Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Umweltschutzorganisation fordert umfassende Ernährungswende
Österreicher*innen wollen laut BOKU-Studie umweltschonende Lebensmittel – WWF: Politik und Handel müssen Verantwortung übernehmen, aktiv gegen Billigfleisch und Verschwendung vorgehen und eine transparente Herkunftskennzeichnung umsetzen
Wien, am 29. August 2020. Durch die Corona-Krise sind Lebensmittelsicherheit, regionale Versorgung und nachhaltige bzw. biologische Landwirtschaft wieder mehr in den Vordergrund gerückt. Das zeigt auch eine aktuelle BOKU-Studie: Durchschnittlich acht von zehn Österreicher*innen geben an, dass ihnen Umweltschonung beim Lebensmittelkonsum wichtig ist und dass billige Lebensmittelpreise die größte Herausforderung für die Landwirtschaft sind. „Die Studie zeigt ganz klar: das Bewusstsein bei Konsumentinnen und Konsumenten der Wunsch nach einer umfassenden Ernährungswende sind groß“, sagt Hannah-Heidi Schindler, Expertin für nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich. Sie sieht in den Ergebnissen einen klaren Arbeitsauftrag an Politik und Handel: „Nach wie vor werden in Österreich Fleischprodukte zu Schleuderpreisen verkauft, teilweise sogar mit Nachlässen bis zu 60 Prozent. Gleichzeitig wird eine flächendeckende Herkunftskennzeichnung auf allen Fleischprodukten weiterhin schmerzlich vermisst. Informierte, nachhaltige Kaufentscheidungen sind unter diesen Bedingungen schlichtweg nicht möglich.“ Die Umweltschutzorganisation WWF fordert daher eine grundlegende Ernährungswende, die eine Transformation der gesamten Produktionskette umfasst.
„Der Preiskampf im Handel zerstört die Wertigkeit von Fleisch und erhöht den Druck auf Umwelt und Landwirtschaft. Die Verantwortung darüber darf nicht alleine an die Konsumentinnen und Konsumenten abgegeben werden. Wir brauchen ein Bekenntnis von der Politik und einen klaren, gesetzlichen Rahmen, um Lebensmitteln wieder jenen Wert zu geben, den sie eigentlich haben”, so Schindler. Der WWF Österreich fordert daher ein aktives Vorgehen der Politik gegen Billigfleisch und ein Ende der dauerhaften Preisnachlässe auf Fleischprodukte im Handel mit Ausnahme von Rabatten am Ende der Mindesthaltbarkeit. Zusätzlich braucht es eine transparente und verpflichtende Herkunftskennzeichnung im Handel und in der Gastronomie sowie faire Handels- und Wettbewerbsbedingungen, mit der Förderung einer klima- und umweltfreundlichen Produktion unter Einhaltung des Tierwohls. „Solange externe Kosten auf dem Preisschild nicht abgebildet werden, geht jeder Kauf auf Kosten unseres Planeten“, so die WWF-Expertin.
Ein wichtiger Aspekt für nachhaltigen Lebensmittelkonsum betrifft die Eingrenzung der Ressourcenverschwendung. In Österreich landet etwa eine Million Tonnen genießbarer Nahrungsmittel jedes Jahr im Müll. Schätzungen zufolge wird rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel nie gegessen. „Die billigen Preise und sich gegenseitig unterbietenden Rabattschlachten erhöhen die Kauf-Motivation. Diese stehen allerdings in keiner Relation zum tatsächlichen Wert des Produktes, zu den Auswirkungen auf die Umwelt und zu fair entlohnten Arbeitsbedingungen.“ Vor allem tierische Produkte brauchen extrem viele Ressourcen und haben oft lange Transportwege hinter sich – wie zum Beispiel beim Anbau und Import von Soja als Futtermittel in Brasilien. „Landen diese Lebensmittel dann auch noch im Müll, verlieren wir Unmengen von Ressourcen – für nichts. Es braucht daher auch von der Bundesregierung eine klare Strategie und einen Maßnahmenplan gegen unnötige Lebensmittelverschwendung“, appelliert Schindler.
BOKU Studie zeigt politischen Handlungsbedarf
Im Rahmen einer aktuellen BOKU-Studie gaben acht von zehn der Befragten unter anderem an, die Ressourcenverschwendung unseres Planeten mit Sorge zu betrachten und sehen die niedrigen Lebensmittelpreise als große Herausforderung für die Landwirtschaft. Die Studie, die von der Österreichischen Hagelversicherung in Auftrag gegeben wurde, erschien letzte Woche am 24. Juli und wurde gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger präsentiert.
Rückfragehinweis:
Sarah Bimingstorfer, MA
Presse und Politik WWF Österreich
Mobil: +43 676 834 88 216
E-Mail: sarah.bimingstorfer@wwf.at
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