Neue Studie bestätigt positive Effekte von Biberdämmen: Durch Biber geschaffene Feuchtgebiete speichern große Mengen an Kohlenstoff – WWF fordert mehr Raum für den Biber
WWF: Derzeit 40 Wölfe in Österreich, aber zwei von drei Rudeln vermisst
22 einzelne Nachweise von Wölfen im Jahr 2020, aber zwei von drei Rudeln nicht mehr nachgewiesen – WWF fordert besseres Monitoring, Ende der Stimmungsmache gegen streng geschützte Art und Sechs-Punkte-Plan von der Politik
Wien, 03.03.2021 – Die Naturschutzorganisation WWF hat am Mittwoch aktuelle Zahlen zur Rückkehr der Wölfe nach Österreich veröffentlicht. Nach mehreren Wachstumsjahren gibt es demnach bis zu 40 Wölfe in Österreich, was aber um acht weniger sind als noch 2019. Konkret wurden laut Österreichzentrum Bär Wolf Luchs im Vorjahr 22 einzelne Wölfe genetisch nachgewiesen – zehn in Tirol, fünf in Niederösterreich, vier in der Steiermark, zwei in Vorarlberg und ein Individuum in Oberösterreich. Dazu kommen sechs noch nicht sicher bestätigte Tiere sowie zwölf Welpen und Jungwölfe im Rudelverband, deren Zahl sich sogar halbiert hat. „Während es bei der Wolfsfamilie am Truppenübungsplatz Allentsteig weiteren Nachwuchs gab, ist bei zwei weiteren Rudeln im Walviertel nicht einmal gesichert, dass es sie überhaupt noch gibt. Das ist ein Alarmsignal und muss rasch aufgeklärt werden“, sagt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. In diesem Zusammenhang kritisiert der WWF das gleichermaßen unterfinanzierte wie lückenhafte Monitoring geschützter Arten und warnt vor der Gefahr illegaler Abschüsse.
„Immer wieder verschwinden in Österreich Wölfe, die sich zuvor länger in einem Gebiet niedergelassen haben. Das kann verschiedene Ursachen haben. Ähnlich wie früher beim Braunbären oder Luchs sind aber auch beim Wolf Straftaten zu befürchten“, sagt Christian Pichler. Neben einem besseren Monitoring fordert der WWF daher vor allem ein Ende der negativen Stimmungsmache gegen die in Österreich schon einmal ausgerotteten Tiere. „Der Wolf ist eine streng geschützte Art und eine absolute Bereicherung für die heimische Natur. Daher braucht es konstruktive Lösungen, keine Panikmache“, sagt Pichler. Zuletzt haben sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung bekräftigt, dass der strenge Schutzstatus völlig zurecht hoch bleiben wird.
Der WWF fordert von der Politik eine bundesweit abgestimmte Herdenschutz-Offensive. „Gibt es fachgerechten Herdenschutz, meiden Wölfe Weidetiere von Beginn an und konzentrieren sich auf ihre Rolle als eine Art Gesundheitspolizei des Waldes“, erklärt WWF-Biologe Pichler. Wölfe halten den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem sie vor allem kranke und schwache Tiere erbeuten. Zusätzlich profitieren andere Arten von den Nahrungsresten, die ihnen Meister Isegrim hinterlässt.
„Auf der Suche nach neuen Territorien wandern Wölfe viele Kilometer. Deshalb werden immer wieder Tiere aus umliegenden Ländern durch Österreich wandern, für die ungeschützte Nutztiere eine leichte Beute darstellen“, erklärt Christian Pichler. Denn die Populationen in den Nachbarländern sind bedeutend größer als in Österreich. Slowenien und die Schweiz beheimaten je etwa 100 Individuen, Deutschland rund 400 bis 500 Wölfe, die Slowakei 800, Italien bis zu 2.700 Wölfe.
