WWF und Rotes Kreuz: Naturschutz kann klimabedingte Katastrophen um mehr als ein Viertel reduzieren

2. Juni 2022 | Klima, Presse-Aussendung

Auswirkungen der Erderhitzung treffen vor allem die Ärmsten – Rotes Kreuz und WWF starten weltweite Zusammenarbeit und fordern globalen Naturschutz-Pakt

“Naturschutz rettet Leben!” – mit diesem eindringlichen Appell begründen das Rote Kreuz und der WWF ihre neue weltweite Initiative zum Thema Naturschutz und Klima-Anpassung. Mit der Veröffentlichung eines gemeinsamen internationalen Berichts zeigen die Organisationen bei einer Pressekonferenz am Donnerstag eindringlich auf, dass die Klimakrise einen wesentlichen Einfluss auf humanitäre Krisen hat und dass es jetzt Investitionen in Naturschutz braucht, um die Auswirkungen einzudämmen. „Gezielte Maßnahmen zum Schutz der Natur können klimabedingte Katastrophen um über ein Viertel verringern. Das würde nicht nur unzählige Menschenleben retten, sondern gerade in den ärmsten Regionen der Welt Schäden in Milliardenhöhe verhindern”, sagt WWF-Programmleiterin Hanna Simons und verweist dabei auf erfolgreiche Beispiele von der Erhaltung von Wäldern in Kenia bis zur nachhaltigen Bewirtschaftung im Mekong-Delta.

„Zyklone, Überflutungen, Dürren und Erkrankungen schwächen vor allem jene Länder, die ohnehin schon in Bedrängnis sind und ihrer Bevölkerung nur mangelhafte Basisversorgung und kein soziales Sicherheitsnetz bieten können. Die Teilung der Welt in reiche und arme Länder spiegelt sich in den ungleich verteilten Möglichkeiten wider, sich auf künftige Katastrophen vorzubereiten. Doch darauf kommt es jetzt an“, so Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Der WWF und das Rote Kreuz fordern einen weltweiten Naturschutz-Pakt, um mit gezielten Lösungsansätzen zum Erhalt natürlicher Ökosysteme beizutragen und so die schwerwiegenden Folgen der Klimakrise abzuschwächen.

Klimakrise fordert Menschenleben 

Über 3,3 Milliarden Menschen weltweit leben an Orten, die durch die Klimakrise stark bedroht sind. Allein im vergangenen Jahrzehnt starben mehr als 410.000 Menschen durch plötzlich auftretende klimatische Veränderungen und wetterbedingte Katastrophen – der Großteil davon in den ärmsten Regionen der Welt. Der Bericht „Working with Nature to Protect People: How Nature-based Solutions Reduce Climate Change and Weather-Related Disasters“ zeigt nun erstmals auf, dass Naturschutz-Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen um sage und schreibe 26 Prozent verringern können. “Die Kraft der Natur zum Schutz der Menschen wird oft unterschätzt. Die Natur ist unsere größte Verbündete gegen die Klimakrise. Indem wir sie wiederherstellen und schützen, können wir unsere Widerstandskraft stärken und Menschenleben retten”, erklärt Hanna Simons vom WWF. Gerade Entwicklungsländer, die von der Erderhitzung am stärksten betroffen sind, kämpfen neben dem menschlichen Leid auch mit den enormen finanziellen Folgen dieser Katastrophen.

Entwicklungspolitik ist gefordert 

Die vorliegende Analyse zeigt, dass effektiver Naturschutz bereits im Jahr 2030 Schäden im Wert von 104 Milliarden Dollar vermeiden kann, im Jahr 2050 könnten diese Maßnahmen sogar rund 393 Milliarden Dollar einsparen „Auf uns kommen große, multiple Krisen zu. Nächstes Jahr werden mehr als 274 Millionen Menschen weltweit humanitäre Hilfe und Unterstützung benötigen – so viele wie nie zu vor. Es ist deshalb höchste Zeit zu handeln“, appelliert Opriesnig. Nur mit den entsprechenden Mitteln können betroffene Gebiete nachhaltig krisenresilient gemacht werden. Das Investment in Katastrophenvorsorge jetzt, vermeidet noch viel größere Schäden in der Zukunft und kann Menschen Selbsthilfe bei zukünftigen Krisen und Klimaschocks ermöglichen. Gemeinsam fordern der WWF und das Rote Kreuz entsprechende finanzielle Unterstützung für die Umsetzung so genannter naturbasierter Lösungen sowie für die weitere Forschungsarbeit auf dem Gebiet.

„Auf nationaler Ebene fordert das Rote Kreuz daher einen raschen Beschluss des Dreijahresprogramms der österreichischen Entwicklungspolitik 2022 – 2024 und der Strategie der Humanitären Hilfe der Republik Österreich. Essenziell ist zudem die Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit in Richtung des internationalen Ziels von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE), um die angepeilten 0,7 Prozent zu erreichen. Aktuell liegt Österreich lediglich bei 0,31 Prozent“, so Michael Opriesnig.

Natur als Puffer in der Klimakrise 

Der Bericht im Auftrag des WWF und des Roten Kreuz untersucht anhand einiger Beispiele so genannte “naturbasierte Lösungen”, also Maßnahmen zum Schutz, zur nachhaltigen Bewirtschaftung und zur Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme. Diese naturbasierten Lösungen sind gleichzeitig Instrumente, um Herausforderungen wie der Klimakrise zu begegnen, das menschliche Wohlergehen zu fördern und dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken. In zahlreichen Projekten wie dem Schutz und der Wiederherstellung von Mangrovenwäldern, der Anlage von Grüngürteln zur Eindämmung der Auswirkungen von Dürren oder dem aktiven Schutz von Wäldern und der Schaffung von neuen Einkommensquellen für die Bevölkerung, setzen der WWF und das Rote Kreuz naturbasierte Lösungen bereits erfolgreich um.

Mit Hilfe der naturbasierten Lösungen können bereits etwa 20 bis 30 Prozent jener Maßnahmen getroffen werden, die notwendig sind, um die Emissionsziele im Rahmen des Pariser Klimaabkommens auf kosteneffiziente Weise zu erreichen – jedoch nur, solange die Erderhitzung bei oder unter 1,5 Grad bleibt. Wird diese Grenze überschritten, stößt die Natur an ihre Grenzen und kann ihre Funktion als natürlicher Puffer kaum noch erfüllen. Umso wichtiger ist es, jetzt zu handeln.

Der Bericht, der morgen auf der UN-Umweltkonferenz Stockholm+50 vorgestellt wird, ist der Startschuss für eine weltweite Partnerschaft zwischen dem WWF und dem Roten Kreuz. Ziel ist es, das Bewusstsein für Naturschutz zu schärfen und die Politik und die Wirtschaft aufzufordern, die Natur in ihre Planungen zur Klimaanpassung und Katastrophenvorsorge einzubeziehen.

Fotomaterial sowie der vollständige Report stehen hier zum Download zur Verfügung.

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Nikolai Moser
Leitung Kommunikation, WWF Österreich

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