Fotos zeigen stark gefährdete Fische vor Kraftwerksbarrieren – WWF fordert funktionsfähige Fischaufstiege und durchgängige Flüsse als Schutz vor zunehmender Hitze
WWF: ÖBB-Kraftwerkspläne EU-widrig !
Wien, am 1. Dezember 2008 – Mit der von den ÖBB geplanten Ausweitung des Wasserkraftwerkes Spullersee im oberen Lechtal riskiert die umweltfreundliche Bahn einen massiven Imageverlust und die Republik Österreich eine EU-Klage. "Wenn schon Europaschutzgebiete wie das Tiroler Naturerbe Lech geopfert werden sollen, fragt man sich: Was ist den ÖBB noch heilig?" so WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger. Landeshauptmann Platter solle dem Projekt die naturschutzrechtliche Bewilligung verweigern, und die ÖBB weitere Pläne, die noch in der Schublade sind, offenlegen, so der WWF. Auch der Tiroler Landesumweltanwalt, sowie zahlreiche Initiativen und die Bürgermeister der Region sprechen sich gegen das Kraftwerk aus und fordern den sofortigen und eindeutigen Stopp der Ausbaupläne.
Die ÖBB-Infrastruktur Bau AG bezeichnet den Ausbau des Kraftwerks Spullersee als "gesellschaftliche Verpflichtung", um den steigenden Energiebedarf der Bahn zu decken. "Wasserkraft ja, aber nicht überall und um jeden Preis", hält WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger entgegen. Es könne nicht im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens der ÖBB sein, wenn für die Wasserkraftnutzung Schutzgüter von europäischer Bedeutung angegriffen werden. "Tirol hat ein sehr reiches Natur- und Kulturerbe, auf das es mit Recht stolz ist", so Aichberger. "Gerade deshalb muss es Tabuzonen geben, die unangreifbar sind – und dazu gehört der Lech als internationales Flussjuwel. Man würde ja auch nicht in Innsbruck das Goldene Dachl abräumen, nur weil die Stadt ein Budgetloch zu stopfen hat!"
Der Kraftwerksausbau Spullersee wirkt sich negativ auf die beiden Natura 2000-Gebiete Tiroler Lech und die Klostertaler Bergwälder (Vorarlberg) aus. Gemäß den EU-Naturschutzrichtlinien ist den Mitgliedsstaaten jedoch jede Verschlechterung ihrer Schutzgüter von gesamteuropäischer Bedeutung untersagt. "Was plant die ÖBB als nächstes im Namen des Klima- und Umweltschutzes?", fragt sich Aichberger vom WWF. "Vor wenigen Monaten wurden Kraftwerkspläne an der Ötztaler Ache bekannt – ein ebenfalls noch über weite Strecken naturhah erhaltenes Flussheiligtum."
Auch der Pfarrer von Steeg am Lech, Karlheinz Baumgartner, opponiert gegen den Ausbau des KW Spullersee: "Seit Jahrzehnten stemmen sich die Lechtalerinnen und Lechtaler mit aller Kraft gegen die Kraftwerksnutzung in unserem Tal", so Baumgartner. "Gemeinsam mit vielen in- und ausländischen Organisationen ist es uns gelungen, den Lech wild zu erhalten und eine internationale Auszeichnung durch ein Natura 2000-Gebiet zu bekommen. Dass der Lech alle drei bis vier Jahre wieder zum Lustobjekt von Firmen und Kraftwerksbauern wird, zeigt, dass das Lechtal noch besser geschützt werden muss!", so Baumgartner.
Grundsätzlich begrüßt der WWF die Optimierung bestehender Kraftwerke. Ein Wasserkraftausbau, dem auch noch die letzten sechs Prozent der natürlichen Flüsse unserer Heimat zum Opfer fallen, ist jedoch nicht mehr vertretbar.
Rückfragehinweis und Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 – 250.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Erfolg: Tiwag muss Gefahrenanalysen herausgeben
Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gibt dem WWF recht: Die Tiwag muss wichtige Dokumente rund um den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal herausgeben. Dazu zählen auch Flutwellenberechnungen und Gefahrenszenarien.
WWF-Untersuchung: Wildfluss-Heuschrecken am Tiroler Inn verschwunden
Drei stark gefährdete Arten nur noch am Zubringer Ötztaler Ache nachweisbar – Flussverbauungen und Wasserableitungen setzen letzte Lebensräume unter Druck – WWF fordert großflächige Renaturierungen
WWF: Gericht verpflichtet Tiwag zur Herausgabe von Gefahrenanalysen
Landesverwaltungsgericht gibt WWF recht: Landesenergiekonzern muss Untersuchungen zu klimabedingten Naturgefahren, Flutwellenberechnungen, Alarmpläne und Gefahrenszenarien zum Gepatsch-Speicher herausgeben
Google-Rechenzentrum ohne UVP: WWF fordert rasche Gesetzesreform
Rechenzentren als eigenen Tatbestand im UVP-Gesetz verankern – Umweltorganisation verlangt Gesamtprüfung und strenge Umweltauflagen für Google-Ausbau in Kronstorf
Good News: Mehr Luchse in den Südostalpen
Im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich beobachten wir einen Anstieg der Luchspopulation. Eine schöne Bestätigung für den grenzüberschreitenden Artenschutz!
WWF-Studie: Massiv gefährdete Donaustöre beinahe täglich Opfer von Wildtierkriminalität
In zehn Jahren über 3.300 Störe in der Unteren Donau illegal getötet – WWF warnt vor Kollaps dieser wichtigen Vorkommen in Europa und fordert konsequentere Strafverfolgung
Google-Rechenzentrum wird größer: WWF fordert strenge Umweltauflagen
Geplante Erweiterung in Kronstorf verschärft Druck auf Böden und Wasser der Region – WWF verlangt volle Transparenz und verbindliche Auflagen von Landesregierung
WWF zur Roten Liste: Artensterben reicht von der Tiefsee bis in die Wüste
Neue Daten zeigen Bedrohung durch Tiefseebergbau, Industrieprojekte und invasive Arten – WWF fordert mehr Schutzgebiete und Stopp für riskante Naturzerstörung