Die Zahl der gerissenen Schafe lag im Vorjahr bei 262. Das entspricht 0,07 Prozent aller gehaltenen Schafe (ca. 394.000) sowie 0,23 Prozent der auf Almen gehaltenen Schafe (rund 115.000). „Jedes gerissene Tier ist für die Betroffenen ein schmerzhafter Verlust. Zugleich verenden aber auch tausende Schafe aufgrund von Krankheiten, Unwettern oder Steinschlag. An die Lage angepasster Herdenschutz würde sowohl dagegen als auch gegen Risse durch Beutegreifer helfen“, betont der WWF-Experte.
WWF fordert Sechs-Punkte-Plan von der Politik
Um die natürliche Rückkehr der Wölfe möglichst konfliktfrei zu gestalten, fordert der WWF einen sechs Punkte umfassenden Aktionsplan für Bund und Länder: Herdenschutz muss stärker und bundesweit abgestimmt gefördert werden. Nutztierhalter*innen gehören besser entschädigt und informiert. Das Hirtenwesen soll wiederbelebt werden. Die Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden muss vorangetrieben werden. Das Österreichzentrum Bär Wolf Luchs ist zu stärken und anders als derzeit mit ausreichenden finanziellen Mitteln zu dotieren. Parallel dazu muss das Monitoring geschützter Arten verbessert werden.
Im Rahmen des LIFE-Projektes EuroLargeCarnivores hat es sich der WWF zum Ziel gesetzt, die Koexistenz mit großen Beutegreifern europaweit durch Kommunikation, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu verbessern.
Mehr Informationen: https://www.eurolargecarnivores.eu/de
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
+43 676 83 488 276
florian.kozak@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Besserer Schutz für wandernde Tierarten
Tiere wie die grüne Meeresschildkröte, die Schneeeule und der Große Hammerhai werden zukünftig besser geschützt. Die Entscheidung fiel auf der UN-Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten.
WWF an Bundesregierung: Verzicht auf Energiesparen verschärft Energiekrise
Anhaltendes Verweigern wirksamer Energiespar-Maßnahmen und Kampagnen erhöht Risiko von Versorgungsengpässen – Umdenken der Politik gefordert
Neue WWF-Umfrage zeigt große Unterstützung für Renaturierung in Österreich
76 Prozent halten Renaturierungsmaßnahmen für wichtig – Mehrheit fordert Kanzler-Einsatz für Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen
Bauarbeiten für Lobau-Autobahn gestartet – WWF kritisiert sündteuren Irrweg
Umweltrisiken und Milliardenkosten sprechen eindeutig gegen neue S1-Autobahn – WWF fordert Ausbau des öffentlichen Verkehrs und flächensparende Raumplanung
Drama um Buckelwal „Timmy“: WWF warnt vor steigenden Gefahren für Wale weltweit
Wachsender Unterwasserlärm, Schiffsverkehr und Folgen der Klimakrise bringen Wale weltweit unter Druck – WWF fordert verstärkten Schutz, um Risiko für Strandungen zu reduzieren
WWF und VCÖ: Rund 17.000 Hasen jährlich Opfer des Straßenverkehrs
Straßennetz wird zur tödlichen Falle – Zerschneidung der Lebensräume nimmt zu – WWF und VCÖ fordern Stopp der Naturzerstörung
WWF-Erfolg: Comeback der Spitzmaulnashörner in Südafrika
Hoffnung für eine stark bedrohte Art: Durch Schutzmaßnahmen leben wieder 6.487 Spitzmaulnashörner in Südafrika. Vor allem Lebensraumverlust und Wilderei sind eine große Gefahr.
WWF: Neues Gesetz bedroht Österreichs letzte intakte Flüsse
Naturschutzorganisation warnt vor „Freibrief für Flussverbauung“ durch EABG – Geplantes Aufweichen des Gewässerschutzes geht weit über EU-Vorgaben hinaus – WWF fordert deutliche Verbesserungen










