Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF und ÖKOBÜRO: Niederösterreichische Verordnung zur Tötung von bis zu 300 Fischottern rechtswidrig
Die niederösterreichische Landesregierung verlängert ihre Fischotter-Verordnung um fünf Jahre – und genehmigt damit die Tötung von bis zu 300 streng geschützten Tieren. Die Naturschutzorganisation WWF und die Umweltjurist:innen von ÖKOBÜRO bewerten das Vorgehen als “mehrfach rechtswidrigen Angriff auf den Artenschutz”. “Die Verordnung verstößt gegen EU-Recht, denn nach Flora-Fauna-Habitatrichtlinie dürfen streng geschützte Tiere wie der Fischotter nur im Einzelfall getötet werden – und erst, wenn alle gelinderen Mittel genau geprüft und ausgeschöpft wurden”, sagt WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre. Zusätzlich missachtet Niederösterreich bereits seit Erlass der ersten Fischotter-Verordnung von 2019 die Anforderungen der von Österreich ratifizierten Aarhus-Konvention.
“Erst kürzlich hat der Verwaltungsgerichtshof die Anforderungen der Konvention erneut bestätigt“, sagt Gregor Schamschula von ÖKOBÜRO. “Demnach müssen anerkannte Umweltorganisationen an Verfahren beteiligt werden, in denen das EU-Umweltrecht betroffen ist. Das trifft auf das Erlassen von Verordnungen, wie jene zu Fischottern definitiv zu, wurde aber erneut verabsäumt.” Auch der laut Aarhus-Konvention zwingend erforderliche effektive Rechtsschutz sei nicht gegeben. WWF und ÖKOBÜRO fordern daher die Aufhebung der Verordnung und prüfen rechtliche Schritte.
Wie die Erläuterungen des Landes zur Verordnung zeigen, haben die zahlreichen Abschüsse der vergangenen Jahre kaum Einfluss auf die Situation an den Fischteichen. “Grund dafür ist, dass nach der Tötung eines Tieres schnell ein anderes Individuum das freigewordene Revier besetzt – während gleichzeitig viele Teiche nur unzureichend geschützt sind”, erklärt Christina Wolf-Petre vom WWF. Das Land Niederösterreich hat in seinem Fischotter-Managementplan zwar zahlreiche Schutzmaßnahmen definiert – von der Schaffung eines alternativen Nahrungsangebots bis zu geänderten Besatzdichten, die die Teiche für Fischotter unattraktiver machen. “In der neuen Verordnung hat das Land jedoch erneut alle diese Punkte ignoriert und neben Abschüssen lediglich Zäunungen als mögliche Maßnahme angeführt.”
Fischotter: Wichtig für die Natur
Fischotter sind ein zentraler Bestandteil gesunder Ökosysteme. In ihrer Rolle als Top-Prädatoren gestalten sie deren Artenzusammensetzung wesentlich mit. Sie halten naturnahe Fischbestände fit und gesund, indem sie kranke, nicht heimische und leicht zu erbeutende Individuen zuerst fangen. Menschliche Eingriffe in naturnahe Ökosysteme und deren Übernutzung haben weitreichende Konsequenzen. Hingegen hält die Behauptung, dass Fischotter Hauptverursacher für die Gefährdung von Fischbeständen seien, keiner wissenschaftlichen Prüfung stand.
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.
Statusbericht Wolf: 121 Wölfe in Österreich nachgewiesen, weniger Rudel, kaum Nachwuchs
Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz
Brutsaison am Inn: WWF und BirdLife appellieren für mehr Rücksicht auf seltene Kiesbrüter
Gefährdete Vogelarten brüten am Inn – Steigende Bestände bei Flussuferläufern geben Hoffnung – Naturschutzorganisationen warnen vor Störungen durch Menschen










