlagen. Renaturierungsmaßnahmen erzielen im Schnitt einen bis zu zwölffachen gesellschaftlichen Nutzen. Sie sind also eine Investition in unsere Zukunft“, so Essl.
Die WWF-Analyse zeigt anhand einer Auswertung von mehreren nationalen und internationalen Studien, dass Nicht-Handeln die mit Abstand teuerste Option ist. Dennoch drohen bereits weitere Rückschritte. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat die Mittel für den Biodiversitätsfonds reduziert, weitere Kürzungen im nächsten Umweltbudget stehen im Raum. Auf EU-Ebene stehen Naturschutz-Richtlinien unter Beschuss, in den laufenden EU-Haushaltsverhandlungen fehlen die bisher etablierten Ausgabenziele für Biodiversität gänzlich und das einzige reine Umweltförderprogramm LIFE droht in einem Mischfonds aufzugehen. „Das ist grob fahrlässig, weil sich sowohl die Biodiversitätskrise als auch die Klimarisiken verschärfen. Es wird daher mehr Geld brauchen, nicht weniger“, sagt Joschka Brangs vom WWF.
In seiner Analyse fordert der WWF von der Politik eine grundlegende Kurskorrektur, konkret die Schließung der Finanzierungslücke im Doppelbudget, das Umschichten umweltschädlicher Subventionen in Milliardenhöhe sowie verbindliche Mittelzusagen von zehn Prozent für Biodiversität im EU-Budget. Zugleich seien die Bundesländer massiv gefordert, die jahrzehntelange Unterfinanzierung des Naturschutzes zu beenden.
Bilder und WWF-Analyse hier.
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