Brutbilanz 2026: 30 Jahre alter Rekord gebrochen – 147 Jungvögel bei 46 Brutpaaren nachgewiesen – WWF-Auenreservat bietet wertvollen Lebensraum
WWF startet erstmals Wahl zu Österreichs Fluss des Jahres
Erstmals kann Österreich über seinen „Fluss des Jahres“ abstimmen: Der WWF hat neun Flüsse aus allen Bundesländern nominiert und ein Online-Voting gestartet, das bis zum 1. September läuft. Ausgewählt wurden die Kandidaten nach ihrem ökologischen Zustand, ihrer Artenvielfalt sowie ihrer Gefährdung und ihrem Schutzbedarf. „Die Wahl rückt wertvolle Flusslandschaften ins Rampenlicht, die durch Verbauung, Wasserkraft, Trockenheit oder fehlende Renaturierung stark unter Druck stehen. Sie brauchen dringend mehr Schutz und öffentliche Aufmerksamkeit“, sagt WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides.
„Die nominierten Flüsse stehen beispielhaft für Österreichs wertvolle Gewässer. Sie prägen Landschaften, geben seltenen Arten ein Zuhause und zeigen, was lebendige Flussräume für Mensch und Natur leisten. Genau solche Naturschätze müssen wir schützen, bevor sie nur noch eine Erinnerung sind“, sagt Toni Innauer, Olympiasieger, Skisprunglegende und langjähriger WWF-Flussbotschafter.
Laut dem Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan sind nur mehr 14 Prozent der Fließgewässer in einem sehr guten ökologischen Zustand, mehr als die Hälfte ist sanierungsbedürftig. Rund 27.000 nicht fischpassierbare Querbauwerke zerschneiden Flüsse und Bäche. Wanderhindernisse, harte Verbauungen, Wasserkraftnutzung und die Folgen der Klimakrise schwächen viele Gewässer als Lebensräume, Wasserspeicher und Rückzugsräume für bedrohte Arten. Mehr als die Hälfte der heimischen Fischarten gilt laut Roter Liste als gefährdet oder ist in Österreich bereits verschwunden.
Die neun Kandidaten wurden von WWF-Expertin Marie Pfeiffer gemeinsam mit dem Gewässerökologen Steven Weiss und dem Biodiversitätsforscher Franz Essl ausgewählt. Entscheidend für die Fachjury waren der ökologische Zustand, die Artenvielfalt, die Gefährdung und der konkrete Schutzbedarf der Flüsse.
Nominiert für den „Fluss des Jahres“ sind die folgenden neun Kandidaten aus allen Bundesländern: die Lafnitz im Burgenland als naturnaher Tieflandfluss mit Revieren für den Biber; die Lavant in Kärnten als Rückzugsort für bedrohte Fischarten wie den Semling; der Kamp in Niederösterreich als artenreiches Flussjuwel mit Eisvogel, Würfelnatter und Scharlachkäfer; die Vöckla in Oberösterreich als Heimat des bedrohten Huchens; die Saalach in Salzburg als wichtiger Fluss für die Äsche; die Schwarze Sulm in der Steiermark als Schluchtgewässer für Steinkrebs und Feuersalamander; der Lech in Tirol als einer der letzten großen Wildflüsse Österreichs und Brutgebiet für den Flussuferläufer; die Meng in Vorarlberg als naturnaher Alpenfluss mit wertvollen Schluchtlebensräumen, in denen Orchideen wie das Rote Waldvöglein vorkommen, sowie die Donau in Wien als Lebensader für den Nationalpark Donau-Auen und Lebensraum für Seeadler.
Das WWF-Voting läuft bis 1. September 2026 unter: www.wwf.at/flussdesjahres
Pressebilder der jeweiligen Flüsse und ausgewählter Arten finden Sie hier.
