WWF-Ausblick: Österreichs Flüsse gehen stark geschwächt in den Herbst

7. September 2026 | Flüsse, Österreich, Politische Arbeit, Presse-Aussendung

Im August rund 90 Prozent der Pegelmessstellen mit sehr niedriger Wasserführung - Niederösterreich, Burgenland und Steiermark besonders betroffen - WWF fordert Schutzprogramm und Renaturierung

Wien, 7. September 2026 – Nach einem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer gehen Österreichs Flüsse stark geschwächt in den Herbst. Im August wiesen rund 90 Prozent der ausgewerteten Pegelmessstellen eine sehr niedrige Wasserführung auf, informiert die Naturschutzorganisation WWF auf Basis des Wasserhaushaltsberichts des Umweltministeriums. Besonders niedrige Werte verzeichneten laut einer WWF-Auswertung mehrere Flüsse in Niederösterreich, im Burgenland und in der Steiermark. „Der anhaltende Wassermangel setzt viele Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume massiv unter Druck. Herbstliche Regenfälle können die Wasserführung zwar vorübergehend verbessern, bereits entstandene ökologische Schäden aber nicht rückgängig machen“, sagt WWF-Flussökologin Marie Pfeiffer. Der WWF fordert daher ein bundesweites Schutzprogramm und mehr Renaturierungsmaßnahmen, um natürliche Wasserspeicher zu stärken.

Die extremste Abweichung unter den ausgewerteten Referenzpegeln verzeichnete die Leitha bei Deutsch-Haslau in Niederösterreich. Der mittlere August-Abfluss lag dort 98 Prozent unter dem langjährigen Monatsmittel und entsprach damit nur noch rund zwei Prozent der üblichen Wassermenge. An der Thaya bei Raabs betrug das Minus 96 Prozent, am Kamp bei Zwettl 89 Prozent. Auch die Pinka bei Oberwart mit minus 86 Prozent und die Raab bei Neumarkt im Südburgenland mit minus 82 Prozent führten außergewöhnlich wenig Wasser. In der Steiermark waren gleich mehrere Flüsse stark betroffen: die Sulm bei Leibnitz mit minus 77 Prozent, die Mur bei Mureck mit minus 73 Prozent und die Lafnitz bei Rohrbach mit minus 72 Prozent. Deutliche Defizite zeigten sich ebenso an der Bregenzerach in Vorarlberg mit minus 79 Prozent, an der Traun bei Wels in Oberösterreich mit minus 74 Prozent und an der Lavant bei Krottendorf in Kärnten mit minus 72 Prozent. In Tirol war die Kitzbüheler Ache mit minus 63 Prozent am stärksten betroffen.

Bei hohen Temperaturen erwärmen sich seichte Flussabschnitte besonders rasch, während der Sauerstoffgehalt sinkt, warnt der WWF. „Für kälteliebende Arten wie Äsche, Huchen und Bachforelle schrumpfen dadurch lebenswichtige Rückzugsräume. In verbauten oder ausgeleiteten Gewässerstrecken verschärft sich der Hitzestress zusätzlich, weil Schatten, natürliche Strukturen und kühlere Tiefenbereiche fehlen“, sagt WWF-Expertin Marie Pfeiffer. Die Folgen reichen weit über einzelne Fischarten hinaus: Anhaltendes Niedrigwasser setzt ganze Flussökosysteme massiv unter Druck.

WWF fordert bundesweites Niedrigwasser-Schutzprogramm
Der WWF fordert Bund und Länder auf, besonders gefährdete Flüsse mit einem verbindlichen Niedrigwasser-Schutzprogramm abzusichern. Dazu gehören ausreichend Restwasser in Wasserkraftstrecken, klare Beschränkungen für Wasserentnahmen in Trockenphasen, natürliche Beschattung durch Ufergehölze sowie die Wiederanbindung von Nebenarmen und Auen. „Neben akutem Krisenmanagement braucht es dauerhaft widerstandsfähige Flüsse. Bund und Länder müssen ausreichend Wasser in den Gewässern sichern und den Flüssen wieder mehr Raum, Schatten und natürliche Rückzugsorte geben. Renaturierung ist unverzichtbarer Hitzeschutz für unsere Gewässer“, sagt Marie Pfeiffer vom WWF.

Bundesländer im Vergleich: Auffällige Referenzpegel im August 2026
Besonders starke Abweichungen vom langjährigen August-Mittel gab es an folgenden Referenzpegeln (gemäß Wasserhaushaltsbericht BMLUK):

Niederösterreich: Leitha/Deutsch Haslau minus 98 Prozent, Thaya/Raabs minus 96 Prozent, Kamp/Zwettl minus 89 Prozent, March/Angern minus 77 Prozent.

Burgenland: Pinka/Oberwart minus 86 Prozent, Raab/Neumarkt minus 82 Prozent.

Oberösterreich: Traun/Wels-Lichtenegg minus 74 Prozent, Enns/Steyr minus 69 Prozent, Vöckla/Vöcklabruck minus 66 Prozent.

Steiermark: Sulm/Leibnitz minus 77 Prozent, Mur/Mureck minus 73 Prozent, Lafnitz/Rohrbach minus 72 Prozent.

Kärnten: Lavant/Krottendorf minus 72 Prozent, Gurk/Gumisch minus 61 Prozent.

Vorarlberg: Bregenzerach/Kennelbach minus 79 Prozent, Rhein/Lustenau minus 64 Prozent.

Tirol: Kitzbüheler Ache/St. Johann in Tirol minus 63 Prozent, Isar/Scharnitz minus 57 Prozent.

Salzburg: Salzach/Salzburg-Nonntal minus 59 Prozent.

Pressebilder von WWF-Expertin Marie Pfeiffer sowie Flüssen mit Niedrigwasser sind HIER abrufbar.

Rückfragen

Mag. Volker Hollenstein
Politischer Leiter, WWF Österreich

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