Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
WWF-Bodenreport: Politik verfehlt Bodenziel um 110.000 Hektar
“Österreich verliert immer mehr kostbare Böden”, warnt die Umweltschutzorganisation WWF in ihrem am Dienstag veröffentlichten Bodenreport. Seit die Politik 2002 ein “Nachhaltigkeitsziel” versprochen hat, wird es jedes Jahr verfehlt – konkret um insgesamt 110.000 Hektar bisher, wie WWF-Berechnungen zeigen. Zum Vergleich: Das entspricht umgerechnet der Fläche aller neun Landeshauptstädte zusammen. “Dieses Scheitern zeigt, dass uns nur verbindliche Ziele und Maßnahmen beim Bodenschutz weiterbringen. Daher sollte die künftige Bundesregierung einen Bodenschutz-Vertrag mit einer Obergrenze vorlegen und endlich Nägel mit Köpfen machen”, sagt WWF-Programmleiterin Hanna Simons. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre wurden über 40 Quadratkilometer pro Jahr verbraucht und versiegelt. Das sind umgerechnet 12,1 Hektar pro Tag und somit fast fünf Mal mehr als die versprochene Maximalgrenze von 2,5 Hektar. “Mit dieser Entwicklung heizen wir die Klimakrise und das Artensterben weiter an. Österreich muss endlich gegensteuern”, fordert Hanna Simons vom WWF.
Bodenversiegelung als Sicherheitsrisiko
Der Flächenfraß ist laut WWF-Berechnungen langfristig deutlich stärker gewachsen als die Bevölkerung: Während der Bodenverbrauch seit 2000 fast um ein Drittel (32 Prozent) zugenommen hat, ist die Bevölkerung im selben Zeitraum nur um rund 14 Prozent gestiegen. Zugleich hat Österreich von 1999 bis 2020 über 72.000 Hektar an fruchtbaren Ackerflächen verloren. “Das erzeugt ein doppeltes Risiko: Zum einen für unsere eigenständige Lebensmittelversorgung. Zum anderen für den Krisenschutz und damit die langfristige Sicherheit des Landes. Daher braucht es verbindlichen Bodenschutz und ein gut geplantes Renaturierungs-Programm”, sagt Hanna Simons vom WWF. Denn je mehr Boden versiegelt wird, desto größer ist auch das Risiko bei Extremwetter-Ereignissen, die mit der Klimakrise tendenziell häufiger und stärker werden.
Ein weiterer Schwerpunkt im Bodenreport ist die starke Zersiedelung, die sich laut einer neuen BOKU-Studie seit 1975 verfünffacht hat. Ein Indikator dafür sind die insgesamt 520 Fachmarktzentren und Shopping-Center, deren Anzahl und Fläche sich seit 2000 mehr als verdoppelt hat. “Die Gesamtwirkung dieser Projekte ist fatal. Viele davon wurden mitten auf der grünen Wiese errichtet, was wiederum für mehr Verkehr und Zersiedelung sorgt. Gleichzeitig veröden immer mehr Ortszentren”, kritisiert WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories. Generell gebe es trotz einzelner Verbesserungen immer noch zu viele Schlupflöcher für Umwidmungen.
20 Lösungen für mehr Bodenschutz
Im Bodenreport 2024 macht der WWF mehr als 20 Lösungsvorschläge. Die Maßnahmen umfassen eine verbindliche Obergrenze, eine Naturschutz-Offensive, eine Reform der Raumplanung und die Ökologisierung des Steuersystems. Zudem fordert der WWF einen Abbauplan für umweltschädliche Subventionen und den Stopp neuer Schnellstraßenprojekte, weil Österreich bereits über ein extrem dichtes Straßennetz verfügt. “Derzeit gibt es auf allen politischen Ebenen zu viele Treiber für die Bodenversiegelung. Anstelle von Placebo-Tricks braucht es daher verbindliche Verschärfungen”, sagt Simon Pories vom WWF.
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