September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
WWF-Report: Ein Drittel aller Süßwasserfische ist weltweit bedroht
80 Fischarten sind bereits ausgestorben, 16 davon im letzten Jahr – In Österreich stehen 60 Prozent aller Fischarten auf der Roten Liste – WWF fordert ein Ende der Verbauung, Übernutzung und Verschmutzung der Gewässer

Wien, 23.02.2021 – Ein neuer Bericht der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) warnt vor dem weltweiten Fischsterben und seinen Folgen. Global ist ein Drittel aller Süßwasserfisch-Arten vom Aussterben bedroht. 80 Spezies sind bereits ausgestorben, alleine 16 davon im letzten Jahr. Insgesamt nimmt die Artenvielfalt in Flüssen und Seen weltweit doppelt so rasch ab wie jene in den Meeren oder Wäldern, schreibt der WWF gemeinsam mit 16 weiteren Organisationen in seinem Bericht. „Weltweit leiden Süßwasserfische unter der massiven Zerstörung und Verschmutzung ihrer Lebensräume. Zu den Hauptursachen zählen Wasserkraftwerke und Staudämme, Wasserentnahmen für die Bewässerung und die Verschmutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Haushalte. Dazu kommen die extremen Folgen der Klimakrise und der Überfischung“, sagt WWF-Flussexperte Gerhard Egger. Die untersuchten Bestände wandernder Süßwasserfische gingen laut dem Report seit 1970 weltweit um 76 Prozent zurück, jene großer Fischarten sogar um 94 Prozent. „Nirgendwo sonst ist die weltweite Naturkrise stärker spürbar als in unseren Flüssen, Seen und Feuchtgebieten“, warnt Gerhard Egger.
Auch Österreich ist besonders betroffen. Von den 73 heimischen Fischarten stehen rund 60 Prozent auf der Roten Liste bedrohter Arten – als gefährdet, stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Sieben Arten sind bei uns bereits ausgestorben – wie der Aal und die großen Wanderfischarten Hausen, Waxdick und Glattdick. „Wir müssen der massiven Verbauung, Übernutzung und Verschmutzung ein Ende bereiten. Sonst wird sich das dramatische Sterben der Fische weiter beschleunigen“, sagt WWF-Experte Gerhard Egger. Von der Bundesregierung fordert der WWF ein Rettungspaket, das Flüsse ökologisch saniert, überflüssige Barrieren beseitigt und die Verbauung der letzten frei fließenden Flüsse verhindert. „Dafür braucht es starke Naturschutzkriterien im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Gerade in Schutzgebieten haben neue Kraftwerke nichts verloren“, sagt Egger.
Die fehlende Durchgängigkeit von Fließgewässern aufgrund von abertausenden Wasserkraftwerken und weiteren Barrieren ist laut WWF ein Hauptgrund für den Einbruch der Fischbestände. „Fische müssen wandern können, aber in Österreich gelten nur mehr 17 Prozent aller Fluss-Strecken als freifließend. 60 Prozent sind aus ökologischer Sicht sanierungsbedürftig“, erklärt Gerhard Egger. Zusätzlich setzt auch die Klimakrise den Fischen stark zu. Höhere Wassertemperaturen begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten, verursachen Sauerstoffmangel und minimieren den Bruterfolg. Auch der viel zu hohe Eintrag von Schad- und Nährstoffen – Hormone, Antibiotika, Pestizide, Straßenabwässer – leistet einen signifikanten Beitrag zum Rückgang der Fischbestände.
Verbauung, Wilderei und Überfischung
Der WWF nennt im Report mehrere Beispiele für die Bedrohung von Fischen. Die Hilsa-Fischerei im indischen Ganges ist nach dem Bau der Farakka-Staustufe in den 1970er Jahren von einem Ertrag von 19 Tonnen Fisch auf nur noch eine Tonne pro Jahr eingebrochen. Wilderei für illegalen Kaviar ist ein Hauptgrund dafür, dass Störe zu den am stärksten bedrohten Tierfamilien der Welt gehören. Übermäßig hohe Fangquoten im Fluss Amur trugen zu einem katastrophalen Rückgang des größten Lachsbestandes Russlands bei. Im Sommer 2019 wurden keine Keta-Lachse in den Laichgebieten mehr gefunden. Verbauung, Wilderei und Überfischung schadet Fischen und Menschen. Denn Süßwasserfische sind Hauptproteinquelle für 200 Millionen Menschen weltweit.
In Österreich ist der Huchen besonders stark bedroht. Der größte lachsartige Fisch Europas kommt nur noch auf rund 50 Prozent des ehemaligen Verbreitungsgebiets vor. Auf lediglich 20 Prozent kann er sich noch natürlich fortpflanzen. Gute Bestände oder hohes Entwicklungspotenzial gibt es auf lediglich etwa 400 Flusskilometern. Davon sind nur neun Prozent effektiv geschützt. Auch an den letzten Rückzugsräumen des Huchens – etwa der Mur und der Ybbs – sind Kraftwerke geplant.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
+43 676 83 488 276
florian.kozak@wwf.at
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