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Die neun Nominierten in alphabetischer Reihenfolge der Bundesländer
Burgenland: Lafnitz – Wilde Lebensader im Südburgenland
An der Lafnitz finden Biber und Eisvogel wertvolle Lebensräume mit Mäandern, Uferabbrüchen und Feuchtflächen. In Trockenzeiten zeigt der naturnahe Tieflandfluss, wie wichtig intakte Flüsse für den Wasserrückhalt sind.
Kärnten: Lavant – Rückzugsort für streng geschützte Fischarten
Die Lavant ist Heimat für die seltene Uferschwalbe und europaweit stark gefährdete Fischarten wie den Semling bzw. die Hundsbarbe. Eingriffe in den Wasserhaushalt, Verbauung und ein Laugen-Störfall im Frühjahr zeigen, wie verletzlich dieses Flussjuwel ist.
Niederösterreich: Kamp – Flussjuwel im Waldviertel
Mit wilden Felsformationen, Auen und urwaldähnlich bewachsenen Hängen zählt das Kamptal zu den eindrucksvollsten Flusslandschaften Niederösterreichs. Der Kamp bietet Eisvogel, Würfelnatter, Scharlachkäfer und Fischotter wertvollen Lebensraum. Unter Druck steht der Fluss durch Trockenheit, veränderte Abflüsse und Renaturierungsbedarf.
Oberösterreich: Vöckla – Heimat des „Königs der Fische“
In der Vöckla findet der vom Aussterben bedrohte Huchen, der „König der Fische“, noch wichtige Lebensräume mit kühlem Wasser, Kiesbänken und vielfältigen Strömungen. Belastet ist der Fluss durch Wasserkraft, Querbauwerke und Niedrigwasser.
Salzburg: Saalach – Lebensraum für die bedrohte Äsche
In der Saalach ist die Äsche auf kühles, sauerstoffreiches Wasser und intakte Kiesbänke angewiesen. Beeinträchtigt wird der Alpenfluss durch die Verbauung ihres Ufers. Zudem ist sie gefährdet durch neue Wasserkraftpläne.
Steiermark: Schwarze Sulm – Wildes Wasser in großer Gefahr
Die Schwarze Sulm bietet Steinkrebs und Feuersalamander sauberes Wasser, Schluchten und strukturreiche Gewässer. Bedroht ist das Flussjuwel durch ein Wasserkraftprojekt.
Tirol: Lech – Wildfluss mit gefährdetem Zubringer
Der Tiroler Lech ist einer der letzten großen Wildflüsse Österreichs. Seine Kies- und Schotterbänke sind ein wichtiger Brutlebensraum für den Flussuferläufer und Heimat für die streng geschützte Deutsche Tamariske. Mit dem Namloserbach gehört ein gefährdeter Zubringer zum Flusssystem, der durch Wasserkraftpläne unter Druck steht.
Vorarlberg: Meng – Naturjuwel mit ungewisser Zukunft
Als einer der letzten naturnahen Alpenflüsse Vorarlbergs fließt die Meng durch die ökologisch besonders wertvolle Meng-Schlucht – eine Heimat vieler seltener Arten. Im Einzugsgebiet finden Feuersalamander, Wasseramsel und Fledermäuse wertvolle Lebensräume; hinzu kommen Orchideenarten wie das Rote Waldvöglein. Unter Druck steht der Fluss durch frühere Wasserkraftpläne, die erneut aufgegriffen werden könnten.
Wien: Donau – Lebensader für Stadt und Nationalpark
Die Donau verbindet Wien mit dem Nationalpark Donau-Auen, einer der größten weitgehend intakten Aulandschaften Mitteleuropas. Dort finden Seeadler, Biber, Eisvogel und viele Fischarten wertvolle Lebensräume. Der Unteren Lobau droht jedoch die Austrocknung: Die Eintiefung der Donau und der fehlende Wille der Stadt, die Lobau mit Wasser zu versorgen, schwächen den Wasserhaushalt.
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