4,3 Hektar Ackerfläche sollen zu Bauland werden – Naturschutzorganisation verlangt Prüfung von Brachflächen und Offenlegung aller Umweltfolgen
WWF-Auswertung: 39 große Alpenspeicher im Nahbereich von Permafrost
Wien, am 28. August 2026 – 39 von 67 großen Kraftwerksspeichern in den österreichischen Alpen liegen laut einer aktuellen WWF-Auswertung im räumlichen Nahbereich kartierter Permafrostgebiete. Tauender Permafrost kann Felsflanken destabilisieren und die alpine Gefahrenlage verändern. Stürzen große Gesteinsmassen in einen Speicher, können gefährliche Flutwellen entstehen. Der WWF fordert daher Umweltminister Norbert Totschnig auf, bis Jahresende einen Klima-Sicherheitsbericht vorzulegen. „Österreichs Stauanlagen werden regelmäßig kontrolliert, doch die Klimakrise erhöht die Gefahrenlage in ihrem hochalpinen Umfeld. Daher muss Minister Totschnig die aktuellen Sicherheitsanalysen offenlegen und sicherstellen, dass die klimabedingten Risiken nach aktuellem Wissensstand berücksichtigt werden“, sagt Bettina Urbanek vom WWF.
Der Klima-Sicherheitsbericht soll für die 39 erfassten Speicher gesamthaft offenlegen, wann klimabedingte Gefahren zuletzt untersucht wurden, welche Szenarien berücksichtigt sind und wann die Analysen mit aktuellen Klimadaten erneuert werden. Dazu gehören mögliche Abbruchgebiete und Sturzbahnen ebenso wie die Berechnung von Flutwellen, Folgewirkungen für unterliegende Gemeinden sowie die etwaige Anpassung von Sicherheits- und Notfallkonzepten.
Von den 39 erfassten Speichern liegen 14 in Kärnten, je neun in Salzburg und Tirol, sechs in Vorarlberg und einer in Oberösterreich. Darunter befinden sich mit Kölnbrein im Maltatal, Gepatsch im Kaunertal und Schlegeis im Zillertal auch die drei größten Speicher Österreichs. Für einzelne Speicher liegen bereits Untersuchungen zu möglichen Gefahren durch tauenden Permafrost vor, an weiteren Standorten laufen Forschungsprojekte, wie WWF-Nachfragen bei Kraftwerksbetreibern ergeben haben. Der geforderte Klima-Sicherheitsbericht soll diese Erkenntnisse österreichweit zusammenführen und transparent machen.
Kaunertal-Ausbau riskant und intransparent
Besonders brisant ist die veränderte Gefahrenlage im Kaunertal, wo die Tiwag einen massiven Kraftwerksausbau plant. Der neue Platzertal-Speicher mit 42 Millionen Kubikmetern soll mit dem bestehenden Gepatsch-Speicher zu einem Pumpspeichersystem verbunden werden. Im Einzugsgebiet liegen ausgedehnte Gletscher- und Permafrostbereiche. Eine Analyse der Projektunterlagen durch den Glaziologen und Geomorphologen Wilfried Haeberli im Auftrag des WWF zeigt, dass mögliche große Sturzereignisse aus auftauendem Permafrost und dadurch ausgelöste Flutwellen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Transparenz-Anfragen des WWF dazu hat die Tiwag bisher großteils unbeantwortet gelassen.
Der WWF fordert daher den Stopp des laufenden UVP-Verfahrens. Zugleich müssen die neuen klimabedingten Gefahren rund um den bestehenden Gepatsch-Speicher unabhängig untersucht werden. „In einer derart sensiblen und sich rasant verändernden Hochgebirgsregion an diesem Megaprojekt festzuhalten, ist unverantwortlich. Vorrang haben die Sicherheit des bestehenden Speichers und der Schutz der letzten unverbauten Hochtäler“, sagt Bettina Urbanek.
Hintergrund zur WWF-Auswertung
Für die Auswertung wurden Kraftwerksspeicher mit einem Volumen von mindestens einer Million Kubikmetern erfasst, in deren Umfeld kartierte Permafrostgebiete liegen. Als Suchbereich wurde auf Basis der Reichweite großer historischer Sturzereignisse eine horizontale Entfernung bis zum Fünffachen der Höhendifferenz zwischen Permafrostgebiet und Speicher herangezogen. Befindet sich ein Permafrost-Gebiet beispielsweise 1.000 Höhenmeter über einem Speicher, reicht der analysierte Bereich bis zu fünf Kilometer weit.
Die räumliche Auswertung dient als Vorauswahl für vertiefte Untersuchungen und weist keine akute Gefährdung einzelner Anlagen nach. Konkrete Abbruchgebiete, Gesteinsmengen, Sturzbahnen und mögliche Flutwellen müssen standortspezifisch bewertet werden.
Grafik und Bilder zum Download hier.
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