Folgen der Klimakrise sorgen für Schäden in Millionenhöhe – Umweltschutzorganisation fordert konsequenten Klimaschutz und wirksame Klimawandelanpassung statt reiner Symptombekämpfung
WWF-Report: Europas unrühmliche Rolle im globalen Tiger-Handel
Kommerzieller, schlecht regulierter und illegaler Handel in Europa ist Gefahr für die weltweit letzten 4.000 wildlebenden Tiger – WWF fordert EU-weites Verbot des kommerziellen Handels und schärfere Kontrollen
Wien, 30.09.2020 – Ein neuer Report der Naturschutzorganisation WWF zeigt, dass Europa ein Drehkreuz des internationalen Tiger-Handels ist. Demnach zählen Länder wie Deutschland, Frankreich, Belgien oder Italien zu den 30 größten Exporteuren und Importeuren von Tigern weltweit. Von 2013 bis 2017 wurden insgesamt 187 lebende Tiger in Drittländer ausgeführt. Davon wurden 43 zu kommerziellen Zwecken, beispielsweise für die Zucht gehandelt. 73 landeten in Zirkussen, Freizeitparks und Wandertiershows rund um den Globus, etwa in Thailand, Vietnam, China, Singapur, Russland und der Türkei. Darüber hinaus wurden 95 Tigerprodukte wie Schmuck oder angebliche Medizin beschlagnahmt.
Der WWF fordert ein wirksames Verbot des kommerziellen Tiger-Handels und schärfere Kontrollen: „Europas kommerzieller, schlecht regulierter oder illegaler Handel mit Tigern und Tigerprodukten stimuliert die globale Nachfrage. Das befeuert letztlich Wilderei und gefährdet so die letzten 4.000 wildlebenden Exemplare“, warnt Georg Scattolin, Artenschutzexperte des WWF Österreich. Ein wichtiger Ansatz wäre, gute und bereits existierende Mechanismen zur Nachverfolgung einzelner Tiger stärker zu nützen – wie zum Beispiel die Datenbanken und Register aus Zoologischen Gärten und Behörden.
Intransparenz erschwert Strafverfolgung
Ein großes Problem ist, dass nur wenige EU-Länder die Bestände von Großkatzen-Halter*innen und -Privatzüchter*innen systematisch erfassen. Das erschwert die Strafverfolgung in Bezug auf den illegalen Handel mit Tigern aus Gefangenschaft erheblich. Jenseits Zoologischer Gärten leben europaweit zahlreiche Tiger in menschlicher Haltung. "Allerdings kennen wir weder die genaue Zahl noch wo sie sich befinden, da jedes Land unterschiedliche nationale Bestimmungen hat", sagt Scattolin. Erst im letzten Jahr wurden auch in Österreich zwei Tigerjungtiere durch die Behörden in einer Privatwohnung in Hainburg beschlagnahmt.
"Es ist alarmierend, dass die europäischen Regularien zur privaten Haltung und Zucht von Tigern sowie zum Umgang mit verstorbenen Tigern nicht verhindern, dass Europa Teil des globalen Tigerschmuggels ist. Wir fordern daher nicht nur die Schließung der asiatischen Tigerfarmen, sondern auch bessere Kontrollen, mehr Transparenz und strengere gesetzliche Rahmenbedingungen in Europa", sagt WWF-Experte Georg Scattolin.
Hintergrund
WWF-Report „Falling Through The System”
Der Bericht untersucht nationale Gesetzgebungen, Vorschriften und politische Richtlinien bezüglich der Haltung und Zucht von Tigern in Gefangenschaft, der Entsorgung der Körper und Körperteile verstorbener Tiger in der EU sowie der Durchsetzung dieser Vorschriften. Anlass der Studie waren Ermittlungen in der Tschechischen Republik im Jahr 2018. Damals deckten Behörden ein komplexes Netzwerk von privaten Züchter*innen, Mittelsmännern/-frauen und Händler*innen auf, die Schwächen in den nationalen rechtlichen Bestimmungen und Vollstreckungsmaßnahmen in Bezug auf die Haltung und Zucht von Tigern in Gefangenschaft ausnutzten.
Tiger in freier Wildbahn
2009 wurden nur noch 3.200 Tiger in der Wildbahn gezählt. Eine Wende brachte der Tigergipfel im russischen St. Petersburg – 2010 verpflichteten sich alle Regierungen der dreizehn Tigerstaaten, die Zahl freilebender Tiger bis 2022 zu verdoppeln. Dass heute wieder etwa 3.890 Tiger in freier Wildbahn leben, ist insbesondere dem erfolgreichen Tigerschutz in Nepal, Indien und Russland zu verdanken. Neben Lebensraumzerstörung bleibt Wilderei die größte Bedrohung für die letzten Tiger. Der illegale Handel und die Nachfrage nach angeblichen Tiger-Wundermitteln wird zusätzlich durch Tigerfarmen und dubiose Züchter*innen befeuert.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
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