Naturschutzorganisation warnt vor immer neuen Eingriffen durch Gletscherschwund – Land Tirol soll Ausnahmen einschränken und verbindliche Ausbaugrenzen festlegen
WWF: Künftige Tiroler Landesregierung muss Mega-Kraftwerk Kaunertal stoppen

WWF: Künftige Tiroler Landesregierung muss Mega-Kraftwerk Kaunertal stoppen
Koalitionsverhandlungen starten: Naturschutzorganisation fordert Schutz der Alpen und Absage an überdimensionierten Kraftwerksbau der TIWAG
Innsbruck, am 4. Oktober 2022 – Angesichts der in Kürze startenden Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und SPÖ in Tirol fordert die Naturschutzorganisation WWF von beiden Parteien eine Absage an den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal. “Dieses Projekt steht wie kein zweites für den rücksichtslosen Raubbau an der Natur, der auch vor den letzten Alpentälern nicht halt macht. Daher müssen die Koalitionsverhandler dem überdimensionierten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal die dringend nötige Absage erteilen. Stattdessen sollte mit den rund 2 Milliarden Euro eine umfassend dotierte Photovoltaik- und Energieeinsparoffensive fixiert werden”, fordert WWF-Gewässerschutz-Expertin Marianne Götsch von ÖVP und SPÖ. Alleine mit dem Potential für Photovoltaikanlagen auf Dächern, Fassaden und großen Parkplätzen in Tirol könnte der Stromverbrauch von über einer Million Haushalten gedeckt werden.
Der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal hätte hingegen massive Auswirkungen auf die Natur: Im einzigartigen Platzertal würden über sechs Hektar wertvoller Moorflächen zerstört. Die massiven Eingriffe in diese hochsensible Naturlandschaft würden wichtige Lebensräume vernichten und die Biodiversitätskrise weiter befeuern. Auch das hintere Ötztal wäre betroffen: Aus den ökologisch wertvollen Gletscherflüssen Venter und Gurgler Ache, den beiden Hauptzubringern der Ötztaler Ache, würden bis zu 80 Prozent des Wassers abgeleitet. “Das hätte nicht nur fatale Folgen für die Gewässerökologie der Flüsse, sondern auch für die Wasserversorgung des Ötztals, das schon jetzt zu den niederschlagsärmsten Tälern Tirols gehört”, erklärt Marianne Götsch vom WWF.
In der “Kaunertal-Erklärung 2022” haben sich 32 Umweltschutzorganisationen sowie 12 Wissenschaftler*innen gemeinsam gegen den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal positioniert. Sie fordern den Stopp des Projekts, den umfassenden Schutz der letzten ökologisch intakten Alpenflüsse sowie den Erhalt alpiner Naturlandschaften und eine naturverträgliche Energiewende. Auch die Alpenschutzkommission CIPRA International hat aufgrund der schweren ökologischen Schäden die Einstellung des Projekts empfohlen. Am Sonntag fand ein Protest in Sölden mit mehr als 300 Teilnehmenden statt, bei dem Einheimische und Umweltorganisationen unter der Leitung von “WET – Wildwasser erhalten Tirol” eine Absage der neuen Regierung an den Ausbau Kraftwerk Kaunertal forderten.
WWF-Petition “Stopp den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal”: www.wwf.at/petition-kaunertal
Bildmaterial und weitere Informationen finden Sie hier.
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