Zum Ende der Begutachtung: Zentrale Maßnahmen fehlen, Finanzierung ungeklärt – Weitreichende Ausnahmen bei Stadtbegrünung – WWF fordert grundlegende Überarbeitung
WWF: Interne Akten zeigen schwere Mängel beim Kraftwerksausbau Kaunertal

Neue Aktenrecherchen des WWF belegen erstmals das Ausmaß der Mängel bei den Unterlagen zum geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal: Mehrere Prüfgutachter:innen im Rahmen des UVP-Verfahrens stellten demnach von September 2025 bis April 2026 insgesamt 23 Nachforderungen an die Tiwag – und das quer durch mindestens 12 von 46 Fachbereichen. Besonders brisant: Mehr als jede zweite Nachforderung betrifft sicherheitsrelevante Aspekte. Dazu zählen unter anderem Naturgefahren, Lawinenrisiken, Ingenieurgeologie, Baustellensicherheit oder der Dammbau.
„Die Tiwag hat bereits zum fünften Mal ein schlecht geplantes Projekt für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal vorgelegt. Solange wesentliche Sicherheitsfragen offen sind, muss es zumindest ein Moratorium für das Verfahren geben“, fordert WWF-Expertin Bettina Urbanek. „Als landeseigener Konzern genießt die Tiwag offenbar Privilegien, die sich sonst niemand leisten kann. Andernfalls hätte dieses verpfuschte Uralt-Projekt längst gestoppt werden müssen“, kritisiert Urbanek.
Die Tiwag hat zwar auf einzelne Forderungen reagiert und rund 430 Seiten an zusätzlichen Unterlagen nachgereicht. Doch selbst nach den Nachbesserungen zeigen die vorliegenden Unterlagen erhebliche Mängel. Ein besonders kritisches Beispiel ist das Thema Permafrost: Trotz neuer Unterlagen sehen die Prüfgutachter weiterhin erhebliche Lücken und verlangen erneut zusätzliche Informationen zu den Auswirkungen von tauendem Permafrost und schmelzenden Gletschern auf das Projekt. Anhaltend große Defizite gibt es auch im Bereich des Gewässerschutzes, wie die Akten zeigen.
WWF fordert Konsequenzen im Verfahren
„Die Tiwag redet die kritischen Punkte bis heute klein. In den Akten steht schwarz auf weiß das genaue Gegenteil“, sagt WWF-Expertin Bettina Urbanek. Ein Weiterführen der UVP auf dieser schlechten Grundlage sei daher nicht vertretbar. „Jetzt braucht es eine Stopptaste für das Verfahren. Für eine echte Energiewende gibt es bessere und schneller umsetzbare Alternativen, die ganz ohne die Zerstörung des Platzertals auskommen. Dass dafür Optionen wie im Kühtai von der TIWAG ignoriert werden, ist nicht nachvollziehbar“, sagt Bettina Urbanek vom WWF.
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