Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft gemeinsam mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides zur Teilnahme an der globalen Klima- und Naturschutz-Aktion auf
WWF: Stoppt die Talfahrt des Naturschutzes in der Kleinfragant
Wien, Klagenfurt, 10. September 2014 – Der WWF Österreich schließt sich der Kärntner Umweltallianz gegen die ökologisch verheerende Erweiterung des Schigebiets Mölltaler Gletscher an. Bekanntlich sollen die neuen Abfahrtspisten in der Nationalparkregion Hohe Tauern mitten durch die beiden Naturschutzgebiete Kleinfragant und Wurten West führen. Besonders die Kleinfragant ist ein einzigartiges Hochtal, das wegen seines Pflanzenreichtums zu den wertvollsten Gebieten der Zentralalpen zählt. „Egal die wievielte Trassenvariante gerade diskutiert wird – für den WWF sind die Auswirkungen sowohl auf die betroffenen Schutzgebiete als auch auf die Rechtssicherheit für den Naturschutz in Österreich derart gravierend, dass wir dieses Projekt strikt ablehnen“, erklärt Michael Zika vom WWF. „Wir erwarten von der Kärntner Landesregierung, dass sie den Avancen der Schultz-Gruppe jetzt rasch eine klare Absage erteilt und dieses österreichische Naturjuwel dauerhaft vor allen künftigen Begehrlichkeiten schützt.“ Der WWF ruft zur Unterstützung der Petition für die Rettung der Kleinfragant auf.
Seit Monaten rührt die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) mit Postwurfsendungen, Inseraten und auf Veranstaltungen die Werbetrommel für das Großprojekt der Seilbahn-Unternehmerfamilie Schultz. Martha Schultz, Betreiberin des Schigebiets Mölltaler Gletscher und Vizepräsidentin der WKO, will die Erschließungspläne den bestehenden Naturschutzverordnungen und sogar der Alpenkonvention zum Trotz durchsetzen. Zwar ändern sich die vorgelegten Varianten der Projektwerber laufend, sie haben aber alle gemeinsam, dass für Anlage von Schilift, Pisten, Lawinenschutzbauten und Beschneiungsanlagen umfangreiche Sprengungen und Einsätze von Planierraupen notwendig sind. Solche massiven Eingriffe sind in Schutzgebieten aus gutem Grund untersagt.
Für den Erhalt der Naturschutzgebiete und gegen das Lift- und Schipistenprojekt in der Kleinfragant sprechen sich mittlerweile alle alpinen Vereine Kärntens -Alpenverein, Naturfreunde, Slovensko planinsko društvo Celovec und Touristenclub – aus. Der renommierte Botaniker Univ. Prof. Dr. Helmut Hartl, unterstützt die Allianz und erklärt: „Die Groß- und die Kleinfragant weisen einen weit über das übliche Maß der Silikatgebirge hinausgehenden Artenreichtum auf. Allein in der Kleinfragant wurden 82 vollkommen und 33 teilweise geschützte Pflanzenarten festgestellt. Als Kenner beider Gebiete befürworte ich die Eingliederung dieser Hochtäler in den Kärntner Teil des Nationalparks Hohe Tauern, der damit eine enorme Bereicherung erfahren würde.“
Gegen das Projekt und die Vorgangsweise der Schultz-Gruppe wendet sich in enger Zusammenarbeit mit den alpinen Vereinen auch die Bürgerinitiative „Schützt Kärntens Alpinregionen“. Ihr Sprecher, Walter Papst, unterstreicht: „Die Erschließungspläne verstoßen klar gegen nationales und internationales Recht. Zu den ökologischen Bedenken kommen noch geologische: Wie jüngste Untersuchungen zeigen, ist das Projekt nicht nur naturschutzfachlich unvertretbar, sondern in der derzeitigen Planung auch geologisch nicht umsetzbar.“
Auch für den WWF sind die Naturjuwele Kleinfragant und Wurten ein unverzichtbarer Bestandteil der heimischen Biodiversität und unbedingt in ihrer Ursprünglichkeit zu erhalten. Im Rahmen einer aktuellen Untersuchung prioritärer Naturräume des Alpenbogens hat der WWF 24 Gebiete definiert, die aufgrund ihres ökologischen und Wildniswertes eines ganz besonderen Schutzes bedürfen. „Die Hohen Tauern sind für den WWF ein Eckpfeiler einer alpenweiten Wildnis- und Biodiversitätsvision. In diesem Gebiet muss auf unerschlossene, seltene Lebensräume besonders Rücksicht genommen werden, um bedrohte Arten dauerhaft zu schützen“, erklärt Michael Zika, WWF-Naturschutzexperte.
Im Tauziehen von Projektwerbern und Naturschützern ist nun eindeutig die Politik am Zug. WWF, Bürgerinitiative und die ARGE der alpinen Vereine appellieren daher an die Kärntner Landesregierung, die Bemühungen von Naturschutzlandesrat Rolf Holub zu unterstützen und allen Versuchen um Aufweichung des Naturschutzgesetzes einen Riegel vorzuschieben. Alle ÖsterreicherInnen können die Petition unterstützen.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01 488 17 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Dr. Herwig Gräbner, ARGE der alpinen Vereine, Tel. 04762-42384. E-Mail: hgraebner@aon.at
Walter Papst, Sprecher der Bürgerinitiative „Schützt Kärntens Alpinregionen“, Tel. 0650/9431677, E-Mail: walter.papst@chello.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Klimaschutz-Monitor: Schlechte Klimapolitik wird zum Milliardenrisiko
Analyse nach erstem Jahr der Dreier-Koalition zeigt große Defizite – Bundesregierung verspielt Erreichen der Klimaziele und erzeugt Milliardenrisiken für Budget – WWF fordert Kurskorrektur
Bundesregierung: Erstes Bodenschutz-Zeugnis zeigt große Defizite
WWF-Bodenschutz-Monitor 2026 veröffentlicht: Ein Jahr nach Regierungsstart prägen Stillstand und Rückschritte die Bodenpolitik – Widmungsabgabe als positive Ausnahme
Video: Animation zeigt Klimarisiken im Kaunertal
Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Good News: Seltene Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark geboren
Seltene Neuigkeiten aus dem Virunga-Nationalpark: Gorillaweibchen Mafuko hat Zwillinge bekommen!
„Achtung Gefahr“: WWF protestiert mit 20-Meter-Banner gegen Kaunertal-Ausbau
Massive Gefahren für Bevölkerung und Natur weiterhin ungeklärt – UVP-Unterlagen „skandalös unvollständig“ – WWF macht mit Riesen-Banner auf Sicherheitsrisiken aufmerksam
Nach Massen-Fischsterben: WWF fordert Wasser-Rettungspaket für Untere Lobau
Naturschutzorganisation: Langjähriger Wassermangel wirkt sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern besonders fatal für Fische aus – Stadt Wien sollte rasch mit Gegenmaßnahmen starten
WWF-Erfolg: Wisente erfolgreich im Kaukasus ausgewildert
Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.













