WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF warnt vor Zerstörung des Neusiedler Sees durch künstliche Wasserzuleitung
Angesichts der anhaltenden Diskussion über eine Zuleitung von Donauwasser in den Neusiedler See warnt die Naturschutzorganisation WWF Österreich eindringlich vor einer solchen künstlichen Dotierung. “Auf den ersten Blick erscheint die Sorge um den niedrigen Wasserstand verständlich. Doch eine Zuleitung von Donauwasser hätte nicht nur katastrophale ökologische Folgen, sie wäre auch für das eigentliche Ziel völlig kontraproduktiv, würde sie doch letztlich zur Verlandung des Sees führen”, erklärt der Biologe Bernhard Kohler vom WWF Österreich. Der langjährige Kenner des Neusiedler Sees fordert stattdessen die Wiederanbindung verloren gegangener Überschwemmungsräume, um in nassen Zeiten mehr Wasser im See zurückhalten zu können.
Als echter Steppensee schwankt der Neusiedler See regelmäßig zwischen tiefer Überflutung und gänzlicher Austrocknung. Genau dieser Abfolge verdankt der See jedoch sein mittlerweile 13.000 Jahre altes Bestehen. “Der Salzgehalt und die starke Trübe des Sees schützen ihn seit Jahrtausenden vor Verlandung, denn sie verhindern, dass sich abgestorbenes pflanzliches Material als Schlamm auf dem Seegrund ansammelt und den seichten See nach und nach ausfüllt. Die Zuleitung von Donauwasser würde den Salzgehalt dramatisch senken und die Trübe zum Ausfallen bringen, was letztlich zum Verschwinden des Sees führen würde”, erklärt Bernhard Kohler. “Ein Steppensee lebt nun einmal von den Extremen. Und er braucht regelmäßige Trockenphasen, in denen sich der angesammelte Schlamm an der Luft zersetzen kann.”
Um diese Trockenphasen zu ermöglichen und gleichzeitig den Salzanteil zu erhalten, fordert der WWF die Wiederherstellung eines möglichst naturnahen Wasserhaushaltes am Neusiedler See. In den immer wiederkehrenden Hochwasserphasen muss möglichst viel Wasser im See zurückgehalten werden, um Vorräte für die unweigerlich folgenden Dürrezeiten zu bilden. “Derzeit wird in nassen Jahren noch immer unnötig viel Wasser aus dem See über den Einserkanal zur Donau abgeleitet. Mit dem Wasser fließt auch kostbares Salz davon”, warnt Bernhard Kohler. Statt wertvolles Wasser und Salz abzuleiten und dafür Donauwasser zuzuleiten, sollten daher frühere Überschwemmungsräume im Südosten des Sees wieder angebunden werden, um Hochwässer aufzufangen und insgesamt mehr Wasser im See halten zu können, so Kohler.
Die 90 Millionen Euro, die derzeit für den Bau des Kanals veranschlagt werden, würden locker ausreichen, um in Ungarn jene ehemaligen Überschwemmungsflächen abzulösen, die Anfang des 20. Jahrhunderts abgedämmt wurden und die bis heute als Acker und Weideland genutzt werden. Das stillgelegte Land könnte dem See als Speicherraum zurückgegeben werden. Dadurch könnten insgesamt höhere Wasserstände zugelassen werden – wenn, wie im Zuge der Klimaerwärmung fast mit Sicherheit zu erwarten, die Pegelstände durch Starkniederschläge plötzlich wieder ansteigen werden. Als flankierende Maßnahme könnten mit einem Teil des Geldes Seebäder und Seezufahrten hochwassersicher umgebaut werden.
“Trockenperioden müssen wir zulassen, denn gelegentliches Niedrigwasser und vereinzelte Austrocknungsereignisse halten den Neusiedler See langfristig am Leben. Ansonsten droht aus dem salzhaltigen und ursprünglich abflusslosen Steppensee ein von schleimigen Algen bedecktes und rasch verlandendes Gewässer zu werden. Hier hätte die besondere Fauna und Flora des Sees keinen Platz mehr und auch der Tourismus hätte in Wirklichkeit keine Freude”, warnt der Biologe Bernhard Kohler.
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt
WWF-Check: Rund ein Drittel der Grillfleisch-Angebote ohne österreichische Herkunft
95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget










