Schlüsselkapitel zu EU-geschützter Natur und Städten ohne Flächenangaben und Maßnahmen – Gesamtausmaß der zu renaturierenden Flächen bis 2030 fehlt – WWF fordert rasche Nachschärfungen
WWF-Flusswahl: Lech ist Österreichs „Fluss des Jahres“ 2026
Wien, am 3. September 2026 – Der Tiroler Lech ist Österreichs „Fluss des Jahres“ 2026. Der Wildfluss erhielt beim erstmals durchgeführten WWF-Online-Voting die meisten Stimmen. Platz zwei geht an die Schwarze Sulm in der Steiermark, den dritten Platz belegt der Kamp in Niederösterreich. Von 22. Juli bis 1. September standen neun Flüsse aus allen Bundesländern zur Wahl. Eine Fachjury hatte die Kandidaten nach ihrem ökologischen Zustand, ihrer Artenvielfalt, ihrer Gefährdung und ihrem konkreten Schutzbedarf ausgewählt. „Der Lech zeigt in besonderer Weise, was Österreichs Wildflüsse einzigartig macht: natürliche Dynamik, vielfältige Lebensräume und eine Landschaft, die Menschen begeistert. Sein Sieg ist ein starkes Signal für den Schutz der letzten naturnahen Flusslandschaften“, sagt WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides. Der WWF fordert daher von der Landesregierung eine öffentliche Schutzgarantie für den Lech und seine Zuflüsse, um den Wildfluss dauerhaft vor neuen Eingriffen zu schützen.
Der Tiroler Lech zählt zu den letzten großen Wildflüssen Österreichs. Seine Seitenarme, wilden Ufer sowie regelmäßig umgelagerten Kies- und Schotterflächen bieten seltenen Arten wie dem Flussuferläufer und der streng geschützten Deutschen Tamariske wertvolle Lebensräume. Dennoch steht das Lech-System mit all seinen Zuflüssen unter Druck. Am weitgehend naturnahen Namlosbach planen die Elektrizitätswerke Reutte derzeit etwa die Ableitung eines Großteils des Wassers in Richtung Rotlechspeicher.
Schwarze Sulm: Platz zwei für steirisches Naturjuwel
Auf Platz zwei folgt die Schwarze Sulm. Der rund 17 Kilometer lange Oberlauf des steirischen Flusses zählt zu den längsten unberührten Fließstrecken Österreichs. Sauberes Wasser, natürliche Schluchten und vielfältige Gewässerstrukturen bieten Arten wie Steinkrebs und Feuersalamander wertvolle Lebensräume. Die Schwarze Sulm ist Teil eines Natura-2000-Gebiets. Dennoch bedroht ein geplantes Wasserkraftwerk weiterhin die frei fließende Flussstrecke.
Der WWF fordert einen endgültigen Projektstopp und einen verbindlichen Schutz der Schwarzen Sulm. Denn die drohende Naturzerstörung steht in keinem Verhältnis zur geringen Stromausbeute des Projekts.
Kamp: Platz drei für Flussjuwel im Waldviertel
Den dritten Platz im WWF-Voting erreicht der Kamp. Wilde Felsformationen, Auen und urwaldähnlich bewachsene Hänge machen das Kamptal zu einer der eindrucksvollsten Flusslandschaften Österreichs. Eisvogel, Würfelnatter, Scharlachkäfer und Fischotter finden hier wertvolle Lebensräume. Die extreme Trockenheit hat den Handlungsbedarf am Kamp zuletzt besonders deutlich gemacht: Im Juli lag der mittlere Abfluss an der Messstelle Zwettl um 89 Prozent unter dem langjährigen Monatsmittel.
Der WWF fordert daher, dem Kamp wieder mehr Raum zu geben, verbaute Abschnitte zu renaturieren und den natürlichen Wasserrückhalt in der Flusslandschaft zu stärken.
Neben den drei Erstplatzierten waren die Donau in Wien, die Lafnitz im Burgenland, die Lavant in Kärnten, die Meng in Vorarlberg, die Vöckla in Oberösterreich und die Saalach in Salzburg nominiert. „Die Flusswahl hat einen Sieger, aber der Schutzauftrag gilt für alle neun Nominierten. Österreich muss seine letzten intakten Flussstrecken konsequent bewahren und beeinträchtigte Gewässer wiederherstellen. Davon profitieren Artenvielfalt, Wasserrückhalt und der Schutz vor den zunehmenden Folgen von Trockenheit und Hochwasser“, sagt WWF-Chefin Andrea Johanides.
Pressebilder zu den erstplatzierten Flüssen sowie von WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides finden Sie hier.
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