Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF fordert sofortigen Planungsstopp für Kraftwerk Telfs
Wien, Innsbruck, am 26. Juni 2009 – "Jetzt haben wir es schwarz auf weiß – das Kraftwerk Telfs würde eine der ökologisch wertvollsten Innstrecken massiv schädigen", erklärt Andreas Wurzer, Stv. Geschäftsführer des WWF Österreich. Die dem WWF vorliegende Vorprüfung gemäß Paragraph 104 Wasserrechtsgesetz bestätigt, dass dieses Projekt extrem negative ökologische Auswirkungen hätte. Im betroffenen Sonderschutzgebiet verbietet jedoch das Land Tirol selbst jeden Eingriff in die Natur.
Für den WWF ist es verwunderlich, dass Hannes Gschwentner als zuständiger Naturschutzlandesrat seine Verantwortung bisher nicht wahrgenommen und sich in dieser Sache klar zu Wort gemeldet hat. "Hat sich LHStv. Gschwentner bereits in den Sommerurlaub verabschiedet?", fragt sich Wurzer. Er appelliert an den Landeshauptmann-Stellvertreter, sein Schweigen zu beenden und im Falle Kraftwerk Telfs die Notbremse zu ziehen.
"Gschwentner muss diesem Anschlag auf Tirols Naturschätze ein Ende machen, bevor weiterhin sinnlos Gelder in ein Projekt gepulvert werden, das laut Gesetz ohnehin nicht umgesetzt werden darf! ", so Wurzer.
Die betroffenen Inn-Auen genießen den höchsten Schutzstatus Tirols – in diesem Sonderschutzgebiet sind Eingriffe jeglicher Art ausnahmslos verboten. Die Verhandlungsschrift bestätigt, dass "das Vorhaben zu aus naturkundlicher Sicht massiven Beeinträchtigungen" des betroffenen Innabschnittes führe. Die abschließende Stellungsnahme der Naturschutzbehörde wird in wenigen Tagen erwartet.
Durch die Kraftwerkserrichtung würde es weiters zu einem Verlust von Retentionsflächen für den Hochwasserschutz kommen. Im Falle eines 30jährigen Hochwassers (HQ30) gingen demnach mehr als 80 Prozent Retentionsvolumen – das heißt Raum, der das Wasser aufnehmen und schadlos wieder abgeben kann – verloren. "Derzeit sind keine konkreten ausgleichenden Maßnahmen vorgeschlagen, um diesen Verlust zu kompensieren oder die Retentionsräume aufrecht zu erhalten", erklärt Wurzer. "Diese Rückhalteflächen sind Teilstücke der Retentionswirkung am Inn. Gerade in diesen Tagen erleben wir in weiten Teilen Österreichs, dass im Hochwasserfall jede noch so kleine Fläche gebraucht wird, damit das Fass nicht überläuft".
Einmal mehr macht der WWF darauf aufmerksam, dass der vom KW Telfs betroffene Innabschnitt mit dem Sonderschutzgebiet der Rietzer und Mieminger Innauen zu den letzten Resten intaktem Lebensraum gehört, der am massiv genutzten Tiroler Landesfluss noch übrig geblieben ist.
"Auf der einen Seite gibt das Land Millionen Euro für Verbesserungen am Inn, die Schaffung von Lebensräumen und den ökologischen Hochwasserschutz aus, und auf der anderen Seite sollen kilometerweise bestehende Auenlebensräume überstaut und kaputt gemacht werden – das ist doch paradox!", spielt Andreas Wurzer auf die gemeinsamen Bemühungen von Lebensministerium, Land Tirol und WWF an, den Fluss im Rahmen der gemeinsamen Initiative "der.inn – lebendig und sicher" zu gestalten.
2007 wurde etwa mit ersten Umsetzungsprojekten begonnen und Flusslebensräume neugeschaffen. So wurde bei Radfeld/Kundl ein Seitenarm wieder an den Hauptfluss angebunden, der auch die Rückkehr des Bibers an diesen Innabschnitt ermöglicht hat.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250
Nicole Schreyer, WWF Alpenprogrammleiterin, Tel. 0512/57 35 34
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