95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
WWF-Report: Sojaproduktion für Europas Futtertröge befeuert Naturzerstörung in Südamerika
Mehr als 60 Kilogramm Soja konsumieren die Menschen in Europa durchschnittlich pro Kopf – doch den meisten ist das gar nicht bewusst. Denn 55 Kilogramm davon sind in Form von Futtermitteln in Fleisch, Eiern, Milch oder Fisch “versteckt”, wie ein neuer Report der Umweltschutzorganisation WWF zeigt. Das Problem: Der Großteil dieses Futtersojas stammt aus Südamerika und ist dort für massive Naturzerstörung verantwortlich. „Mit unserem Konsum in Europa tragen wir zur Zerstörung von Wäldern, Grasländern und Feuchtgebieten auf anderen Kontinenten bei. Es braucht daher ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten, das Wälder und Ökosysteme schützt“, fordert Hannah-Heidi Schindler, WWF-Expertin für nachhaltige Ernährung.
Die Sojaproduktion in Südamerika hat sich in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. Der Anbau von Soja ist ein Haupttreiber für die Zerstörung von Ökosystemen und setzt massiv Treibhausgase frei. Ein Ernährungswandel kann diese Entwicklung stoppen: „Mit einer Reduktion des österreichischen Fleischkonsums um ein Fünftel würden so viele Flächen frei werden, dass der gesamte Restbedarf an Soja-Futtermitteln hierzulande produziert werden kann“, rechnet WWF-Expertin Hannah-Heidi Schindler vor. Importe in Höhe von 500.000 Tonnen Soja würden dadurch wegfallen – und sogar noch eine Restfläche von 4.000 Hektar übrig bleiben.
Derzeit verhandeln die EU-Mitgliedsländer ein Gesetz, das die Entwaldung für in die Union importierte und innerhalb der EU gehandelte Güter stoppen soll. Der im November veröffentlichten Entwurf der Europäischen Kommission ist aber noch sehr lückenhaft – zum Beispiel wären viele Ökosysteme wie artenreiche Savannen von der Regelung ausgenommen. Im Rahmen der Initiative “Together4Forests” fordert der WWF daher Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger auf, sich für eine Nachschärfung des Entwurfs einzusetzen. „Ministerin Köstinger muss sich für ein wirksames Waldschutz-Gesetz stark machen. Produkte, für die Wälder zerstört werden, haben in unseren Supermarktregalen nichts verloren“, fordert Hannah-Heidi Schindler. „Alle relevanten Produkte und Lieferketten müssen rückverfolgbar und transparent sein. Darüber hinaus braucht es wirksame Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen.“
Zum Report „Mapping the European Soy Supply Chain“:
Im Jahr 2020 konsumierten Menschen in Europa durchschnittlich 237 Eier, 117 Kilogramm verschiedener Milchprodukte, 58 Kilo Schweinefleisch, Geflügel, Rindfleisch und anderes Fleisch sowie 2 Kilo Zuchtfisch. In einigen Fällen, wie bei Huhn und Lachs, ist die Menge an Sojafutter fast gleich der des produzierten Lebensmittels. 95 Gramm Soja werden benötigt, um 100 Gramm Zuchtlachs und 96 Gramm Soja für 100 Gramm Hühnerbrust zu produzieren. Weitere Beispiele, in welchen Produkten Soja versteckt ist, finden sich hier online.
Hintergrund:
Der WWF setzt sich seit langem für EU-Rechtsvorschriften gegen Entwaldung ein. Im Rahmen der #Together4Forests-Kampagne haben der WWF und 160 weitere Umwelt-NGOs 1,2 Millionen Menschen mobilisiert, um im Dezember 2020 ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten zu fordern. Darauf hat die Kommission im November 2021 eine Verordnung vorgeschlagen, um die von der EU verursachte Entwaldung und Waldschädigung einzudämmen. Für einen wirksamen Schutz muss der Entwurf aber noch deutlich verbessert werden, da wichtige Ökosysteme wie Savannen, Grasland und Torfgebiete durch den Vorschlag der Europäischen Kommission nicht geschützt werden. Ebenfalls erfasst werden müssen zumindest diese Produkte und Rohstoffe: Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao Kautschuk und Mais, Rindfleisch und andere Fleischsorten sowie insbesondere alle Holzprodukte.
Mit einer E-Mail-Aktion ruft der WWF gemeinsam mit vielen weiteren Organisationen im Rahmen der Initiative „Together4Forests“ Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger dazu auf, sich für ein starkes EU-Waldschutz-Gesetz stark zu machen: www.wwf.at/together4forests-aktion
News
Aktuelle Beiträge
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
WWF-Erfolg: WWF weitet Monitoring von Seeadlern aus
So viele besenderte Seeadler wie noch nie zuvor helfen dem WWF, die Rückkehr der Art zu begleiten. Die Daten liefern spannende Einblicke und zeigen, welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele










