2026 bereits zehn Wölfe in Tirol getötet – Naturschutzorganisation fordert Ende von Abschüssen als Standardlösung: „Wild sein ist kein Verbrechen“
WWF-Report: Grasländer, Moore und Savannen essentiell im Kampf gegen die Klimakrise
Wien, Brüssel, am 18. Jänner 2022. Nicht nur Regenwälder, sondern auch Savannen, Grasländer und Feuchtgebiete werden weltweit aufgrund wachsender Agrarproduktion zerstört. Diese Ökosysteme sind jedoch allesamt besonders schützenswert und sollten daher laut einem neuen Report der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) unbedingt im geplanten EU-Lieferkettengesetz berücksichtigt werden. “Grasländer und Savannen können zweimal mehr Kohlenstoff speichern als tropische Wälder. Die Zerstörung von Mooren ist für fünf Prozent der gesamten globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich – doppelt so viel wie die weltweiten Emissionen des Flugverkehrs. Wenn wir die Klimakrise bekämpfen wollen, können wir auf diese natürlichen Kohlenstoff-Speicher nicht verzichten”, sagt Hannah-Heidi Schindler, WWF-Expertin für nachhaltige Ernährung.
Die artenreichste Savanne der Erde, der brasilianische Cerrado ist aufgrund von Weidehaltung und Soja-Anbau für europäisches Rindfleisch besonders betroffen. Hauptschuld dafür trägt unser großer Hunger auf Fleisch, der für einen Großteil dieser Lebensraumzerstörung, den Artenverlust und die Beschleunigung der Klimakrise verantwortlich ist. Dabei können Konsument*innen oft nicht einmal nachvollziehen, woher ihre Lebensmittel stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. „Europa muss Verantwortung für die Folgen seines Konsums übernehmen und mit dem EU-Lieferkettengesetz verhindern, dass Naturzerstörung auf unseren Tellern landet”, sagt Schindler.
Der WWF fordert, dass neben Regenwäldern auch weitere wertvolle Ökosysteme, wie Savannen, Gras- und Moorlandschaften, von Beginn an in den gesetzlichen Rahmen einbezogen werden. Ebenfalls zentral sei eine verbindliche und transparente Sorgfaltspflicht für alle relevanten Unternehmen – unabhängig von deren Größe: „Nur so können die verwendeten Rohstoffe entlang der Lieferkette konsequent rückverfolgt werden“, mahnt Hannah-Heidi Schindler. Darüber hinaus müsse die geplante Verordnung alle Produkte, die mit der Entwaldung in Verbindung stehen, berücksichtigen: „Derzeit wird zum Beispiel die Einfuhr von Mais nicht reguliert – obwohl er jenes Agrargut ist, das die EU nach Soja und Palmöl am meisten aus tropischen Ländern importiert“, kritisiert WWF-Expertin Schindler eine Lücke im Entwurf der EU-Kommission.

Die Europäische Union ist nach China der zweitgrößte Importeur von weltweiter Regenwaldabholzung. Beispielsweise stammt ein Fünftel der Rindfleisch-Importe in die EU aus dem Cerrado-Gebiet, dem Zuhause von fünf Prozent aller Arten weltweit. Auch das argentinische Chaco-Gebiet leidet massiv unter dem Soja-Anbau für den Export in Europas Futtertröge. Darüber hinaus sind laut dem Report bereits 94 Prozent der Moore in Sumatra der Ackerlandgewinnung für Palmölplantagen, der Gummi- oder Zellstoffproduktion zum Opfer gefallen.
Der neue WWF-Bericht zeigt, dass die von der EU zu verantwortenden Liefer- und Handelsketten eine direkte Rolle bei der Degradierung und Umwandlung von Ökosystemen weltweit spielen – und das weit über die Wälder hinaus. “Wenn die EU natürliche Ökosysteme jenseits der Wälder im Geltungsbereich der Verordnung außen vor lässt, verpasst sie die Chance, ihren eigenen Fußabdruck zu verringern und untergräbt ihre Klima- und Biodiversitäts-Ziele”, warnt Hannah-Heidi Schindler.
Kurzfassung des Reports auf Deutsch: https://bit.ly/3rLX0dJ
News
Aktuelle Beiträge
Fischkonsum im Urlaub: WWF warnt vor Importware und verstecktem Haifisch-Fleisch
Fischgerichte auf Touristenmenüs und Märkten häufig aus Asien und Lateinamerika importiert oder unter irreführenden Namen angeboten – WWF fordert mehr Transparenz und ruft zur Vorsicht beim Fischkonsum auf
Klimakrise offenbart Grenzen der Wasserkraft: WWF fordert vielfältigen Energiemix statt weiterer Flussverbauung
Trockenheit bremst Stromproduktion – Energieversorgung muss klimafit und naturverträglich werden – WWF fordert Energiesparen und Vielfalt beim Ausbau Erneuerbarer Energien
WWF fordert Schutzpaket für heimische Flüsse: Flusspegel auf bisher tiefstem Stand
Juli-Abflüsse an 90 Prozent der Pegel-Messstellen sehr niedrig – Burgenland, Vorarlberg und Niederösterreich besonders betroffen – WWF fordert mehr Gewässerschutz und Renaturierung
Toni Innauer wirbt für den Lech als „Fluss des Jahres“
Tiroler Wildfluss steht beim österreichweiten WWF-Voting zur Wahl – Olympiasieger mobilisiert für den Schutz der letzten naturnahen Flusslandschaften
Klimakrise als Brandbeschleuniger: WWF fordert mehr Tempo bei Waldumbau
Klimakrise erhöht Waldbrandgefahr in Österreich dramatisch – Monokulturen besonders anfällig – WWF fordert Stärkung der Wasserspeicher-Funktion naturnaher Wälder durch “Schwammwald-Offensive”
Good News: Nashorn-Wilderei in Namibia geht zurück
In Namibia wurden 2025 so wenige Nashörner gewildert wie seit mehr als 10 Jahren nicht mehr. Der Rückgang um 53% zeigt, dass konsequenter Artenschutz wirkt.
Tag des Tigers: WWF ortet Licht und Schatten beim Schutz der bedrohten Großkatzen
Nur mehr 5.500 wilde Tiger weltweit – Wilderei und illegaler Handel weitgehend ungestraft – Verlagerung von Handel mit Tiger-Präparaten ins Internet – Neue Schätzungen aus Nepal und China geben Hoffnung
WWF: Europas Meere in dramatischem Zustand – EU muss endlich handeln
Bericht zeigt alarmierende Entwicklung: Artensterben, Klimakrise und Verschmutzung setzen europäischen Meeren massiv zu – WWF fordert verbindlichen Meeresschutz im EU Ocean Act










