Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Neues Leben für „Unseren Inn“
Innsbruck, 21. August 2007 – Der Inn soll künftig für Mensch und Natur seine Funktionen als Lebensader in Tirol umfassender wahrnehmen – und gleichzeitig sein Hochwasserschutz neu orientiert werden. Das kündigten heute Umweltminister Josef Pröll, die Landesräte Hannes Bodner und Anna Hosp sowie die Geschäftsführerin des WWF Österreich, Hildegard Aichberger, im Rahmen einer Pressekonferenz an. Bis 2010 sind zahlreiche Maßnahmen geplant, die den Inn lebendiger und zugleich sicherer machen sollen: Für die Sicherheit des Siedlungs- und Wirtschaftsraumes im Hochwasserfall wird unter anderem die Gefahrenzonenplanung aktualisiert, weiters sollen Rückhalteräume wieder hergestellt werden. Für die Belebung des Flusses werden Seitengewässer wieder besser an das Hauptgewässer angebunden, Auwälder geschaffen und somit die Entstehung neuer Lebensräume für Flussbewohner wie Biber, Flussuferläufer & Co gefördert. „Die Initiative ‚Unser Inn’ zeigt beispielhaft, wie besserer Hochwasserschutz und mehr Ökologie optimal verbunden werden können“ freuen sich die Projektpartner unisono.
„Die Jahrhunderthochwasser der vergangenen Sommer haben uns den Handlungsbedarf deutlich vor Augen geführt. Während die technischen Möglichkeiten des Schutzwasserbaues in unserem Land gut entwickelt sind, sollten wir in Zukunft noch stärker auf die Möglichkeiten des ökologischen Hochwasserschutzes setzen. Dabei gilt der Grundsatz ‚Technische Verbauung, wo nötig, ökologischer Hochwasserschutz, wo möglich’“, erklärt Umweltminister Pröll.
Der Inn ist einer von vier Modellflüssen Österreichs, an denen das Lebensministerium und der WWF konkrete Revitalisierungsmaßnahmen setzen werden. Dies unterstützt auch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die unter anderem ein Verbesserungsgebot für die Flüsse beinhaltet. Die Ziele der Kooperation „Gemeinsam für unsere Flüsse“ zwischen Lebensministerium und WWF wurden kürzlich in einem Memorandum of Understanding festgelegt.
Was am Inn in den nächsten Jahren geschehen soll, ist im so genannten „Masterplan Inn“ zusammen gefasst. Die einzelnen darin enthaltenen Vorhaben wurden von der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Tirol in enger Abstimmung mit der Sektion Wasser des Lebensministeriums und den Projektpartnern ausgearbeitet. Neben der Aktualisierung von Gefahrenzonenplänen und der Schaffung von Retentionsräumen sind auch zahlreiche ökologische Verbesserungen vorgesehen. „Das Maßnahmenpaket soll zwar in erster Linie die Hochwassersicherheit verbessern, ist aber auch als ein wesentlicher Schritt für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie am Tiroler Inn zu sehen“, wird von Landesrat Hannes Bodner klargestellt.
Der Inn hat in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten große Flächen seiner ehemals ausgedehnten Auenlandschaften eingebüßt. Von etwa 1.600 Hektar Auen im Jahr 1855 sind nur noch rund 210 Hektar erhalten. Das ursprüngliche Artenspektrum von 31 Fischarten im Tiroler Inn ist heute auf die Äsche, die Bachforelle und die Regenbogen-Forelle beschränkt. „Mit der Schutzgebietsbetreuung der Innauen trägt das Land Tirol bereits aktiv dazu bei, die letzten Auwaldreste am Inn zu erhalten. Durch die Projekte im Rahmen von ‚Unser Inn’ erwarten wir uns nun auch eine deutliche ökologische Verbesserung der Flussräume und ihrer Lebensgemeinschaften“, erklärt Landesrätin Anna Hosp. Als erste Maßnahme werden die Innauen bei Radfeld neu gestaltet: Ein ehemals durchströmter Arm wird wieder an den Hauptfluss angebunden und dadurch ein neuer Auenlebensraum geschaffen.
Naturnahe, lebendige Flüsse bieten nicht nur ein wertvolles Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, sondern erfüllen auch wichtige Funktionen für den Menschen: Sie bilden ein natürliches Bollwerk im Hochwasserschutz, dienen der Trinkwasserversorgung und sind ein einzigartiger Erlebnis- und Erholungsraum. Der WWF setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz und die Wiederherstellung von Flussökosystemen ein. Am Tiroler Lech wurde von 2001 bis 2006 ein LIFE-Projekt von der EU und dem Lebensministerium unter Beteiligung des Landes Tirol und des WWF als größtes Flussrevitalisierung-Projekt im Alpenraum durchgeführt. Im Jahr 2005 startete dann die gemeinsame Initiative „Unser Inn“, deren Umsetzung nun beginnt. „Wir freuen uns, dass wir den gemeinsamen, erfolgreichen Weg für die Tiroler Flüsse fortsetzen können!“, so Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des WWF Österreich. „Diese Initiative soll nicht nur für den Inn zukunftsweisend sein. Wir wünschen uns, dass dieser konsequente Weg auch in anderen Regionen Österreichs eingeschlagen wird“, erklärt Aichberger abschließend.
Detaillierte Maßnahmenliste: siehe Beiblatt bzw. unter www.wwf.at/presse
Rückfragehinweis: Lebensministerium Pressestelle, Tel. 01/71100-6307
Thomas Schönherr, Leiter Öffentlichkeitsarbeit Land Tirol, Tel. 0512/508 – 2240
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF, Tel. 01/48817-250
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