Studie der Uni Graz zeigt steigende Kosten des Nicht-Handelns – WWF fordert verbindliche Klimaziele, Abbau klimaschädlicher Förderungen und mehr natürlichen Schutz vor Extremwetter
WWF: Massive Feuchtgebietszerstörung rächt sich in der Klimakrise

Vor 40 Jahren trat Österreich der RAMSAR-Konvention bei – dem internationalen Abkommen zum Schutz von Feuchtgebieten. Dennoch wird der natürliche Wasserschatz hierzulande noch immer nicht ausreichend geschützt. “In den letzten 200 Jahren hat Österreich zwischen 70 und 90 Prozent seiner natürlichen Feuchtgebiete durch gezielte Trockenlegung, Verschmutzung und Verbauung zerstört”, sagt der Biologe Bernhard Kohler von der Naturschutzorganisation WWF Österreich. “Dennoch sind die übrigen Gebiete nur unzureichend geschützt und selbst innerhalb bestehender Schutzgebiete vielfach schlecht betreut.” Zudem sind fast alle verbliebenen Feuchtgebiete durch Entwässerungsmaßnahmen, Grundwasserabsenkung, Düngereintrag, Anschüttungen und das Vordringen invasiver Arten beeinträchtigt und können ihre so wichtigen Leistungen für uns Menschen nur eingeschränkt, oder gar nicht mehr entfalten. Der WWF fordert daher einen stärkeren Schutz der verbliebenen Feuchtgebiete sowie umfassende Renaturierungen bereits zerstörter Flächen. Zudem braucht es einen konsequenten Bodenschutz und großflächige Entsiegelungen, um die Funktionsfähigkeit des lokalen Wasserhaushalts zu erhalten.
Vom Wasser geprägte Ökosysteme wie Moore, Sümpfe, Flüsse, Bäche und Seen spielen von Natur aus eine entscheidende Rolle im Wasserhaushalt sämtlicher österreichischer Landschaften. Sie sichern die Trinkwasserversorgung, ermöglichen eine gesunde Landwirtschaft und sind Grundlage einer nachhaltigen Tourismus- und Freizeitnutzung. “Gerade in Hinsicht auf die Klimakrise sind wir auf gesunde Feuchtgebiete angewiesen, da sie Extremwetterereignisse, wie etwa Starkregen oder Dürreperioden, bis zu einem gewissen Grad ausgleichen können”, erklärt Bernhard Kohler vom WWF. Um die verloren gegangenen Feuchtgebiets-Funktionen zu kompensieren, wird meist auf kostspielige, technisch aufwendige und nur begrenzt wirksame Ersatzmaßnahmen wie Hochwasserdämme oder künstliche Bewässerungssysteme gesetzt. “Technische Maßnahmen können aber nur einen Teil der vielen Aufgaben übernehmen, die intakte Feuchtgebiete von Natur aus kostenlos erfüllen”, sagt Kohler. “Dazu müssen wir ihnen allerdings wieder mehr Platz in unserer Landschaft einräumen und unsere flächendeckende und intensive Landnutzung da und dort etwas zurücknehmen.”
Hintergrund
Die internationale RAMSAR-Konvention zum Schutz der Feuchtgebiete wurde 1971 ins Leben gerufen und bislang von mehr als 160 Staaten unterschrieben. Österreich ist dem Abkommen im Jahr 1983 beigetreten und hat sich damit zu einem umfassenden Feuchtgebietsschutz verpflichtet.
Ein ausführliches Positionspapier zum veränderten Wasserhaushalt in Ostösterreich sowie eine aktuelle WWF-Studie zum eklatanten Missmanagement der Wasserressourcen in Europa finden Sie hier zum Download.
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