Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
WWF fordert Rettungspaket für Untere Lobau im Wiener Regierungsprogramm

Anlässlich der laufenden Wiener Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und NEOS fordert die Umweltschutzorganisation WWF Österreich ein ambitioniertes Rettungspaket für die Untere Lobau im künftigen Regierungsprogramm. “Die kommenden Jahre werden über das Überleben der Unteren Lobau als Ökosystem entscheiden. Ein Weiter-wie-bisher wäre fahrlässig und verantwortungslos”, sagt WWF-Experte Michael Stelzhammer. Zu den zentralen Maßnahmen zählt eine Weiterleitung des Wassers von der Oberen in die Untere Lobau, um die ausgetrockneten Flächen zu revitalisieren. Darüber hinaus fordert der WWF gezielte Renaturierungsmaßnahmen. Dazu gehören die Anbindung der Unteren Lobau an die Donau und die Zugabe von Schotter in das Donaubett, um die Wasserversorgung der Au weiter zu verbessern.
Untere Lobau in “dramatischem Zustand”
Seit Jahrzehnten warnen Fachleute vor der Austrocknung der Lobau. Durch die starke Regulierung der Donau, die damit verbundene Abtrennung der Au vom Donauwasser und nicht zuletzt durch die Folgen der Klimakrise hat sich die Situation jetzt vor allem in der Unteren Lobau massiv verschärft. “Der Wasserhaushalt der Oberflächengewässer und des Grundwassers der Unteren Lobau ist in einem dramatisch schlechten Zustand, der sich auch in Phasen höherer Niederschläge oder kurzer Hochwasserereignisse nicht nachhaltig erholt”, sagt Thomas Hein, Leiter des Instituts Hydrobiologie und Gewässermanagement an der BOKU University. “Der chronische Wassermangel und die Verlandung und Austrocknung vieler Gewässerbereiche haben fatale Folgen für die Artenvielfalt und den Auencharakter der Lobau.” Mittelfristig sind durch die Austrocknung der Lobau auch negative Auswirkungen auf das Wiener Grund- und Trinkwasser zu erwarten. Daher ist auch der Bau einer Wasseraufbereitungsanlage in der Unteren Lobau dringend erforderlich, um die Trinkwasserversorgung der Stadt langfristig zu sichern.
Der Nationalpark in der Stadt
Die Lobau ist als Europaschutzgebiet Teil des EU-Natura 2000 Netzwerkes und unterliegt als Wiener Anteil des Nationalparks Donau-Auen einem sehr hohen Schutz auf nationaler Ebene. Gemäß der Ramsar-Konvention ist die Lobau ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. Von ihrem Schutz profitiert nicht nur die ökologische Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Lebensräumen im Gebiet. Die Lobau stellt für die Stadt auch ein wichtiges Trinkwasser-Reservoir dar. “Die ausreichende Wasserversorgung der Unteren Lobau wäre eine Win-Win-Situation, in der Naturschutz und Trinkwasserversorgung Hand in Hand gehen: Mehr Wasser in den Altarmen führt auch zu mehr Versickerung ins Grundwasser”, erklärt Michael Stelzhammer vom WWF. Nicht zuletzt bietet die Lobau der wachsenden Millionenstadt ein Naherholungsgebiet und eine dringend benötigte kühlende Oase am Stadtrand.
Die Lobau in Zahlen
Die Lobau wurde 1978 zum Naturschutzgebiet erklärt und ist seit der Gründung im Jahr 1996 Teil des Nationalparks Donau-Auen. Der Wiener Anteil der Lobau macht rund ein Viertel der Nationalparkfläche aus. Von den insgesamt rund 2.300 Hektar entfallen rund 1.100 Hektar auf die Obere und rund 1.200 Hektar auf die Untere Lobau. Das Gebiet beherbergt eine einzigartige Artenvielfalt. Sie ist Lebensraum für viele besondere und teilweise gefährdete Tierarten, wie zum Beispiel die Sumpfschildkröte, den Donaukammmolch oder die Rotbauchunke und etwa fünf Prozent des gesamten Brutbestandes von Zwergrohrdommel und Schwarzmilan in Österreich. Zudem leben in der Lobau viele Orchideenarten, sowie die äußerst seltene Krebsschere und die Wilde Weinrebe.
Bildmaterial sowie ein ausführliches Positionspapier zum Sachverhalt finden Sie hier zum Download.
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